Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
98
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Dieſe ſchlug den Schleier zurück, klappte den Fächer ein paarmal auf und zu und begann endlich: Mein Kammerdiener verſicherte mich... 5

Daß Sie ſelber kommen müßten. Ganz recht, Frau Gräfin. Ich liebe die Zwiſchenträger nicht.

Nun alſo, ich verlange...

O Frau Gräfin, gemach, von Frau Sabine Erhard darf man nie verlangen. Wenn Sie bitten, vielleicht, doch Ihre Sicherheit...

Madame, ich bin die Gräfin Wedel!

Novellen⸗Zeitung.

In der That... eine Ueberraſchung... die...

ſtottert Stephanie.

Dann wird es einen Moment ſtill. Aber der Fürſt iſt ein Mann von Welt. Er

verneigt ſich vor Sabinen, bietet der Gräfin den Arm und ſpricht in einem Tone, als ob man zum Tanze Gräfin?

antreten wolle:Darf ich bitten, theure

Stumm legt ſie ihren zitternden Arm in den

ſeinen, und ſtumm führt er ſie hinaus und über die

Ha, ha, Sie belieben zu ſcherzen. Soll etwa Flur.

Wappen oder Stammbaum Sicherheit gewähren?! Fahlbleich wurden da Stephanie's Wangen und

nur mit, erkünſtelter Ruhe preßte ſie zwiſchen den

Zähnen hervor:Ich werde die Schuld ſchriftlich an⸗

erkennen.

Das kann unmöglich genügen. Berlin iſt zu groß, man kann ſeine Augen nicht überall haben. Und man hat leider Beiſpiele die ich zwar nicht auf Sie anwenden will daß Perſonen von

Die Laterne vor dem Hauſe beleuchtet ihr mar⸗

anortleiches Antlitz und ſeine vor innerer Wuth zer⸗ riſſenen Züge.

Selbſt öffnet er den Schlag ihrer Karoſſe. Er hebt

ſie faſt hinein.Hätten Sie, fragt ſie mit bebenden Lippen,mir ſonſt noch etwas zu ſagen?

Daß ich nicht wüßte... Doch beeilen Sie ſich,

beſte Gräfin, es iſt ja empfindlich kalt!

Aufſchreiend ſinkt ſie in die Kiſſen.Fort!

Stand über Nacht verſchwanden und gewiſſen Leuten fort!

das Nachſehen ließen. Alſo nichts damit! Wie ge⸗ ſagt, dreihundert Ducaten ſtehen zu Ihren Dienſten, wenn ich ruhig darüber ſchlafen kann. Eigentlich ſollte ich mein Intereſſe zuerſt bedenken, denn die Leipziger Meſſe iſt vor der Thür und wird meinen Geldſchrank plündern, aber ich habe wirkliches Mit⸗ leid mit Ihnen, beſte Gräfin, Sie dauern mich! Vraiment! Trop est trop! Und Stephanie rief das, aufſpringend und den zierlichen Fächer, den

ſtäbchen um Sabinens Kopf flogen. V

Dieſe indeß zwang ſich zu nur noch größerer Ruhe.Ah, Sie ſind der franzöſiſchen Sprache mächtig? Damit kann auch ich dienen... tion... 4

Genug, Madame! Sie häufen Beleidigungen auf Beleidigungen! Sie vergeſſen, daß die Königin mich empfangen, daß ich unter dem Schutz Ihrer Majeſtät ſtehe!... Sie werden von mir hören! Er⸗ zittern werden Sie!

Indem öffnet ſich die Thür nach der Schreibſtube.

Fertig, meine liebe Frau Commerzienräthin. Ich bin Ihr dankbarſter Schuldner... Nicht allein?... Höͤlle und Teufel! die Gräfin!!

Himmel! der Fürſt!!

Mit einem echt mephiſtopheliſchen Blick fragt Frau Sabine:Ich bin der Vorſtellung enthoben? Die Herrſchaften kennen ſich bereits?

Allerdings... eine ungeahnte Ueberraſchung... ſtottert Romanow.

La cau⸗ daure, und ſagte, wie zum

Lange blickt er dem Wagen nach. Dann beſteigt

er den ſeinen und murmelt:Vorbei!

Rache..

Und es war vorbei. Die gewelkten Blumen wurden durch keine duf⸗

tenden mehr erſetzt, das Lichtmeer war erloſchen. Gräfin Stephanie fuhr weder aus, noch empfing ſie ein Gemälde Antoine Watteau's ſchmückte, mit ſolcher Beſuche; Gewalt auf den Tiſch werfend, daß die Elfenbein⸗ Migräne und zerriß die Franzen der Tiſchdecke.

ſie ruhte auf der Chaiſe⸗longue, klagte über

Monſieur Louche trat ein. Er ſchüttelte den

ſorgſam friſirten Kopf, machte eine Bewegung, die

ausdrücken ſollte, daß ihn der Zuſtand ſeiner Herrin Schlage den Arm er⸗ hebend:Ich ſchwör' es, gräfliche Gnaden, den Diener des Fürſten bringe ich um, wo ich ihn finde! Da ich mich an dem Herrn nicht vergreifen kann, ſoll wenigſtens ſein Diener meine Fauſt fühlen!

Thorheiten das! Damit Er einen Proceß auf den Hals bekommt?... Ach, mein Kopf! Rück' Er die Kiſſen höher! Was glotzt Er mich an?

Ich werde gehen, ja, ich werde lieber ganz aus den Dienſten Ew. Gnaden ſcheiden, denn ich muß ehrlich bekennen, ſeit der Fuͤrſt ſeine Beſuche ein⸗ geſtellt, iſt die Stimmung Ew. Gnaden...

Beſter Louche, meine Migräne, der Verrath, der an mir verübt worden... Er wird einſehen... trete Er doch näher, beſter Louche! Sie ſprach das zaudernd, ohne Zuſammenhang, mit hörbarem Wider⸗ willen; und wie er ſich nun zu Füßen der Chaiſe⸗

.

nihtiger oder reiſer Wir Dreiſtigke nicht dur weſen, ho ſo wade geweſen. noch be ſie von ior ſtand

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