Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
342
Einzelbild herunterladen

342 Novellen⸗

Schweſter, eines jener ſanften, wohlthuenden Weſen, denen man ſo, wie in Irland und Frankreich, auch wohl anderswo begegnet, wo menſchliches Elend den Beiſtand reiner Menſchenliebe erheiſcht auf dem ſchönen Bilde. Während ſie im düſteren Gewande ihres Ordens mit einer feinen Hand den Vorhang zurückhielt, vollendete ihre hohe Geſtalt im dunkeln Schlagſchatten, dem glänzenden Lichtſtrahle gegenüber, der den Kopf des Kranken wie mit einer Glorie über⸗ hauchte, ein Gemälde, das für ganz andere Umgebung geeignet ſchien, als für die, unter der man die charak⸗ teriſtiſche Gruppe hier erblickte.

Ein in den Zügen des Schlummernden kaum merkliches Zucken brachte jetzt einen Wechſel in der Hauptfigur dieſer lebenden Bilder hervor. Der Vor⸗ hang entglitt leiſe der ſchöngeformten Hand der dienenden Schweſter, und indem ſie mit geräuſchloſem Schritt das Zimmer verließ, trat ein anderes weibliches Weſen herein. Es war eine kräftige, gemüthlich ausſehende Perſon mittleren Alters, in der Tracht einer Bäuerin von Galway. Auf ihren Geſichtszügen leuchtete die ganze Wichtigkeit der von ihr als Wärterin übernommenen Obliegenheit. Sie trug auf einer Platte einen kühlenden Trank, den ſie im Begriff war auf einem Tiſch neben dem Krankenbette nieder⸗ zuſetzen, als ein tiefer trauervoller Klang, von der Luft getragen, bald ſchwellend, bald hinſterbend wie Aeolsharfentöne, ihr Ohr berührte. Haſtig, doch geräuſchlos ließ ſich das Weib bei dieſen Lauten auf die Kniee nieder und flüſterte Gebete unter anhal⸗ tenden Bekreuzigungen. Dann näherte ſie ſich dem offenen Fenſter, zog aber den Kopf, nachdem ſie eine Zeitlang aufmerkſam gehorcht, vorſichtig zurück, warf einen ſchnellen Blick auf den Kranken und eilte, ſichtbar von Neugierde getrieben, die Urſache der ſie ſo ergreifenden Töne zu erforſchen, aus dem Zimmer.

Als ſich die Töne gleich nachher wiederholten, klangen ſie zuerſt in gemeſſenen Intervallen in tief melancholiſchen Weiſen, dann erſtarben ſie wieder in den Seufzern eines hörbaren Schmerzes, bis ſie, näher und näher kommend, augenſcheinlich das Bewußtſein des Kranken erweckten. Indem ſie ſich anfänglich mit den ſüßen Träumen vermiſchten, die den erſten ruhi⸗ gen Schlaf der zurückkehrenden Geſundheit zu begleiten pflegen, ſtanden ſie im Einklange mit ſeinen eigenen ſanften Gefühlen. Er hielt die weichen, ſchmerzbe⸗ wegten Töne für Engelsgeſang aus höheren Sphären. Als aber das Bewußtſein kräftiger in ihm wurde, und das Selbſtgefühl zum erſten Male ſeit langer Zeit zur beſonnenen Vernunft wieder in ihm erwachte, trafen die wilden und dennoch faſt überirdiſch klin⸗ genden Laute ſein Ohr in ſo eigenthümlicher Weiſe,

Zeitung.

daß er eine Anſtrengung machte, ſowohl ihre als ſeine eigene gegenwärtige Lage zu erforſchen. Der Verſuch wurde ihm jedoch ſchwer, und nur mühſam erhob er das Haupt, um es in gleicher Richtung mit dem Fenſter zu bringen, durch welches die Klagetöne auf den Schwingen der ſüßen balſamiſchen Luft, die ſeine brennenden Schläfe fächelte, herein ſchwebten. Sein anfänglich noch umnebelter Blick wurde kräftiger, je nachdem das Licht allmählich in einen milderen Ton überging, und die Scene, auf der er jetzt verweilte, war ein ungleich ſchönerer Troſt für Sterbende oder Kranke, als ihn je die heilige Brüderſchaft des buen morir mit ihren Wachsfackeln und dem Meßglöckchen zu bringen vermochte.

Am Himmel ſtand jetzt ein leuchtender Regenbogen, der ein Bild von Schönheit und Erhabenheit um⸗ ſpannte, das eigens dazu gemacht ſchien, die All⸗ macht und die Barmherzigkeit des Schöpfers in ſeiner größten Pracht zu entfalten. Während die beiden prächtigen Landſeen, die Hügel, die Thäler, die ent⸗ fernten Felſenwände in reizender Verwirrung durch einander verſchwammen, die entfernten Gegenſtände aber allmählich anfingen zu verſchweben, und die volle Glorie der untergehenden Sonne das Ganze über⸗ ſtrahlte, glich das große Enſemble etwa dem Abend des ſiebenten Tages, an dem der Schöpfer, von der Arbeit ausruhend, fühlte, daß er Alles wohl macht habe.

Lange verweilte der Kranke mit ſehnſuch... Blicken auf dem Schauſpiele, welches ihm die Lage ſeiner Kiſſen vollkommen zu überſchauen geſtattete. Aber noch einmal erſchütterte der traurige Klagruf ſeine ſchwachen Lebensgeiſter, die, obgleich ſchon wieder em⸗ pfänglich, doch für ſo neue, ungewohnte Eindrücke noch viel zu ſchwach waren. Als er fortfuhr, horchend hinaus zu blicken, gewahrte er einen langen Zug Menſchen, die feierlich ein altes Steinkreuz umſchrit⸗ ten, das in geringer Entfernung vom Fenſter aufge⸗ richtet war. Das Klaggeſchrei, welches eben ſich wieder zum lauteſten Fortiſſime ſchien ſteigern zu wollen, ſank plötzlich zu einem gedämpften Murmeln herab, ſo daß man hätte glauben können, es geſchähe in Folge einer dazu gegebenen Weiſung, die Klagen um den Todten ſo weit zu mäßigen, daß ein Leben⸗ der dadurch nicht geſtört würde. Bei dem immer mehr zurückkehrenden Bewußtſein des Kranken erin⸗ nerte ſich dieſer faſt unwillkürlich des Klagechors des caoine des Todtengeſanges, wie er in der Graf⸗ ſchaft Connaught bei Leichenbegängniſſen gebräuchlich; eben ſo erkannte er endlich auch in der feierlichen Proceſſion um das alte Kreuz den in Irland überall üblichen Brauch. Aber ſo wenig die Trauertöͤne, als

ſo ſft ungpömus beoba ufihm, auch bem Süm, auf welch ſetzront hatte, der Reſignation d ſiedergebeugt hatt nilder Barmherzi ſtarren Blicken vo ſieen noch mehr v chwunden und d wähnten gutmüt zurückgekehrt u geſprochenen Gebe fortfuhr. Es iſt der altiriſchen Sitte, der Jedern Krankenwärterin dem Dienſt zu miethet hatte. Für wen geſtimmt? uüber den ungewe Neen und über Stinme, die bit 50, dir in de letzten Noöͤßenn Plege 1 ſich vernnlaßt g ie fortewiß ling des Clau Seligkeit und gen iſt. Aber hat den Klage dac die erſe Einhalt gebote