Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
431
Einzelbild herunterladen

4 2 OGus

verwandelte, das Waſſer der Flüſſe und Moräſte verdünſtete, die Bäume niederſtürzte und Wolken von Rauch und Dampf und düſtre Säulen von wolligen Kränzen gen Himmel ſandte. Das ganze öſtliche Hawaii war ein Lichtſchein und unſre Nacht war in Tag verwandelt. So groß war unſre Illumination zur Nachtzeit, daß man ohne Lampe leſen und arbeiten konnte; ebenſo konnte man wie am Tage reiſen und ſich erholen. Seeleute, die ſich auf offenem Meere befanden, ſahen das Licht in einer Entfernung von 200 Meilen. Es war ein pyrotechniſches Schauſpiel, prachtvoller und wunder⸗ barer als irgend ein Feuerwerk, das ein irdiſcher Monarch je veranſtaltet hat.

Während der Tageszeit war die Atmoſphäre auf Tauſende von Quadratmeilen mit einem trüben, dichten Nebel erfüllt, durch welchen die Sonnenſtrahlen ein blaſſes und armſeliges Acht ergoſſen; Rauch, Dampf, Gaſe, Aſche, ausgebrannte

Kohlen in Funken oder haarförmig ſchwammen in der

Lift, breiteten ſich zuweilen wie ein Fächer aus, rannen zu⸗ welen in ſchnellen Strömungen auf den Wind oder drehten ſich mit ſich immer verändernden Farben im Kreiſe. Der Punt, aus dem der Feuerſtrom ſich ergoß, liegt 10,000 Fuß ber dem Meeresſpiegel. und dadurch wurde die Feuer⸗ ſälle längs der ganzen öſtlichen Küſte von Hawati ein bſtimnter Gegenſtand der Beobachtung. Während des Ausbruchs machte der Schreiber dieſes eſe Excurſion nach der Quelle. Nach einer beſchwerlichen ſe von drei Tagen durch Dſchongles und Felder, über de und Bergrücken kam er kurz vor Sonnenuntergang der Scene des großartigen Phänomens an. Die ganze ſcht hindurch ſtand er dem glühenden Pfeiler ſo nahe, als dheftige Hitze es nur erlauben wollte, und horchte auf die fecklichen Exploſionen und das furchtbare Brauſen der chmolzenen Säule, wie ſie ſich tauſend Fuß hoch erhob und un in einer ſeurigen Lawine niederſank, die den Berg ſttern ließ. Es war eine Scene, wie wenig Sterbliche genzeugen einer ähnlichen geweſen ſind. An Schlaf war den Zuſ chauer nicht zu denken. Der heftige rothe Schein, unteriy diſche Getöſe, die ſchnellen Exploſionen der Gaſe, Rauſſchen und Brauſen, der plötzliche und ſchreckliche or/ uch wie eines krachenden Domgerſchlags Alles,

*(flößte Ehrfurcht ein und Alles versnigte ſich, der Scene

il hlanz und eine ſchreckliche Erhaben⸗

n unbeſchreiblichen Glanz 5 uell zu veſch Die Feuerſtröme aus der Quelle floſſen ungefähr 35 Meilen weit und machtenzehn Meilen von Hilo Halt. Hätte der Lavaausbruch hn Tage länger gedauert, ſo würde er wahrſcheinlich di Seeküſte erreicht

haben. C.

Die Republik San Marit.

Ueber dieſen kleinſten Staat Europas inen Apenninen, deſſen Gebiet nur 17 Meile umfaßt, das vo7000 Seelen bewohnt iſt und deſſen jährliches Einkommen n 20,000 Lire beträgt, theilt ein Correſpondent der Daily Jws Folgen⸗ it nas die phyſiſche Lage dieſes kleinen Staatzetrifft, der ſeine Unabhängigkeit ſeit mehr als 1500 Jahrenufrecht er⸗ halten hat, ſo ſagt man kaum zu viel, wenn mchehauptet, daß er an pittoresker Größe in Europa ſeines Ghen nicht hat. Mag man ihn von dem adriatiſchen Meerés ſehen, über das er eine Ausſicht gewährt, die ſich bei klarchimmel bis an die entgegengeſetzte Küſte von Dalmatien er ſtt, oder

Vierte

Folge. 431

Ebenen der Lombardei nähert, die kaum weniger flach ſind als die See, ſo iſt die Wirkung unvergleichlich groß. Obſchon wenig mehr als 2500 Fuß über dem Meeresſpiegel, erhebt ſich der zackige Bergrücken, auf deſſen höchſtem Gipfel die Re⸗ publik San Marino kauert, an ſeinem letzten Abſatze ſo plötz⸗ lich von ſeinem Piedeſtal, daß, wäre ſeine Höhe ſo groß wie die des Matterhorns, die Wirkung davon kaum größer ſein könnte. Eine mit Mauern umgebene und mit Forts verſehene Stadt mit Kirchen, Stadthalle, Gerichtshofe, öffentlicher Bibliothek ꝛc. auf dem Gipfel eines Berges zu finden, der oft in den Wolken verſteckt iſt und der für einen Jeden, ſelbſt einen kühnen Bergerkletterer, unzugänglich ſein würde, wäre nicht eine Straße vorhanden, die mit ſchwerer Arbeit und hohen Koſten hinaufgeführt worden iſt, würde, wie ich vermuthe, für die meiſten Perſonen eine eben ſo große Ueberraſchung gewe⸗ ſen ſein, wie es für mich war. Die Lobensweiſe der Bewohner von San Marino trägt den Charakterder größten Einfachheit. Von Seiten des Staats iſt nur eine Kupfermünze geſetzlich an⸗ erkannt und das Volk verſammelt ſich jedes Jahr zweimal vor ſeinen höchſten Beamten, um die Abhülfe ſeiner Beſchwerden zu verlangen oder auch Klagen gegen irgend einen öffentlichen Angeſtellten zu erheben. Das Gebäude, welches früher das Caſtell war, iſt nun in ein Gefängniß umgewandelt; aber als ich daſſelbe beſuchte, war keine einzige der für die Gefangenen beſtimmten Zellen beſetzt; der Schließer des Gefängniſſes theilte mir jedoch mit einem wichtigen Blickmit, er habe gute Gründe, am nächſten Tage einen Gefangenen zu erwarten. Eine der letzten Perſonen, die in dem luftigen Gefängniß von San Marino eingeſperrt waren, war ein achtſigjähriger Prie⸗ ſter, der ſich Righi nannte. Der ehrgeizige Geiſtliche hatte, wie es ſcheint, die Kühnheit gehabt, vor einiger Zeit ein Buch zu veröffentlichen, worin er Anklagen gegen hie Regierung von San Marino erhob. Für dieſes Vergehenwurde er ins Gefängniß geworfen und ſchließlich zu einer fünffi hrigen Ver⸗ bannung aus dem Gebiet der Republik San urtheilt. Anſtatt auf dem Gipfel des Gebirgestzu wohnen, hatte der gute Prieſter nun ſeinen Aufenthalt in einem Dorfe genommen, das in einer kleinen Entfernung vonem Fuße deſſelben lag; und ſeine Anhänglichkeit an San Marino ſeinen Geburtsort iſt ſo groß, daß er ſeine Abſicht erklärt, dahin zurückzukehren, wenn die noch rückſtändigen zwſi Jahre ſeines Exils überſtanden ſind, um an demſelben Ortszu ſter⸗ ben, wo er das Licht der Welt erblickt hat. C.

Der commerrielle Werth der Inſerten.

Ueber dieſen Gegenſtand ſagt das American Magadne: Wer denkt daran? Und doch weiß jeder Naturforſcher, von welcher ſehr großen Wichtigkeit die Inſecten in allen Jahles⸗ zeiten in dem Haushalte der Natur ſind, während im Handel der von ihnen erlangte Ertrag zum Erſtaunen iſt. In Betreff unſeres eigenen Handels haben wir keine Ziffern darüber, denn die amerikaniſche Statiſtik hat den Grad von Vollkom⸗ menheit noch nicht erreicht, deſſen ſie fähig iſt; aber Groß⸗ britannien bezahlt jährlich eine Million Dollar für todte winzig kleine Inſecten, die Cochenille, während der von der

Gummiſchildlaus in Oſtindien herrührende Gummilack kaum weniger werthvoll ſein wird. Mehr als 1,500,000 menſch⸗ liche Weſen ziehen ihren ganzen Erwerb und Unterhalt von der Zucht der Seidenraupen und den von denſelben geſpon⸗ nenen Fäden, welche jährlich durchſchnittlich einen Werth von 200 Millionen Dollar haben ſollen. England ganz allein,

mag er von Jemandem erblickt werden, der ſich ihnder die

von den übrigen europäiſchen Ländern gar nicht zu ſprechen, g 9 ¹