Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
338
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lager dort auf. Hier war es auch, wo Sanct Inchan, Donald's des Großen geiſtlicher Rath, dem Könige, welcher ganz Irland beherrſchte, das prachtvolle, der heiligen Jungfrau geweihte Kloſter erbaute, welches ſich durch die reichen Dotationen, mit denen es von dem königlichen Beichtkinde ausgeſtattet wurde, zu einer der ſchönſten und mächtigſten kirchlichen Anſtalten erhob, an denen vordem die Inſel der Heiligen ſo reich war.

Die Congregation von Cong gelangte gleich der Brüderſchaft des benachbarten Kloſters Headfort zu großem Reichthum, indem ſie einen lebhaften Handel zwiſchen dem Binnenlande und den Küſtenplätzen be⸗ trieb, und erreichte um ſo größere Macht, da fort während einige Mitglieder der königlichen Familie in den Orden eintraten.

Die Aebte, in der Regel Prinzen von Geblüt, nahmen ihren Platz in jenen ſtürmiſchen Volksver⸗ ſammlungen ein, in denen man bis an die Zähne be⸗ waffnet erſchien, und die gleich den ehemaligen polniſchen Reichstagen für ganz andere Kämpfe ein⸗ gerichtet waren, als Diejenigen, welche in der Jetztzeit die Mitglieder der Parlamentsverſammlungen auf die Liſte zwar ſehr hartnäckiger, aber doch ſtets unblu tiger Kämpfe bringen.

Reich begütert und mächtig durch ſeinen Einfluß auf jeden Zweig der Staatsverwaltung, galt die Abtei Cong ſprüchwörtlich für den Inbegriff aller Macht und Herrlichkeit dieſer Welt. Die Erklärung:

nicht für den Abt von Cong, oder nicht Abt von Cong werden zu wollen, galt als Beweis, daß der⸗ jenige, welcher ſie ausſprach, jeglicher irdiſchen Ver⸗ ſuchung unzugänglich war.

Die ſpäteren Zeiten entſpringenden Urſachen konn⸗ ten nie gänzlich den Geiſt vertilgen, welcher das Kloſter ins Leben gerufen. Wenn auch die fürſtliche Abtei, eines der vollendetſten Bauwerke kirchlicher Architektur, allmählich verfiel, und die reichen Stiftungen an Ländereien und Gefällen, die dazu beſtimmt waren, ihre hundert Altäre und die hohen geiſtlichen Herren zu erhalten, zu Unterſtützung anderer Orden verwandt wurden, die dem Gemeinwohl eben ſo unnütz waren, als derjenige, dem man einen Theil ſeiner reichen Pfründen entzogen hatte, ſo wurde die urſprüngliche Verbrüderung dennoch von einem Jahrhundert bis zum anderen, in einem Theile der zerfallenen Abtei, durch einige Mitglieder aufrecht erhalten, deren äl⸗ teſtes ſtets von der umwohnenden katholiſchen Bevölke rung alsAbt von Cong verehrt wurde.

Nachdem jedoch auch der letzte noch bewohnbare Theil in Trümmern zerfallen, wodurch die jetzt ſo maleriſchen Ruinen vollkommen ausgebildet wurden,

Novellen⸗

Zeitung.

ſahen ſich der Abt und ſeine zwei Brüder, eben ſo arm als demüthig, bereit jeden Schickſalswechſel mit gottergebener Reſignation zu ertragen, endlich genö⸗ thigt, die alte Behauſung vollends den Eulen und Fledermäuſen zu überlaſſen, die ſich ſchon lange in den alten Bogenfenſtern angeſiedelt und, ohne geſtört zu werden, die einſt ſo prächtigen Räume durch⸗ ſchwirrten.

Der auf dieſe Weiſe mit ſeinen Schickſalsge⸗ fährten ausgetriebene Abt lebte zurückgezogen in einer kleinen Wohnung, die, einem Keller ähnlicher als einer regelrechten menſchlichen Behauſung, von den mitleidi⸗ gen Anwohnern aus den Fragmenten der ehemaligen Pracht nothdürftig hergeſtellt war. So erregten ſie ſelbſt in der Zeit, als das Geſetz mit ſchonungsloſer Strenge gegen Kloͤſter und Ordensverbindungen ein⸗ ſchritt, niemals die Aufmerkſamkeit der Behörden, und erlitten daher auch nie eine Verfolgung.

Allmählich nahm jedoch das Abthaus, wie die Hütte allgemein in der Umgegend genannt wurde, wieder eine beſſere Geſtalt an. Ein Schornſtein, zwei Glasfenſter und andere Zeichen von Beguemlichkeit deuteten auf beſſere innere Finanzverhältniſſe, Folge von gezwungenen oder freiwilligen Gaben, wodurch die Einnahmen des proteſtantiſchen Kirchſpielpfarrers allerdings etwas geſchmälert wurden. Dennoch hatte der anglikaniſche Rector von Cong, der ſich aus den Druidendenkmälern, von denen man noch heute in der Nähe der Ruinen intereſſante Ueberreſte findet, eine recht hübſche Wohnung hatte bauen laſſen, keine Ah⸗ nung von der ſeiner Kirche drohenden Gefahr.

Wieder war einige Zeit verfloſſen, als das Abt⸗ haus ganz plötzlich eine von der früheren ſo ganz verſchiedene Geſtalt erhielt, daß man faſt an ein ähnliches Wunder hätte glauben können wie das, wodurch einſt die santa casa di Loretto in einer einzi⸗ gen Nacht mit gediegenem Golde und köſtlichen Steinen überkleidet wurde. Aus der niedrigen Hütte entſtand ein großes geſchmackvolles Gebäude. Zwar etwas ſchnell und daher leicht gebaut, gleichſam dazu beſtimmt noch lange von den ehrwürdigen Ruinen, denen es entſproſſen war, überlebt zu werden, näherte es ſich in ſeinem Aeußeren der gothiſchen Form, wodurch es zugleich einen maſſiven und alterthümlichen Anſtrich erhielt. Zu der kleinen, dicht nebenan erbauten Kapelle hatte man aus der alten Abtei der ſchönen Spitzbogenfenſter ſo viele ent⸗ nommen, daß ſie eher als eine Erweiterung oder als ein vollkommen proportionikter, wohlerhaltener Theil der alten, denn als ein Neubau betrachtet werden konnte. Selbſt das Altarblatt, eine wunderſchöne Copie der heiligen Familie, von Hannibal Carracci, würde den

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