Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
592
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Exrnonne, erregte im vorigen Jahre großes Aufſehen durch ihre Enthüllungen der Geheimniſſe des Kloſterlebens, die ins Franzöſiſche, Engliſche und Deutſche überſetzt worden ſind. Man erwartet von ihr, daß ſie den Gegenſtand dieſes Jahr fortſetzen wird. C.

Die japaneſiſche Lilie.

In England blühen jetzt mehrere Exemplare der berühm⸗ ten japaneſiſchen Lilie(Lilium auratum), welche bei den japaneſiſchen Damen ſo ſehr in Gunſt ſteht, da eine einzige Blume davon hinreicht, ein großes Zimmer mit Wohlgeruch zu erfüllen. Die Blume iſt ſternförmig, weiß wie Elfenbein, mit carmoiſinrothen Flecken bedeckt und in der Mitte jedes Blumenblatts zeigt ſich ein Strich von gelber Farbe. Der Herausgeber desGardener's Chronicle ſagt bei der Be⸗ ſchreibung dieſer Lilie:Wenn je eine Blume den Namen rühmlich« verdiente, ſo iſt es dieſe, ebenſowohl wegen der Schönheit derſelben, wie wegen ihres aromatiſchen Wohl⸗ geruchs. C.

Misrellen.

Terry, der Cröſus von Botany⸗Bai, iſt geſtorben und hat ein Vermögen von beinahe einer Million Pf. St. hinter⸗ laſſen. Er hat ſeiner Frau eine jährliche Rente von 10,000 Pf. St. vermacht. DerInternational erzählt, dieſer Mann ſei in früher Jugend, weil er Eier geſtohlen hatte, verurtheilt worden, nach dem ſüdlichen Neuwales deportirt zu werden. Dort habe er in einer kleinen Bude ein Geſchäft als Darleiher auf Pfänder eröffnet und bald habe er ſehr glänzende Geſchäfte gemacht. In Zeit von zwanzig Jahren war es ihm gelungen, ſich ein Vermögen von 90,000 Pfd. St. zu erwerben.

Vor ſechs Jahren bezog Samuel Terry von ſeinem Vermögen ein jährliches Einkommen von 50,000 Pfd. St.; er bewohnte ein ſehr hübſches Haus in Pitt-A-uns in Sydney. Wenn er zufällig einen Freund zu Gaſte hatte, ſo ließ er eine Flaſche Liqueur holen, und er empfing ſie aus den Händen ſeines Dieners, indem er ſeine Naſe deſſen Munde näherte, um ſich zu verſichern, daß derſelbe unterwegs nicht aus der Flaſche getrunken habe.

Man ſchätzt, daß er Wechſel von mehr als 300,000 Pfd. St. zu 109 discontirt habe. Er beſaß in Sydney eine ganze, ſehr lange Straße, und obſchon ſich ſeine Einkünfte von den Miethern ſeiner Häuſer und ſeiner Pachthöfe auf mehr als 70,000 Pfd. St. beliefen, lebte er doch jährlich mit 500 oder 600 Pfd. St.

Vietor Hugo glaubt, er habe als Schriftſteller ſeinen wahren Beruf verfehlt; als Maler würde er einen weit größern Ruhm erlangt haben.

Seit 1842 wurden in Italien 889 Opern und Ballete componirt, zu denen Donizetti allein mehr als 70 geliefert hat.

In Folge der Einführung des Penny⸗Portoſyſtems in England hat ſich die Fabrikation der Stahlfedern ſehr vermehrt.

Novellen⸗

Zeilung.

Vor 24 Jahren hielt man es für etwas Ungeheures, das 190 Tonnen Stahl in 200 Millionen Stahlfedern verarbeitet wurden. Jetzt giebt es eine Anzahl Häuſer, von denen jedes jährlich 20, 30, ja mehr als 50 Millionen Stahlfedern fabriciren läßt, die theilweiſe ſo billig ſind, daß ein Gros zu 4 Pence gelauft werden kann.

Es iſt erwieſen, daß eine Maſſe der beſten Cannel⸗ kohle von der Größe eines Wallfiſches mehr Oel enthält, als ſich in dem Körper dieſes Thieres findet. C.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Die Thespiade oder die kleine Bretterwelt von Haßwehr. Berlin, bei Wegener.

In ganz anderer Form und Weiſe dient dies kleine Epos demſelben Zwecke, wie das vorige Werk, indem es auch, wenn auch nicht als nächſtes Ziel, ſo doch als Mittel zum Zwecke der Unterhaltung die Schwächen und Lächerlichkeiten der Theaterwelt, beſonders des kleinen fahrenden Künſtler⸗ lebens an ſogenanntenSchmieren ins Licht ſtellt. Der Stoff ſchon legt Burleskerie und moderne Komik näher, als fein künſtleriſches Streben, und ſo finden wir denn auch jenen breiteren Weg mit mehr oder minderem Glück eingeſchlagen.

3 O. B.

Schleſiſche Provinzialblätter. Herausgegeben von Oelzner. Breslau, bei Trewendt.

In den Heften vom April bis Juni bringt dieſes ſchon oft anerkennend von uns erwähnte rüſtige Unternehmen manche culturwiſſenſchaftlich intereſſante Einzelheiten, ſo z. B. Das Haus zu den ſieben Galgen, Geſchichte der Breslauer Schützenplätze(von J. Neigebaur), Erinnerung an die Vertheidigung der Feſtung Breslau 16067, Die Schweid⸗ nitzer Schützengeſellſchaft(aus des vielthätigen Neigebaur's Nachlaß) und daneben noch viele andere Specialia, welche für die Provinz Schleſien und ihre culturgeſchichtliche Kenntniß vervollſtändigend ſind. O. B.

Geſammelte Novellen von Levin Schücking. Hannover, bei Karl Rümpler. Das routinirte bekannte Talent Schückings, der gern

hiſtoriſche Stoffe zu ſeinen größeren und kleineren Novellen⸗

wählt, verleugnet ſich auch in dieſen beiden Erzählungen des vorliegenden Bandes nicht. Dieſelben gehören der Zeit des achtzehnten Jahrhunderts an, und es ſind Perſonen von ge⸗ ſchichtlichem Intereſſe darin verflochten, ohne daß mit dieſer Erwähnung einepoetiſche kunſtgerechte Behandlung der Hiſtorie angedeutet werden ſoll. O. B.

Inhalt: Warkotſch. Novelle von Ewald Auguſt König.(Schluß.)

An den Rhein. Gedicht von Mar Dalſtein. Literariſche Briefe von Otto Banck.

Feuilleton. Prison Life of Jefferson Davis. Züge aus dem geſelligen Leben Augsburgs. Ueber die Naſen. Ein lucra⸗ tiver Kunſtzweig. Die Bücher in alten Zeiten. Ein ſeltſames Urtheil uͤber die Liebe. Italieniſche Schriftſtellerinnen. Die japaneſiſche Lilie. Miscellen. Vom deutſchen Buͤchermarkt.

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Redigirt unter Verantwortlichkeit von Oilo Friedrich Dürr in Leipzig. Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig.

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