Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
375
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Herr, im Gallakleide und mit zahlreichen Orden ge⸗ ſchmückt. Der Fürſt war von ſeinem Hofe nach Paris geſchickt in der Abſicht, ſeinerſeits auch zur Entſchei⸗ dung über das Schickſal der Völker etwas beitragen zu helfen. Er hatte ſich zur Löſung dieſer Aufgabe mit allen möglichen alterthümlichen Formen, mit der ganzen ſteifen Etikette des abgelaufenen Jahrhunderts und mit den Ueberbleibſeln einer längſt außer Cours geſetzten Diplomatik umgeben, ohne zu überlegen, wie wenig ſie dem neuen Zuſtande der Dinge angemeſſen

waren. Durchdrungen von dem Bewußtſein ſeiner

hohen Wichtigkeit, wurde er von dem Manne, der da⸗ mals den Geiſt der Zeit repräſentirte und der in jeder Hinſicht ihr vollendetes Abbild war, en grande ganache aufgenommen und eben ſo behandelt wie ſein kaiſerlicher Herr und Miniſter.

Die Fürſtin ſtellte den Grafen Kilkolman als engliſchen Pair, Kriegsgefangenen, alten Freund und ausgezeichneten Landsmann vor. Der Fürſt empfing ihn mit allen Förmlichkeiten ſeines eigenen hohen Ranges, indem er als einleitende Höflichkeit eine goldene Tabatiere präſentirte, deren Deckel mit einem Miniaturgemälde geziert war, deſſen unbedeutende Geſichtszüge nur durch den Glanz der ſie umgebenden Diamanten einigen Relief erhielten.

Nachdem die Ceremonie der Vorſtellung vorüber war, richtete die Fürſtin ihre ganze Aufmerkſamkeit nicht auf die eben den Anfang genommene herrliche Muſik, ſondern nach dem Inneren des Hauſes, beſonders auf eine nur durch zwei andere von der ihrigen getrennte Seitenloge, der jetzt die Blicke des ganzen Publikums zuflogen. Die Vorhänge dieſer Loge waren ringsum zur Seite gezogen, und zwei Officiere in Generals⸗ uniform traten ein. Der, welcher anſcheinend der jüngſte von Beiden war, ſtellte ſich dicht an die Brüſtung und indem er ſein Opernglas richtete, ſchien er die zahlreiche Verſammlung, die durch ſeine Ankunft in ſo große Aufregung verſetzt war, mit der größten Ruhe zu muſtern.

Wer iſt der junge General? fragte die Fürſtin ich meine den bleichen, geiſtreich blickenden Mann mit dem geſcheitelten Haar?

Mein Gott! ſagte der Fürſt,es iſt der erſte Conſul, General Buonaparte.

Sowohl die Fürſtin als Lord Kilkolman erhoben ſich ſchnell und eten ihre Augen unbeweglich auf den Mann, 98* damals die Blicke von ganz Eu⸗ ropa gerichtet waren. Sie befanden ſich der Loge des erſten Conſuls ſo nahe, daß ſie ihn deutlich mit ſeiner klaren durchdringenden Stimme die Frage an einen ſo eben in die Loge tretenden Officier richten hörtenUnd Joſephine?

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Die gleich darauf erfolgende Ankunft von Mad ame Buonaparte war die Antwort auf die, wie es ſchien, mit einiger Bewegung gethane Frage. Dann ſetzte der erſte Conſul hinzu:Ces coquins ont voulu me faire sauter. Rapp, faites moi apporter l'imprimé de l'oratorio!

Das Publicum brach in einen ſo allgemeinen Beifallsſturm aus, daß der Conſul nur allein noch Intereſſe im Hauſe erregte. Die ſchöne Muſik von Haydn ging faſt verloren, denn der oft wiederholte Freudenruf wollte kein Ende nehmen.

Qu'est-ce que cela vent dire, Monsieur de Vaudremont? fragte der Fürſt einen Herrn, der in dieſem Augenblick höchſt aufgeregt mit bleichen und verſtörten Geſichtszügen in die Loge trat.

Cela vent dire, erwiderte der Angeredete, daß das Publicum ſoeben die Nachricht vernommen, daß der erſte Conſul auf dem Wege zur Oper nahe daran war, durch Auffliegen einer Höllenmaſchine in die Luft geſprengt zu werden, und daß die ſonſt ſo vigilante Polizei diesmal von der Fährte abgekommen, oder im Dienſt nachläſſig geweſen iſt.

Mein Gott, mein Gott! rief der deutſche Fürſt,iſts möglich, er ſelbſt, der Mann des Schickſals?

Eh mon Dieu oui, entgegnete der Exadelige; man kann nicht umhin, in ſeinen Schickſalen eine Vor⸗ ſehung zu erkennen, welche ihn auserwählt hat, ihre Abſichten zu erfüllen.

Herr Graf, ſagte die Fürſtin mit leichter Ironie, welch' ein eifriger Bewunderer ſind Sie doch von Buonaparte geworden, ſeit der Zeit, wo ich Sie in England als einen ſo warmen Anhänger der Bour⸗ bonen kennen lernte!

Eh, eh, eh, que voulez vous? erwiderte der Page von Marie Antoinette, der nachherige Kammer⸗ herr von Marie Louiſe, der ſpätere Oberkammerherr Carl's X., ein Mann, der in ſeiner Perſon die eigen⸗ thümliche Klaſſe des franzöſiſchen alten Adels re⸗ präſentirte, der in der Zeit der Noth zuerſt landflüchtig wurde, und der ſpäter der Erſte war, der die von Napoleon zu Gunſten der Emigranten erlaſſene Amneſtie zur Rückkehr benutzte.

Graf Vaudremont, das Idol der ariſtokratiſchen Geſellſchaft in London, wo er als l'homme immo bile de la monarchie hochgefeiert wurde, hatte eine unbedeutende Miſſion von Ludwig XVIII. an den Wiener Hof angenommen; aber ſtatt zu den beſcheidenen Whiſtpartieen der königlichen Familie nach Hartwell zurückzukehren, war er der Erſte, der, ſobald es ihm glückte, ſeinen Namen auf der Emigrantenliſte ſtreichen zu laſſen, nach Paris eilte, um bei der Familie