Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
684
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684 Rovellen

Zeitung.

Feuilleton.

Aus dem ſchottiſchen Leben des vorigen Jahrhunderts.

auskommt!Mag ſein, erwiderte Balfour,aber wenn

Es giebt für die populäre Culturgeſchichte kaum etwas Ihr mich herausholt, will ich mit Euch um eine Flaſche Roth⸗ Intereſſanteres, als den verſchiedenartigen geſellſchaftlichenſ wein nach der Tron-⸗Kirche um die Wette laufen. Der

Geiſt zu betrachten, welcher die Menſchen zu verſchiedenen Zeiten beſeelte.

Mit wieviel harmloſem Humor ſich unſere Eltern und Großeltern das Leben zu würzen verſtanden, iſt in Deutſch land allgemein bekannt; alte Memoiren bezeugen uns Glei⸗ ches von Frankreich und Italien, und auch das luſtige Eng⸗ land jener Tage wurde uns von engliſchen und deutſchen Au⸗ toren, z. B. von Heinrich König, genugſam geſchildert.

Durch alle Völkerſtämme ging ein ſolcher Zug fröhli⸗ cher, ausgelaſſener Behaglichkeit, welche in der Wahl ihrer Mittel oft ſehr naiv war.

Von dem ſchottiſchen Leben, beſonders in dem ſchönen Edinburg, erzählt uns Elze, der verdienſtliche Autor vom Le⸗ ben Walter Scott's, charakteriſtiſche Züge.

Namentlich während der zweiten Hälfte des achtzehnten

Jahrhunderts waren die Schotten durchaus nicht in dem

Maße dem Presbyterianismus unterworfen wie gegenwärtig. Das waren die Zeiten des luſtigen Schottlands, die zwar bei weitem nicht ſo lange zurückliegen, als die des luſtigen Alt⸗ englands, aber deſſenungeachtet viel gründlicher ausgerottet zu ſein ſcheinen. Damals war die Neigung, das Leben zu ge nießen und ihm die leichte und fröhliche Seite abzugewinnen, faſt in allen Ständen vorherrſchend und offenbarte ſich in echt nordiſcher Weiſe beſonders in der Vorliebe für die Freuden der Tafel und des Bechers. Die Schotten waren zu jener Zeit vortreffliche Trinker und verſtanden dem Bac chus in wahrhaft liebenswürdiger und humoriſtiſcher Weiſe zu huldigen. Obenan ſtanden in dieſer Hinſicht die Rich ter und Advocaten, welche gründliche Gelehrſamkeit, glänzende Geiſtesgaben und einen ehrenfeſten Charakter mit der Liebe zur Flaſche und zur heitern Geſelligkeit auf eine bewunderns⸗ würdige Weiſe zu vereinigen wußten. Scott hat im Rath Pleydell(nebſt ſeinem Schreiber Driver) inGuy Manne⸗ ring ein köſtliches, nach der Natur gezeichnetes Bild eines ſolchen lebensluſtigen Themisprieſters geliefert.

Einer der bekannteſten luſtigen Brüder Edinburgs war ein Caſſenbeamter James Balfour, der namentlich ein wunderbares Talent beſaß, luſtige ſchottiſche Volkslieder vor⸗ zutragen, und daher allgemein unter dem Namen Singing Jamie Balfour bekannt war. Sowohl als Beamter wie als

Menſch erfreute er ſich allgemeiner Achtung; er war ein

tüchtiger Geſchäftsmann, ehrlich und gerade, gutmüthig und liebenswürdig, dabei durch und durch Jacobit. Sein einzi⸗

ger Fehler war ſeine Liebe zum Wein, den er bei ſeiner kräf⸗ tigen Leibesbeſchaffenheit in großer Menge vertilgen konnte. Wenn er gezecht hatte, pflegte er ſich Kopf und Hände mit

kaltem Waſſer zu waſchen und war dann augenblicklich nüch⸗

tern. Als ein gewiegter Kenner pflegte er, wenn er irgend

eine Flaſche mit einem tüchtigen Knall öffnen hörte, ſofort ſein Glas mit den Worten hinzuhalten:Mädel, gieb mir ein Glas von dem! Die hübſcheſte Geſchichte aus ſeinem

Leben iſt die folgende. Von einem Gelage heimkehrend, fiel

er in eine Kalkgrube, die vor einem im Bau begriffenen Hauſe gegraben war. Ein vorübergehender Herr hörte ſein

Stöhnen, antwortete aber auf ſeine Bitte ihm herauszuhel⸗

fen:Wozu? Ihr könnt ja doch nicht ſtehen, wenn Ihr her⸗

Herr, dem dieſer Humor gefiel, ſtand ihm bei, brachte ihn zum Stehen, ſie ſetzten an, und ſiehe da! Balfour gewann die Wette, obgleich er ſich ſofort auf den Kirchentritt ſetzen mußte, da er in der That unfähig war zu ſtehen.Nun, ſagte

Balfour, nachdem er ein paar Minuten lang Athem geſchöpft,

gilt's noch eine Flaſche von hier bis zu Fortune's? Der

Fremde nahm die Wette an, und Balfour gewann zum zwei⸗

ten Male. Sie ſetzten ſich in der genannten Kneipe feſt,

um die Wette auszumachen, und Balfour mußte gegen Mor⸗ gen ſeinen neuen Freund in einer Portechaiſe nach Hauſe bringen laſſen.

ſchlecht mitunter anſteckte, kann uns nicht wundern. Na⸗ mentlich wird eine Geſchichte erzählt von drei Damen, die ſich eines Abends in einem Wirthshauſe in der Highſtreet güt⸗ lich gethan hatten und in ſpäter Stunde in der roſenfarben⸗ ſten Laune ihren Nachhauſeweg antraten. Alles ging gut, denn der Mond ſchien ſo hell, daß ſie ſelbſt mit ihren unkla⸗ ren Köpfen den Weg finden konnten, bis ſie zur Tron⸗Kirche kamen, wo der dunkle Schatten des Thurmes quer über die Straße fiel. Was war das? Offenbar ein Graben oder Bach, durch den ſie hindurchmußten. Unſere benebelten drei Grazien faßten ſich ein Herz, ſetzten ſich an den Rand des vermeintlichen Baches, zogen Schuhe und Strümpfe aus, ſchürzten ihre Kleider auf, wateten durch das Waſſer und ſetzten dann ihren Weg in der heiterſten Stimmung fort. Auch die Auſter⸗Keller waren in jener Zeit beliebte Lo⸗ cale für fröhliche Abendpartieen von Herren und Damen, ſelbſt aus den höchſten Ständen. Hier warf man allen Zwang der Etikette ab und ließ dem Witze und der Laune freien Lauf, und mancher Scherz, der im Geſellſchaftszimmer ſtreng verpönt geweſen wäre, wurde hier beim Rum⸗Punſch be⸗ klatſcht. Dann wurden die ſichtenen Tiſche bei Seite geſtellt, die Talglichter fanden in den Fenſtern Platz, und ein Tänz⸗ chen wurde nur um ſo mehr genoſſen, als es eben ein wirk licher Ausbruch natürlicher Fröhlichkeit war.

Eine beſondere Zierde dieſer Clubs war ein Herr Lind, ein Mann, welcher ſeine dreihundert Pfund wog, und dem in ſtiller Gemüthlichkeit zu eſſen und zu trinken über Alles ging. Man pflegte von ihm zu ſagen, daß, wenn alle die Ochſen, die er in ſeinem Leben verzehrt, in eine Reihe ge ſtellt würden, ſie von einem Stadtthore zum andern reichen würden, und daß eine Fregatte von 74 Kanonen in dem Weine ſchwimmen könnte, den er getrunken. Sein Lieblings⸗ gericht war Lachshaut, die er ſelbſt vonn den Tellern ſeiner Mitgäſte zuſammenzuſcharren kein Bedenken trug. Er hatte nur einen Trinkſpruch, von dem er niemals abwich:Fröh⸗ liche Tage für luſtige Cumpane!

Der Eber⸗Club war ein Verein anderer Art, indem er meiſt aus modiſchen jungen Herren beſtand, die in einer mo⸗ dernen Taverne der Neuſtadt zuſammen kamen. Alle Mit⸗ glieder waren Eber; ſie ſprachen nicht, ſondern grunzten und hatten kein Zimmer, ſondern einen Koben, wo ſie ſichim Kothe wälzten. Dieſer Club wurde im Jahre 1787 von einem deutſchen Muſiker, Namens Schetky, gegründet, wel⸗

ſcher bald nach 1760 nach Edinburg gekommen war; ſeinen

Daß eine ſo verbreitete Trinkluſt auch das ſchöne Ge⸗

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