Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
465
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Vierte Folge.

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Gine Mlochenchronik für Titeratur, Kunst, ſchöne

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

No. 30.

Leipzig, am 22. Juli 1864.

II. Jahrgang.

Tliſſenſchaſten und Geſellſehuft.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Die Primadonnn.

Novelle von Julius Mühlfeld. (Fortſetzung.)

In einem reizenden Boudoir, ſo bequem und heimlich eingerichtet, wie man ſie auf der ganzen Erde in einem Hôtel nur in Paris findet, ruhte Agnes Lindau auf der ſchwellenden Cauſeuſe. Die ſchweren feuerfarbenen Fenſtervorhänge waren zugezogen und ließen ein magiſches Dämmerlicht auf das ganze Ge mach und auf die ruhende Künſtlerin fallen.

Agnes Lindau war wunderbar ſchön. Ihre Ge⸗ ſtalt duftig und zart und doch nicht ſchmächtig, ſon⸗ dern von reizender Fülle. Die zarten Züge, von ſchwarzen Locken eingerahmt und von dunkeln Feuer⸗ augen belebt, zeigten einen Anflug trotziger Kühnheit, welche ihr ſehr gut ſtand.

Sie ruhte jetzt. Sie war erſt geſtern Abend an⸗

gekommen und ſollte bereits heute auftreten, vorher doch aber auch mit dem ihr völlig fremden Perſonale eine Probe halten. Sie war von der Reiſe ange⸗ griffen und ging ſchon ſeit einer Stunde mit ſich ſelber zu Rathe, ob ſie nicht lieber abſagen laſſen ſollte, ſtatt heute aufzutreten. Probe halten mußte ſie; denn ſie konnte ſich, wenn für ſie das Proben auch überflüſſig war, unmöglich einem ihr fremden Enſemble und einer ausländiſchen Capelle anvertrauen. Doch wollte ſie auch nicht ſogleich das erſte Auftreten verſchieben; ſie gab ſehr viel auf ihren Ruf und mochte ihn nicht durch ſolches Abſagen in der zwölf⸗ ten Stunde in Frage ſtellen. So wollte ſie alſo auf⸗ treten und ruhete jetzt, um ſich ſo viel als möglich zu erholen.

Im Nebenzimmer bewegte ſich geräuſchlos Ma⸗ rianne, die Geſellſchafterin der Künſtlerin. Fräulein Marianne war ein gutmüthiges, leidlich hübſches Mäd⸗ chen aus gutem, altem, aber ſehr verarmtem Adel. Es war ihr ſchon recht traurig ergangen; ein Zug ſanfter Melancholie, welcher immer um ihre feinen Lippen

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