Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
153
Einzelbild herunterladen

en Deutſch

die Piſe

diſchen den aber einem zu helfen, hatte ſich weiter. ecen Atte t.

Lilm, de hätte ich ühnen zu wiſe Leute ennt. Hilf nd ſo ge ſegefährte en lange vo, wäh⸗ aer, und er Cargo

achtungen. Gäͤſte und ſß ſie den als deren endsleute iſche Ge⸗ Noſfeits ndiſchen jeniſchen

Iſt man änge aus die Heer⸗ n wieder erkwürdig h gewol⸗ rfen eil die funl⸗ rihren gingen. einige um in n Ahn⸗ he Sti⸗ 3 haben damals, daß ein

ber kalte echſelten Wie

Vierle Folge.

gern hätte ich den wohlthuenden Strahl feſthalten mögen, wenn neues dunkeles Gewölk aus Nordweſt ihn zu verhüllen drohte! Hat man aber einmal im Herbſt ſein Schickſal einem offenen Holſteiner Stuhl⸗ wagen vertraut, ſoll man nicht murren über wechſeln⸗ des Wetter! Man muß es hinnehmen, wie es kommt. Es giebt viel Schlimmeres in der Welt. Z. B. eine Fahrt zur Winterzeit in ſchlechter Kibitke nach dem grundſchlechten Lande Sibirien, herausgeriſſen aus dem Comfort eines behaglichen Hauſes; die treue Dienerſchaft zurück; der Koſak mit geſchwungenem Kantſchu des traurigen Weges einziger Gefährte! O! ein Paradies dagegen iſt das geſegnete Holſtein mitten im Winter, wo jeder Schlot dem Reiſenden gaſtlich entgegenraucht, wenn ihm die Tagesfahrt einmal zu lang wird.

Wilm wurde jederzeit unwillig, wenn ſeine Pferde, um ſich gegen den Schlagregen zu ſchützen, die Köpfe vom Winde abwendeten, wodurch ſie die Räder gegen die Gleiſe drängten und den Wagen um ſo langſamer fortzogen. Mein Taxator und reſp. Schutz⸗ mann, den das Wetter zu verdrießen anfing, ſchnitt arge Grimaſſen, wenn er ſich ſelbſt mit Wilm als Ballaſt auswerfen mußte, um unſer hochragendes Ge⸗ ſtell in den rechten Bahnen zu erhalten. Um die Nachmittagszeit gab es endlich wieder eine Strecke guter Chauſſee, immer gerade aus. Noch eine Weile, dann kam mir Heide zu Geſicht, das mit ſeinem ſpitzen Thurm wie ein Pharus aus einer anmuthigen Waldumgürtung hervorragte.

Das Städtchen Heide hat ein freundliches, wohlbe⸗ hagliches, faſt niederländiſches Anſehen. Sauber iſt jede Straße und ſchmuck die Häuſer, die mit dem ge⸗ zackten Giebel nach vorn ſie einſäumen. Selbſt an den Brunnen bleibt faſt kein Tropfen Waſſer ſtehen, trotz der vielen rothwangigen Deerne(Mädchen), die vom Morgen bis zum Abend dort pumpen und ſchöpfen, um Fenſter und Hausfluren zu waſchen und zu bürſten, daß ſie alle Tage ſo blank ſind wie im übri⸗ gen deutſchen Lande nur am lieben Sonntage.

Das Abſteigequartier hatte ich der Wahl unſeres Vetturino überlaſſen, der als Holſteiner Kind im Lande wohl bekannt war.

DasDeutſche Haus machte ſeiner Firma alle Ehre. Doch war es, genau betrachtet, noch ſau berer darin als in manchen unſerer mit ausländiſchen Namen prangenden Hötels. Alles nett und einla⸗ dend; das Tiſchzeug blendend weiß, das Silbergeräth.

ſolid und ſpiegelblank; die Speiſen und Getränke

kräftig und echt wie in Hamburg und wie überall in der Nähe der norddeutſchen Küſte. Indeſſen werden auch die Contos größer, in dem Verhältniß als das

V

153

überſeeiſche Handelsleben mit ſeinen Rhedern, Capi⸗ tainen, Matroſen, Küpern und Laſtträgern in größere Nähe tritt. Da, wo nicht weit ab die Wimpel luſtig flattern, wo das Hio hoh! wagender, arbeitender und leicht vergeudender Matroſen ertönt, da hat auch das Geld am Werthe verloren, den es im Binnenlande noch behauptet.

Man ſah es den freundlichen Bewohnern von Heide bei ihrem ruhigen Walten nicht an, daß ſie es waren, die an der Spitze ihrer Nachbarn am linken Eiderufer den Muth hatten, Rechenſchaft über die Finanzen von den däniſchen Staatsbehörden zu for⸗ dern. Die Stadt Heide war im Jahre 1837 unter den holſteiniſchen Städten die erſte, welche gegen das fremdländiſche Regiment die nachdauernde Bewegung hervorrief, die vom Geſammtvaterlande als Vorbote der Freiheit begrüßt wurde.

Die nächſte Tagereiſe war eine kurze. Ich hatte mir vorgenommen, ſtatt weiteren Kreuzens einem be⸗ ſtimmten Ziele geraden Weges von Heide in öſtlicher Richtung entgegenzuſtenern. Um eine Aenderung des Wetters zu erwarten, zögerte ich am folgenden Mor⸗ gen bis gegen 10 Uhr mit dem Aufbruche. Die Aus⸗ ſicht dazu war vorhanden, weil der Wirth ſagte, daß der Wind nicht mehr vom Meere herwehte, wie die drei vorhergehenden Tage. Endlich brach die Sonne durch. Die Wolken flogen vor einem kräftigen Süd⸗ oſt zum Meere, und die Bäume auf dem Lande ſchüt⸗ telten die letzten Tropfen von den Zweigen. Mein Taxator rieb ſich ob der günſtigen Wendung des Wetters vergnügt die Hände und beeilte ſich das An⸗ ſpannen zu beſorgen. Im nächſten Augenblick aber kehrte er etwas von einem Reiſeſtallmeiſter heraus. Als ich ihm beim Bezahlen der Rechnung ein Extra⸗ trinkgeld für die Aufwärterin übergab, die ſo zuvor⸗ kommend meine Wäſche und Kleider von geſtern getrock⸗ net und mir am Morgen Alles hübſch geplättet über⸗ geben hatte, meinte er im hohen Tone, daß ſolch eine Summe für das ganze Dienſtperſonal ausreichend ge⸗ weſen ſei. Wie manche hohe Herrrn, zu Gunſten ihrer Caſſetten, allerdings billiger davon kommen, das mochte ich dem Kauz nicht ſagen, dem nach Hamburger Bür⸗ gerbegriffen die Bedeutung manches neuen Ordens noch unbekannt war.

Der Wagen hielt endlich ſäuberlich abgewaſchen vor der Thür. Wilm, deſſen etwas rothe Naſe heute im Sonnenlicht faſt purpurn erglänzte, bot mir einen freundlichen guten Morgen und meinte, das Wet⸗ ter ſei heute doch ein ganz anderes als Tages zuvor.

Ja, mein Junge! wie ſich der Holſteiner gern angeredet hört,wenn es ſo bleibt, werden wir heute nicht naß.