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Vierte Folge.
reden. Da mußte ich es nun wohl bekannt in der Freundſchaft werden laſſen, um nicht für ſtolz ausge⸗ ſchrieen zu werden. Darauf hab ich wohl mühſame Zeit gehabt und bin von gar vielen Leuten heimge⸗ ſucht worden, die mir Glück gewünſcht haben. Dar⸗ unter nun auch die Frau Burggräfin von Burtenbach, des Königseck Schweſter, die aber ganz betrübt ge⸗ weſen und geſagt, daß ſie wohl hätte wünſchen mögen, meine Schwägerin zu werden, da es aber nicht ſein mochte, wollte ſie mir dennoch Glück wünſchen, das auch ihr Bruder thät, und allemal mich hochſchätzen und ehren wollte, wenn ich ſchon ihn nicht gewählt
hätte, und der wär in aller Stille nun fort und auf
ſein Schloß nach Königseck gezogen, wo er ſuchen wollte, ſeinen Kummer ſo viel als möglich zu ver— geſſen. So antwortete ich ihr und war ganz an⸗ muthig, da ich es ſagte, und redete, wie mir's um's Herz war. Daß ich recht großes Mitleiden mit Ritter Hanſen hätte, da ich viel auf ihn hielt, und wohl wüßte, daß er allenthalben hoch geprieſen und Ritter Marquarden ganz gleich wär, ſo daß, wenn der nicht geweſen wäre, ich wohl keinen Andern ge⸗ wählt haben würde. ſchwere Wahl gehabt, und hoffte, ſie werde darum keine Feindſchaft auf mich werfen, da ich doch un⸗
möglich alle beide hätte nehmen können, das ſie mir
auch verſprochen.
mich faſt erbarmt, was ich gethan hab. weit ärger
Iſt eine recht liebe Frau und hat aber doch Den andern Tag aber iſt mir's gegangen. Als ich in meiner Stube
allein geweſen und geſponnen, da bin ich gar ſehr
erſchrocken, weil ein gerüſteter Ritter zu mir herein⸗ getreten, den ich ſogleich für Ritter Kunzen ange⸗ ſehen. Da ging er ganz trotziglich auf mich zu, und ſprach mich unhöflich an, da ich ſchon aufſtand und ihn willkommen heißen wollte, wiewohl er es nicht war. Wiſſet, Frau, ſagte er vermeſſen zu mir, daß ich nun lange genug gewartet und lange genug mich herumziehen laſſen, ſo ſollt ihr wiſſen, daß ich jetzt da bin, euch zu fragen, ob ihr noch nicht ge⸗
wählt habt, und euch zu ſagen, daß, wenn es noch nicht geſchehen, ihr auf der Stelle wählen müßt, und
mich wählen müßt. Da hat mein Herz gezittert und gebebt bei dieſen Worten, doch erholte ich mich und ſagte zu ihm: ob er wolle mich mit unhöflichen Worten zwingen zu heirathen, und ob das eine Weiſe
ſei, einer ehrbaren Frau zu begegnen? Doch weil er
zu wiſſen verlange, ob ich ſchon gewählt habe, ſo wolle ich es ſagen: ja, ich habe gewählet, aber nicht ihn. Hätteſt ſehen und hören ſollen, liebe Teutiche, wie zornig der Mann ſich geberdete, wie er geflucht,
die Zähne geblecket, mit den Füßen geſtoßen und ge⸗
So hätte ich unter beiden eine
reut mich das nicht,
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lärmt hat. Ja, ich weiß, ſagt er, daß ihr gewählt habt und weiß es auch wen? Marquard habt ihr mir vorgezogen, aber zu eurem Schaden ſollt ihr's ge⸗ than haben. Er kennt mich und ſoll mich noch mehr kennen lernen. Das ſchrie er und ſchlug mit der Fauſt auf den Tiſch, und darauf ging er von mir und verließ mich halb todt vor Angſt und Schrecken. Da ſagte meine Magd, daß er ſich mit einem alten Bauernweib in's Haus gedrungen, und ehe ſie ihn bemerkt, zu mir gekommen ſei. Habe ihm von weitem angeſehen, daß er recht wild ſei und deswegen ſchon Leute zuſammen gerufen und Dank allen Heiligen, daß er wieder aus dem Hauſe ſei, das ich auch ge⸗ than habe. Da verbot ich ihr, keinem Menſchen von dieſer Heimſuchung zu ſagen, da ich nicht mag, daß Ritter Marquard es erfahren ſoll. Hernach habe ich gehört, daß der Ritter, ſobald er von mir gegangen, auf ſein Pferd geſtiegen und im ſtärkſten Rennen aus der Stadt geritten ſei. Heilige Mutter Gottes! wenn nur der böſe Mann kein Unheil anfängt und uns elend macht. Mein Troſt iſt das, daß man vom Drohen nicht ſtirbt, und daß es nicht der Mühe werth iſt, meinetwegen Krieg anzufangen. Nun iſt mir aber Ritter Marquard immer lieber und werther, und habe ich ihm geſtern Abend einen ſchönen Finger⸗ ling gegeben, wie er denn auch das gethan hat und mir einen geſchenket, und war dabei mein Bruder und ſeine Frau und meines Hainz ſel. Brüder mit ihren Frauen, und Hermann von S
Ritters Bruder und andere ehrbare L haben alſo Stuhlveſte gehalten. Jetzt aber werden wir neue Unruhe in die Stadt kriegen, da der Kaiſer*) einen Reichstag hier halten wird. morgen erwartet meines Haus abſteigen und macht das meiner Schwägerin gar viel Beſchwerde, zumal ihre Stunde noch iſt, und keine Zeit mehr vor ſich hat. Komm doch auch hierher, liebe Teutiche, und denke, daß ich mich recht freuen wollte, wenn du kämſt und da bliebeſt, bis daß meine Hochzeit vorbei wär.
XVI.
Vorgeſtern iſt der Kaiſer glücklich in Augsburg angekommen, und eben, da der Lärmen gar feindlich, da iſt meine Schwägerin glücklich in das Kindbett kommen, und iſt eines Sohnes gelegen und hat große Freude dadurch gemacht. So hat es mein Bruder gleich dem Kaiſer erzählet, bei dem er gar wohl ge⸗ litten iſt, und hat ihm der Kaiſer Glück gewünſcht und geſagt, daß er des Kindes Dot(Pathe) ſein wolle, das auch geſchehen iſt, und hat der Bube des
chellenberg, des eute genug, und
Soll
werden und in Bruders
*) Es war Kaiſer Sigismund.
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