Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
686
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von der umgebenden Welt abgeſchloſſen, als läge ihr Treiben hundert Meilen hinter uns ſo bildet Hawthornden eine Scene von höchſter romantiſcher Schönheit, eine unübertrof⸗ fene poetiſche Einſiedelei. Zu dieſer Naturſchönheit geſellt ſich noch ſeine literariſche Berühmtheit, ſodaß Hawthornden mit Recht in der ſchottiſchen Poeſie den ſtehenden Beinamen des claſſiſchen führt. Hier lebte und dichtete nämlich Wil⸗ liam Drummond(1585 1649), und hier beſuchte ihn ſein Freund Ben Jonſon, der die Reiſe von London zu Fuß ge⸗ macht hatte, um hier in ländlicher Stille der Freundſchaft und den Muſen zu huldigen. 6.

Jran Jacques Ronſſeau, Napoleon I., Pio Nono.

Das ſind drei ſehr berühmte Namen, und Mancher mag erſtaunt ſein, ſie zuſammen zu finden. Es handelt ſich aber hier nicht um die Philoſophie, noch den Krieg, noch um die Religion, ſondern ganz einfach um die wahre Geſchichte.

Wenn es in Frankreich ein ſchönes Thal, eine herrliche Landſchaft in der Dauphiné giebt, ſo iſt es ſicher Condillac, das durch ſein natürlich ſchäumendes Waſſer bekannt iſt.

Am Fuße des Berges Givode, einige Kilometres von der Rhone gelegen, iſt Condillac von einem Walde von grü nen Eichen, Feigenbäumen, Wachholderſträuchen, Judasbäu⸗ men und Granatbäumen eingerahmt, deren Zweige bis auf die Erde herabhängen; auf dieſem dunkelgrünen Blätterwerk ſieht man Tauſende von Jlänz: ndrothen Granatblüthen. Der Anblick dieſer Berge iſt feenhaft.

Die Natur hat nichts halbg gett han; die Einwohner, be⸗ ſonders die Frauen ſind dort von einer merkwürdigen Schön⸗ heit; ihre ſchwarzen, ein wenig gelockten Haare mit dem blauen Wiederſchein des Rabenflügels, durch zwei oder drei Blumen verziert, ſind von einer ganz ſüdlichen Fülle; die Haut iſt durch die Strahlen einer brennenden Sonne matt und gebräunt. Die Taille iſt geſchmeidig, ſchlank und ſtolz; der kurze, geſtreifte Rock läßt einen fein beſchuhten niedlichen Fuß ſehen; der Mund iſt klein und ſpöttiſch, die ziemlich un⸗ bedeckten ſchön geformten Schultern laſſen reine und feſte Linien errathen, die großen jamteetiae Augen ſind von einem unbeſchreiblichen Ausdruck, die Zähne glänzend weiß, kurz bei dieſen braunen Töchtern der Celten iſt Alles ent⸗ zückend. Sie bieten mit einer unbeſchreiblichen Grazie den zahlreichen Beſuchern Condillac's das friſche wohlſchmeckende, ſchäumende Waſſer ihres reizenden Landes an; dieſes Ge⸗ tränk, deſſen wundervolle Wirkungen von den Feinzünglern gewürdigt werden und dem ein gelehrter Arzt den Namen Reine des eaux de table gegeben hat.

Dieſer kleine Winkel der maleriſchen zückte ſeiner Zeit Jean Jacques R

Dauphiné ent⸗ ouſſeau und Napoleon J.

Der freie Bürger in Genf erzählt uns in ſeinenCon- fessions, daß er während ſeines Aufenthalts in Montelimar V mit Madame de Larnage an den U Ufen des Baches von Con⸗ dillacl ange Spaziergänge machte.Dort, ſagte er,genoß ich die ſchönſten Vergnügen und berauſchte mich in ihnen; ich genoß ſie rein, lebhaft, ohne irgend eine Beimiſchung von Unangenehmem; es ſind die erſten und einzigen Freuden, die ich ſo in dem ſchönſten Lande und unter dem reinſten Himmel der Welt genoſſen habe. O jene drei Tage! ich habe ſie zuweilen bedauern müſſen, und es ſind mir nie wieder ähn⸗ liche zu Theil geworden.

Die Ge ſellſchaft der Madame de Larnage erklärt d den

Novellen⸗

herrliche Gartenanlagen mit üppigem Raſen und das Ganze Enthuſiasmus des

man noch jetzt das Bimmer

t ſionen zu machen. man ſagt, ein zärtliches Gefühl

kratie verwandt, ſah plötzlich, ſchlechterte.

dem Looſe

Zeitung.

Dichters, des Denkers nicht allein. Die⸗ ſes köſtliche Waſſer, das er in langen Zügen trank, dieſe Landſchaft mit der üppigen Vegetation, dieſer ſo ma leriſche Anblick, Alles trug dazu bei, dieſes ſo zärtliche, für die Freundſchaft ſo empfängliche Herz einzulullen, zu beruhigen. Nicht weit von den Quellen von Condillac in dem Hauſe, welches das Eigenthum der Madame de Larnage war, zeigt worin Jean Jacques gewohnt hat.

Als Napoleon I. als Artillerielieutenant in Valence in Garniſon ſtand, fand er ein Vergnügen daran, lange Excur⸗ Einer ſire Letlingeſpaziergänge, ſei demſelben nicht fremd ge⸗ weſen war Condillac. Eben ſo wie Jean Fezuss liebte der künftige Eroberer in dieſem köſtlichen Thale herumzuirren und ſeine großen Gedanken in dieſem Eden herumſchweifen

zu laſſen.

Zwei Greiſe erinnern ſich noch jetzt der Beſuche dieſes Lieutenants, der ſich ſpäter zum größten Eroberer der neuern Zeit entwickelte.Ein wenig mager, etwas blaß, ſagen ſie jener Naivetät und Feinheit der Landleute der Dauphiné, ſah man doch ſogleich, daß er zum Befehlen geboren war.

Das Waſſer in Condillac iſt nicht blos ein angenehmes Getränk, das ſich auf den meiſten guten Tafeln findet, es er⸗ zeugt auch wunderbare Wirkungen, von denen wir hier ein Beiſpiel citiren wollen.

Ein ehrwürdiger Prieſter in der Diöces Avignon war vor einigen Jahren von einer zuweilen ſehr ſchmerzhaften Krankheit die Aerzte nennen ſie Gaſtritis oder Magen⸗ entzündung befallen. Anfangs fühlte er eine große

Schwere im Magen; ſobald der gute Geiſtliche eine leichte Mahlzeit genoſſen hatte, wurden die Schmerzen unerträglich. Die von der Facultät verordneten Heilmittel waren nichtim

Stande, die Fortſchritte des Uebels aufzuhalten. Des Nachts litt er an Alpdrücken und ſchrecklichen Hallucinationen; ſo ſah er z. B. den Körper unſres Erlöſers am Kren ausge⸗ ſpannt, das Blut aus deſſen Händen und Seitenh herabfließen; er hörte das Klopfen des Hammers, mit welchem die Nägel eingeſchlagen wurden, welche die Hände des Heilandes durch⸗ bohrten, und die Schmerzenstöne der heiligen Frauen; mit einem Worte, er wohnte der Hinrichtung des Erlöſers der Welt bei. Dieſer unglückliche Geiſtliche war in einen ſol⸗ chen phyſiſchen und moraliſchen Zuſtand gerathen, den zu be⸗ ſchreiben unmöglich iſt; er ſah ſich der Alternative ausgeſetzt, entweder nicht zu eſſen und vor Entkräftung zu ſterben, oder mit Leiden zu kämpfen, die zu ertragen er nicht mehr die Kraft beſaß. Sein Muth verließ ihn, als Einer ſeiner frü⸗ hern Schulfreunde ihm den Rath ertheilte, von dem Waſſer in Condillac Gebrauch zu machen. Einige Monate genügten, die Verdauungsorgane zu kräftigen und dis ſchrecklichen Hal⸗ lucinationen verſchwinden zu laſſen.

Der folgenden Thatſache verdankt das Waſſer von Con⸗ dillac es, daß es jeden Tag ſeinen Platz auf der Tafel Pius'

IX. hat.

Die Herzogin von Bor....., die Erbin eines der er⸗ ſten Namen in Rom, ſchön, reich, mit der höchſten Ariſto⸗ daß ihre Geſundheit ſich ver⸗ Die ausgezeichnetſten Aerzte waren nicht iumn Stande, den Fortſchritten des Uebels Einhalt zu thun; ein Wunder allein konnte ſie retten; die arme junge Dame ſah entgegen, nach einigen Monaten vor Hunger zu ſterben. In Rom war einer der berühmteſten Aerzte, der es auf den Wunſch Pius' IX. verſuchte, die intereſſante Kranke einem faſt gewiſſen Tode ſtreitig zu machen. Das ſchäu⸗

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