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ſonderbaren Namen erhielt er nach dem erſten Wirthe der Geſellſchaft, welcher Boar(Eber) hieß. Niemand durfte, bei einem halben Penny Strafe, den andern mit ſeinem wirk⸗ lichen Namen, ſondern nur mit„Herr“ anreden. Ein Tanz⸗ meiſter, Namens Aldridge, war Groß⸗Eber, und Schetky ſein Stellvertreter; ſpäter gab es auch einen Gekrönten Dichter, einen Ober⸗Grunzer und andere Beamte. Die Sau, d. h. die Caſſe, pflegte jährlich einmal zu„ferkeln“, d. h. ihr In⸗ halt wurde ausgeſchüttet und zu einem feſtlichen Mittags⸗ mahle verwandt.
Aber nicht alle Clubs waren von ſo unſchuldiger Natur wie die genannten. Es gab auch Vereine junger Tauge⸗ nichtſe und Wüſtlinge, welche dem Bacchus ohne Witz und Grazie opferten, ſchamloſe Orgien feierten und dann in wil⸗ der Trunkenheit durch die Straßen tobten, wo ſie, von den Stadtſoldaten ungehindert, Jeden, der ihnen in den Wurf kam, ſtießen, jagten und zerrten, bis er erſchöpft umſank. Oder ſie donnerten mit den Klopfern an jede Hausthür, wenn ſie nicht gar die neumodiſchen Klopfer ſelbſt abriſſen und in den Rinnſtein warfen. Hauſe, nachdem die ganze Nacht hindurch geklopft worden war, am Morgen den Klopfer halb abgebrochen und in dem Reſte ein blutiges Fingerglied ſtecken!
Ueber die Reize der Umgegend von Edinburg iſt oft ge⸗ ſprochen worden, doch gewöhnlich in ſehr allgemeinen Worten oder gar ovientaliſchen Uebertreibungen.
Es iſt auffallend, daß bei allem geſellſchaftlichen Ver⸗
kehr ſich doch in keinem andern Lande derartige Vergnügungs⸗
anſtalten vorfinden, wie wir ſie in Deutſchland ſchon im
Mittelalter kannten und noch immer beſitzen. Dabei ſei be⸗
kt, daß auch die romaniſchen Nationen dergleichen nicht en. 1 Wenn man zu den Thoren einer deutſchen Stadt hin⸗ ausgeht, ſo findet man in der Regel ſchattige Spaziergänge, alte Feſtungswälle, die in Anlagen umgewandelt ſind, öffent— liche Kaffee⸗ und Biergärten, ſowie die niedern Regionen der Tanzböden und Kegelbahnen. Von dem allen iſt bei Edin⸗ burg nicht die Rede. Oeffentliche Gartenwirthſchaften und Tanzlocale giebt es überhaupt nicht. Man tritt auch nicht plötzlich aus der Stadt heraus, da ſie, wie alle britiſchen Städte, nicht durch Mauern und Thore abgeſchloſſen iſt, und da das, was man als Vorſtädte betrachten könnte, nicht aus regelmäßigen Straßen beſteht. Jeder baut ſich außerhalb der Stadt an, wie und wo es ihm eben beliebt, und die Stadt verliert ſich allmählich in's Land, ohne daß man eine be⸗ ſtimmte Grenze zwiſchen beiden zu ziehen vermöchte.
Nichts deſtoweniger iſt Edinburg ſowohl innerhalb wie außerhalb der Stadt reich an Spaziergängen. Die ſchönſten, wie die Princesſtreet⸗Gärten, die Calton⸗Gärten, die Queen⸗ ſtreet⸗Gärten und die Squares, ſind freilich nur halb öffent⸗ lich, indem ſie verſchloſſen ſind, und das Recht zu ihrer Be⸗ nutzung von den Anwohnern durch eine jährliche Abgabe er⸗
kauft werden muß. Dagegen ſtehen der Arthursſitz, der Cal⸗
ton⸗Hügel und die Meadows in der Altſtadt ſelbſt dem Aerm⸗ ſten frei.
In weiterer Entfernung von der Stadt bieten nament⸗ lich die Dörfer und Städtchen am Strande angenehme Aus⸗
flüge und ländliche Zurückgezogenheit dar, obwohl der Edin⸗
burger die letztere jetzt noch lieber an der gegenüberliegenden Küſte von Fife ſucht, wo Aberdour, Burntisland und andere Ortſchaften den angenehmſten Sommeraufenthalt und die er⸗ friſchendſten Seebäder gewähren. Der Blick auf das Meer
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mit ſeinen Schiffen und Inſelchen, die bald großartigen, bald lieblichen Bildungen der Küſten, der Wechſel von Ebbe und Fluth, das Suchen nach Muſcheln und Tang im feuchten Sande, die friſche Luft, die wechſelnde Beleuchtung und die Ausſicht auf die ferne, in Duft gehüllte Felſenſtadt— das alles wird zu einer reichen Quelle der mannigfachſten Unter⸗ haltung und des belebendſten Naturgenuſſes für den überar⸗ beiteten Städter.
Nicht minden mannigfaltig und anmuthig ſind die Aus⸗ flüge nach der Landſeite hin. Da ſind die Corſtorphine⸗Ber⸗ ge, wo man von einer Bank, die den idylliſchen Ramen„Ruhe aus und ſei dankbar“(Rest and be thankful) führt, eine hübſche Ausſicht genießen kann— wenn nämlich das Wetter klar iſt; die Blackford⸗Berge, an welche ſich Erinnerungen an Walter Scott's Kindheit knüpfen, und die Pentland⸗Berge, wo das ſtille Thal Glencorſe oder Habbies Howe im Munde des Volkes für den Schauplatz von Allan Ramſay's Gentle
.; Fand man doch einmal an einem
Shepherd gilt. Da iſt endlich die herrliche Ruine des Schloſ⸗ ſes Craigmillar, das, auf einem Berge gelegen, nächſt dem Arthursſitze und dem Calton-Hill den großartigſten und ma⸗ leriſchſten Ueberblick über Edinburg und ſeine Umgegend ge⸗ währt.
V Craigmillar Caſtle gehörte ohne Zweifel zu den umfang⸗ reichſten, ſtärkſten und beſt- eingerichteten Schlöſſern Schott⸗ V lands, und ſeine Ueberreſte erfüllen uns noch mit Staunen vor den gewaltigen Kraftanſtrengungen ſeiner Erbauer. Feſte Thürme, hohe Zinnen, mächtige, epheubewachſene Mauern, enge Höfe und weitläufige Gewölbe und Gefäng⸗ niſſe geben uns ein Bild von dem wilden, krafterfüllten Le⸗ ben, das einſt in dieſen Räumen hauſte. Auch Craigmillar iſt in die Geſchichte der Maria Stuart verwoben. In einer unglaublich engen Kammer, die noch gezeigt wird, ſoll ſie der Ueberlieferung zufolge zwei Tage lang gefangen gehalten worden ſein, ehe ſie nach Lochleven gebracht wurde. So viel iſt ſicher, daß ſie hier einige Zeit gewohnt hat. Hat doch das am Fuß der Ruine liegende Dörfchen von ihrer daſelbſt einquartierten franzöſiſchen Leibwache den Namen Little France erhalten. Es ſollen hier geheimnißvolle Berathungen über die Ermordung Darnley's gepflogen und die Verſchwö⸗ rung gegen ſein Leben ſogar ſchriftlich aufgeſetzt und unter⸗ zeichnet worden ſein. Daß die Ruine ſo wohl erhalten iſt, verdankt ſie dem Umſtande, daß ſie ſich, wie faſt alle hieſigen Ruinen, ſeit Jahrhunderten im Privatbeſitz befindet. Der Eingang wird ſtets verſchloſſen gehalten, und ſie kann mithin nicht, wie bei uns ſo oft geſchieht, vom Pöbel beſchädigt und beſudelt werden. Der Eigenthümer hat ſie theilweiſe durch ein Asphaltdach gegen die zerſtörenden Einflüſſe der Witte⸗ rung geſchützt und erhält zu ſeinem Gebrauche ein Zimmer in wohnlichem Stande, das den Fremden nicht gezeigt wird.
Die Krone aller Ausflüge in der Gegend von Edinburg iſt aber der nach Hawthornden und Roslin.
Hawthornden ſelbſt liegt dicht an der nach Peebles führenden Eiſenbahn. Beſucher haben nur Mittwochs und zwar ausſchließlich auf dem nach Roslin führenden Wege, aber nicht in der umgekehrten Richtung Zutritt. Ein breiter Baumgang nimmt uns auf, ohne uns jedoch die romantiſche Schönheit des Ortes früher ahnen zu laſſen, als bis wir das Haus erreicht haben, das, auf dem Rande einer ſteilen Klippe erbauet, uns plötzlich den überraſchenden Blick in das felſige Thal eröffnet, in deſſen Tiefe der Esk rauſcht. Zackige Klippen auf beiden Seiten, die von ehrwürdigen Bäumen überhangen ſind, blühende Sträucher und Blumen, die in reicher Abwechslung aus dem Geſtein hervorſprießen, dazu


