Novellen
La Ferroux ſah den Jüngling, immer noch den Finger auf der Karte haltend, ſehr erſtaunt an.
„Ihre Flotille?“ fragte der Ariſtokrat, in die Augen des jungen Mannes blickend, die ſich vor ſeinen heftigen Empfindungen unwillkürlich mit Thrä— nen füllten.
„Meine Flotille... Herr Marquis... Dieſe Augenblicke ſind feierlich... Ich erſcheine hier ſtatt mit einem mit zwei Graden... Blanca, wo iſt Blanca, Herr von La Ferroux, die ich noch, bevor ich ſcheide, mit einem theureren Namen begrüßen werde?...“
„Aber beim heiligen Ludwig,“ rief La Ferroux, „was bedeutet dies? Iſt dies Glück oder Unglück, was Sie, Herr Lieutenant, ſo außer ſich bringt?“
Der Seemann fiel ſtatt der Antwort dem Mar⸗ quis um den Hals. Er weinte faſt und bemerkte durchaus nicht, welches mißvergnügte Geſicht der Ci. devant machte und wie ſehr derſelbe ſich beſtrebte, ſich V
von ſeinem jungen exaltirten Freunde mit guter Ma⸗
nier loszumachen.
„O, dies Glück tödtet mich faſt!“ rief der Jüng⸗ „Blanca iſt die Meinige...“
„Wie? Blanca!“
„Der Kaiſer hat mit mir geſprochen...“
„Da verlohnt es ſich. wirklich der Mühe, den
Kopf zu verlieren!“ murmelte La Ferroux finſter, ob⸗
wohl er ſich nicht wenig zu verwundern ſchien.
„Er hat mich zum Flottencapitain ernannt. Er hat mir das Commando einer Schaluppe erſten Ranges und den Befehl über alle Schaluppen der Vorpoſten⸗ linien übertragen!“ rief de Ruailles.
Der Ci-devant war ſehr betroffen. Dann aber faßte er ſich ſchnell und blickte den Seemann mit einem ſehr eigenthümlichen Blicke von unergründlich ſchlauem Ausdrucke feſt an.
„Alſo Capitain!“ ſagte er.
ling.
; „Sie
überraſchen
mich! Uebrigens nehmen Sie meinen herzlichſten Glück⸗ wunſch. Commandant der leichten Kreuzer! Diable!
das überraſcht mich wirklich! Sie ſind gekommen, beſter Victor, um mich an mein Verſprechen wegen Blanca's Hand zu erinnern...“
„Ich bin gekommen, um feierlich um die Hand des Fräuleins La Ferroux zu werben...“
„Ich danke Ihnen ſehr, danke Ihnen herzlich. Ich begrüße Sie jjetzt ſchon mit Stolz als meinen Sohn.“(La Ferroux reichte ihm mit einer ſehr ge⸗ zwungenen Miene die Hand.)„Ich betrachte Sie als den Bräutigam meiner Tochter... Aber indem ich Ihnen den Weg offen ſtelle, ſich Blanca's Zuneigung zu erwerben, muß ich Ihnen bemerken, daß Sie von mir keine Unterſtützung Ihres Wunſches erwarten dürfen. Blanca hat ſich noch nicht entſchieden, wie
Zeitung.
ich Ihnen ſchon oft vertraute...
Sehen Sie, wie Sie ihre Einwilligung, ihr Jawort erhalten, und... la chose est faite! Bis dahin aber reden Sie von meiner Zuſage und von Ihrem Anwerben lieber
nicht. Blanca iſt die perſonificirte Caprice und möchte es nicht zu wohl aufnehmen, daß Sie die Sache nach ihrer Anſicht am verkehrten Ende ange⸗ griffen haben...“
Ruailles ſah wie ein aus dem Monde Gefalle⸗
ner aus.
„O,“ murmelte er,„Blanca liebt mich... Es iſt nicht anders möglich, ſie liebt mich, und es iſt nur Laune, wenn ſie ſich auf Augenblicke von mir ab⸗ wandte... Sie ſelbſt, Herr Marquis, haben mir ja verrathen, daß Blanca Ihnen geſtanden hat, ſie liebe mich, und ihre Grauſamkeit gegen mich ſei nur Verſtellung...“
La Ferroux klopfte dem Capitain auf die Schul⸗ ter, indem er ihn fein lächelnd erblickte.
„Auf mich beziehen Sie ſich ja nicht!“ bemerkte er.„Allerdings hat ſie mir dies geſtanden; aber
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wer ſteht uns dafür, daß dies nicht eben ihre größte
Caprice war? Nun, nun, nur nicht niedergeſchlagen; Blanca wird ſicherlich die Ihrige! Aber ſo ſchnell wird das mit der Heirath dennoch nicht gehen; Sie werden Mühe haben, dieſen kleinen Teufel zu bändigen.“
„Und wo iſt ſie?“ rief Victor, deſſen Muth, eben weil er ſo verliebt als möglich war, ſchnell wieder⸗ kehrte.„Ich bitte Sie, wo befindet ſich Blanca...? wir bleiben nur noch wenige Minuten... Ich muß an Bord, um meine Dispoſitionen zu machen... Aber ich kann unmöglich ſcheiden, bevor ich Blanca nicht wenig⸗ ſtens eine Secunde geſehen habe!“ La Ferroux zog die Klingelſchnur und ſetzte zwei Flaſchen Wein auf den Tiſch. „Nehmen Sie hier neben mir Platz!“ ſagte er ſehr wohlwollend.„Sie wird in kurzer Zeit hier ſein... Und Ihre Dispoſitionen? Das wird bei Ihnen keine große Mühe und Zeit erfordern, denke ich mir... Wo z. B. werden Sie ſtationiren, damit wir, wenn wir an den Strand ſehen, Ihr Fahrzeug unterſcheiden können?“
La Ferroux beugte ſich über die Karten.
Ruailles warf einen Blick auf die Rhede. Er ſchien im Geiſte ſeinen Plan zu entwerfen.
„Blanca läßt mir keine Ruhe,“ fuhr der ſchlaue La Ferroux fort;„ſie befragt mich den ganzen Tag, um Ihr Fahrzeug aufzufinden... So viel wenigſtens kann ich Ihnen von ihren Empfindungen verrathen.“
„Ah.. hier wird mein Schiff ſich aufſtellen.⸗ 7
rief und
von erwi


