Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
626
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Novellen⸗Zeitung.

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und in der vollen Lieblichkeit der Geſundheit pran- Eines Tages, es war im November 1812, als

genden Züge Maria's kaum wieder. Frau von Holzau durch Richard eben wieder einen 4 uuueit Maria hatte im vergangnen Jahre, als ſie zu Brief vom Grafen Oskar für Maria erhalten, den er den g. zun Frau von Holzau ging, um dieſe nach dem Grafen ihr aus der alten Czarenſtadt Moskau geſchrieben Kn and in Oskar zu fragen, ihre Liebe ſelbſt verrathen, und der hatte, ließ ſie Maria zu ſich rufen und eröffnete ihr niſng 2 G Zuſtand, in welchen ſie gerieth, nachdem ſie ſchonungs⸗ mit trauervoller Miene, daß ſie ſoeben die Trauer⸗ nit 30 w los die Nachricht empfing, daß derſelbe zum Kriege nachricht vom Tode des Grafen Oskar empfangen d dne nach Rußland ſei, war ſo bedenklich, daß ſelbſt Frau hätte. In einer großen Schlacht gegen die Ruſ⸗ hatte ke von Holzau erſchrak, Marien zu Bett bringen und ſen ſei derſelbe durch eine feindliche Kugel getödtet tA odi da ihre Eltern von dem Geſchehenen benachrichtigen ließ. worden. Wechſ 9 So erfuhren dieſe das erſte Wort von Maria's Frau von Holzau erzählte die traurige Geſchichte T ih 6 Liebe zum Grafen und ſpäter aus Maria's Geſtaͤnd⸗ mit thränenſchweren Blicken und ihre Stimme zitterte, aes n niſſen Alles. als ſie, ſelbſt ſo tief ergriffen, die arme, von dieſem ausgeif Maria erholte ſich wieder und wurde körperlich harten Schlage ganz betäubte Maria zu tröſten ver⸗ rin eſ das, was der Arzt geneſen nannte, aber ihre Seele ſuchte.* ridh chen ſie

geſundete nicht wieder. Ihre jugendliche Heiterkeit Dieſe Nachricht war wie ein Todesſtoß für das war dahin, der frohe Strahl des ſchönen Auges er- treue Mädchen. Unwandelbar überzeugt von ihres loſchen, und vnn die Lippen, w0 einſt in niedlichen Oskar's Treue hatte ſie unter dem Schmerz der Tren⸗ Grübchen die Genien des Frohſinns zu hocken pfleg⸗ nung doch immer die Hoffnung genährt, den Gelieb⸗ ten, lagerte ſich ein unbeſchreiblicher, aber um ſo ver⸗ ten als ſieggekrönten Helden wiederzuſehen, wenn er ſtändlicherer Zug des Wehes, der niemals wieder aus dem Kampfe in Rußlands Steppen heimkehren ſchwand, ſondern ſich tiefer eingrub. würde, über den die Fama bereits ſchreckliche Dinge Maria's Wort ſchien ſich erfüllen zu wollen. Sie berichtete... doch nun war er todt nun war Alles welkte gleich einer Blume, welcher das Licht genom- aus, und ſie mochte auch nichts mehr als ſterben, um

mit ganzer

Der h ſchen gegen nahm imm der Frauzoſ des ausgeb den würde, noch furchtb

men wurde, und ſchmachtete nach einem Strahl des bald mit ihm vereinigt zu ſein. Dieſer Jammer behaupien Troſtes. Eine Nachricht von Oskar, eine Zeile, daß dauerte fort und wurde immer ſchlimmer. Marka HBeer, ä er ſie noch liebe und ihrer gedenke, wäre dem armen ſchwand ſichtlich dahin und wurde ſchattenähnlich ge⸗ des Scha Kinde Brod des Lebens geweſen, aber dieſer Troſt gen früher. Große wurde ihr nicht zu Theil. Dunkel war, dunkel blieb Das Frühjahr kam und die Nachricht von dem ſende der ihr Weg, und immer tiefer hüllte ſich das trauernde Deutſchlan

grauenvollen Rückzuge der großen Armee aus Rußland war auch gekommen. Die Trümmer dieſer einſtmals Und Frau von Holzau ſah dem Allen ruhig zu. großen Armee wälzten ſich durch Polen nach Deutſch⸗

welche wie walt alle

Mädchen in ſeinen Seelenſchmerz.

Sie verfolgte ihren Zweck mit eiſerner Conſequenz; land herein und wenn Graf Oskar von Palm ſich egte, mi und um das gräfliche Haus Palm vor einer Mes⸗ noch lebend unter ihnen befand, ſo konnte er möglicher⸗ aber auch alliance, ihre Tochter vor dem Schimpf, neben einem weiſe einmal unerwartet in Holzau eintreffen und Maria Sorgfalt, Landmädchen verſchmäht zu ſein, zu bewahren, ver⸗ finden. Frau von Holzau hatte Maria's Eltern bereits dei Befre

nn mochte ſie den herzzerreißenden Jammer des armen V einigemal den Rath gegeben, ihre Tochter aus dieſer Mel Kindes mit anzuſehen, deſſen Lebenskräfte mehr und Gegend, die mit ihrem Leid ſo ſehr verwachſen war, Pattioter n mehr von Gram verzehrt wurden. daß ſie es nimmer heilen ließ, zu entfernen, ohne je⸗ ſo geſch Aber Frau von Holzau wollte ja nicht zur Mör⸗ doch bisher etwas zu erreichen. Die Gefahr einer nicht al

derin an ihr werden! Maria mußte fort aus dieſer unerwarteten Rückkehr des Grafen beſtimmte ſie je⸗ den ſch

Gegend, aber zuvor mußte ihr doch auch die letzte doch, noch einmal einen ernſten Schritt deswegen zu erfüllen Hoffnung auf eine Wiederkehr des Grafen genommen thun, und ſo kehrte ſie bei einem Spaziergange in D

werden. Das nannte Frau von Holzau Radicalcur: der Meierei ein. Sie fand Maria, wie ſie es erwartet und T Wer todt iſt, wird vergeſſen, und ſolches Maäͤdchen ſtirbt hatte, bleich und ſchmerzgebengt, eine Stilltrauernde 1 des Hi nicht vom Liebesjammer. Sie wird ſich einen andern und für jeden Troſt unempfänglich. Das gab Frau öden Mann ſuchen und einen Andern lieben lernen. von Holzau ſogleich Grund, den Eltern heimlich auf 1h Die J

So urtheilte Frau von Holzan und meinte, ihren das Entſchiedenſte zuzureden, das Leben ihres Kindes, icht

eigenen Anſchauungen angemeſſen, daß das Mädchen welches in Gemüthstrauer ſich wohl noch einmal. des O

1 ſich weniger um den verlornen Mann, als um den ſelbſt ein Leid anthäte, wenn der Tod ſie nicht er⸗ 7 und Grafen und um die geſcheiterte Hoffnung, eine reiche löſte, durch ſchnellſten Wechſel des Ortes zu retten, Wiſe

Gräfin und vornehme Dame zu werden, härme. da ein ſolcher Wechſel das ſicherſte Heilmittel der