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ſchwebte, die ſelten, ſelten nur einmal lächelten, er⸗ zählte vielleicht davon; und ſo hatte ſie denn die Stellung bei der jungen Künſtlerin mit Vergnügen angenommen. Sie zählte zehn Jahr mehr als dieſe, die ſchmalen, bleichen Züge ließen ſie ſogar noch et— was älter erſcheinen, und ſo galt ſie für die achtzehn— jährige Sängerin zugleich als Ehrendame.
Vor einer kurzen Weile waren mehrere junge Leute im Vorzimmer geweſen, die ſich als die Jour⸗ naliſten von Paris zu erkennen gegeben, und Fräu⸗ lein Marianne hatte ſie nicht ohne Weiteres abzu⸗
weiſen gewagt. Sie hatte ſie alſo der ruhenden Herrin gemeldet. Aber Agnes Lindau wollte jetzt
ruhen und konnte nicht begreifen, weshalb ſie ſich von dieſen Leuten ſtören laſſen ſollte. Sie war überhaupt ein eigenwilliges und oft anmaßendes Weſen, welches den eigenen Willen in der Weltordnung zu alleroberſt regiſtrirte. Was kümmerten ſie, die deutſche Künſt— lerin, die Journaliſten von Paris? So meinte ſie, und dieſe Meinung iſt für einen deutſchen Künſt⸗ ler ſeltſam genug und für einen Deutſchen noch ſeltſamer.
„Ich empfange heute Niemanden!“ rief ſie dem Fräulein mürriſch zu, und Fräulein Marianne konnte nicht anders, ſie mußte den harrenden Journaliſten dieſe Nachricht bringen und theilte ſie ihnen im rein⸗ ſten Franzöſiſch mit. Die ſtolzen Herren der Preſſe blickten ſich verwundert an, ſie glaubten falſch ver⸗ ſtanden zu haben, und Einer von ihnen fragte noch einmal, um ſich zu vergewiſſern. Aber Fräulein Ma⸗ rianne wiederholte ihnen denſelben Beſcheid ihrer Herrin; jetzt konnte ſie nicht mehr mißverſtanden werden, und eine dunkle Zornesröthe lagerte ſich über das bleiche Angeſicht des Herrn Jules.
Das Unerhörte war geſchehen, und was die ſtolzen Beherrſcher der Pariſer Preſſe noch niemals erlebt hatten, das hatte ihnen heute eine deutſche Sängerin zu bieten gewagt. Die Herren erwiderten Nichts mehr, ſie ſahen ſich nur bedeutungsvoll an und ſchickten ſich an, das Vorzimmer zu verlaſſen. Aber an der Thür wandte ſich Herr Jules noch einmal um. Sein Ant⸗ litz war wieder bleich, er ſchien wieder vollkommen ruhig zu ſein, nur die Augen ſchoſſen zürnende Blitze auf die arme Marianne, welche von der ganzen Scene wenig genug begriff.
„Melden Sie Ihrer Herrin,“ ſagte Herr Jules mit eiſiger Kälte,„Monſieur Jules ließe ſich empfeh⸗ len. Ihm wäre in dieſem Vorzimmer etwas paſſirt, was er noch nicht erlebt hätte; melden Sie Ihrer Herrin, wenn es ihr in Paris ebenſo gehen ſollte, ſo möchte ſie an Monſieur Jules gedenken.“
Fräulein Marianne ſah den Herren gedankenvoll
——
Novellen⸗
Zeitung.
nach; doch konnten dieſelben kaum das Hötel ver— laſſen haben, als die Glocke bereits wieder anſchlug.
Ein nicht mehr ganz junger Mann trat ein, der ſie ſofort deutſch anredete und nach Fräulein Lindau
frug. Marianne ſagte auch ihm, daß dieſelbe ange⸗
griffen ſei und heute keinen Beſuch empfangen wollte. O,“ rief der Fremde,„das gilt ſicher nur für
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die Pariſer; aber bei einem deutſchen Landsmann,
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der beſonders deßhalb hierher geeilt iſt, um ſie zu begrüßen, wird Fräulein Lindau ſicher eine Ausnahme machen. Ich bitte, melden Sie ihr, Baron Löwen wünſche ſeine Aufwartung zu machen.“
„Baron Löwen!“ wiederholte Marianne, wie im
Schrecken erröthend, und um eine plötzliche Verle⸗
genheit zu verbergen, eilte ſie in das Zimmer der Herrin.
Agnes Lindau ruhte noch immer mit offenen
Augen auf der Cauſeuſe; ſie war angegriffen und
erſchöpft und vermochte doch nicht zu ſchlummern.
Sie blickte empor, als Marianne geräuſchlos eintrat, und eine Wolke des Unmuthes lagerte ſich im Augen⸗ blick auf ihrer hohen, weißen Stirn.
„Gnädiges Fräulein!“ ſagte Marianne,„ein deutſcher Landsmann wünſcht Ihnen aufzuwarten; er ließ ſich nicht abweiſen, ohne daß ich ihn wenigſtens angemeldet hätte.“
„Ein Deutſcher?— ſo— wer iſt es denn?“ frug die Künſtlerin langſam.
„Baron von Löwen nannte er ſich,“ erwiderte Marianne und wiederum erröthete ſie.
Doch Agnes Lindau beachtete das nicht. Auch ihr war dieſer Name nicht unbekannt, nicht eih
gültig. Löwen war der Name des jungen Mannes geweſen, der vor acht Jahren mit Brenken nach Z. gekommen war, und der ſchon damals durch ſeine edle Männlichkeit einen Eindruck auf das Dorfkind
ausgeübt hatte, welcher unverlöſchlich geblieben war.
„Sollte es Brenken's Freund ſein?“ fragte ſie ſich,„ich glaube, derſelbe lebte in Paris, und Bren⸗ ken hätte mir ſicher Briefe an ihn mitgegeben, damit ich hier nicht ſo ganz allein ſtünde,— wenn er nicht— doch ich will ſehen, laſſen Sie den Herrn eintreten.“
Im nächſten Augenblicke betrat Rudolph das Boudoir der Sängerin. Dieſe hatte ſich erhoben
und ging ihm lebhaft entgegen, ſobald ſie ihn nur
erblickt hatte.
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„Baron Löwen!“ rief ſie mit ihrer Silberſtimme,
und ein leichter Schimmer überflog das zarte Weiß
ihrer Züge;„wahrhaftig, Sie ſind es! O, ich er⸗ kannte Sie ſogleich wieder, wenn ich Sie auch lange
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„Und haben? kinen Brief von B nicht an den maͤn nieſen, als Sie ſic tmn? Und weßhal⸗ kommen?“
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