Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
816
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816 Novellen heit. Dazu kommt, daß eine große Unruhe und nervöſe Bewegung des leitenden Fadens in der Hand der Muſe im⸗ mer gegen epiſche Gebilde eine auflöſende Wirkung ausübt und ihnen, ſtreng ausgedrückt, eine marionettenhafte Haltung verleiht.

Der Roman ſpielt in Rom, und viele einzelne feine Züge verrathen eine recht tüchtige Auffaſſung und ſcharfſinnige Beſpiegelung des dortigen Treibens, überhaupt des italieni⸗ ſchen Charakters. Es kommt nichts darauf an, wenn man⸗ ches Andere dem gründlichen Kenner des Landes nicht zu treffend erſcheinen dürfte.

Der Vortrag iſt friſch und weiß ſich mit Geſchick die Wahrheit zu Nutze zu machen, daß eine elaſtiſche Dreiſtig keit in der Darſtellung für den Mangel an gediegener Schönheit derſelben immer die meiſten Leſer entſchädigen wird. O. B.

Moderne Geſellſchaft, von Franz von Nem⸗ mersdorf. Leipzig, bei F. A. Brockhaus.

Auch dieſer Roman verbreitet ſich geſtaltenreich und voll von Handlungen über vier Bände gleich dem vorigen. Was ſoeben über jenen im Allgemeinen geſagt iſt, paßt auch auf dieſen. Die Spannung iſt hier noch künſtlicher und mit großem äußerem Geſchick des Machens angexegt; der Fa⸗ den immer abgeſchnitten, um andere Epiſoden dazwiſchen zu ſchieben und ihn ſpäter wieder anzuknüpfen. Die Geſchichte bewegt ſich vorzugsweiſe in den ſogenannten höheren Cirkeln

der Geſellſchaft; mancher intereſſante Blick eröffnet ſich hin⸗

ter den Couliſſen dieſes Treibens. So erbaulich dies für Manchen ſein mag, ſo möchte doch oft eine zu große Wichtig⸗ keit in der Behandlung bedenklich erſcheinen. Das Treiben gewiſſer, namentlich preußiſcher Adelskreiſe iſt dem ernſten, auf wahrem ſelbſterrungenem Werth fußenden Geiſte unſerer Gegenwart gegenüber nur noch ein Curioſum, das ſich völlig überlebt hat. Wenn es noch eine Wirkung macht, ſo kann es nur eine tragikomiſche ſein und dadurch entſtehen, daß ſich die betreffenden Perſonen jener Ueberlebtheit nicht bewußt ſind und glauben, ſie ſäßen noch auf dem alten Kampfhengſt des Junkerthums, während ſie doch auf demhölzernen Eſel der öffentlichen Bloßſtellung reiten und ſich poſſirlich genug ausnehmen. Der verſtorbene Spiller von Haunſchild(Max Waldau) war auf dem beſten Wege, dies klar zu fühlen und auch klar zu machen. Ich bemerke dabei, wenn auch der Autor ſeinen Roman in einer wohlbekannten ſüddeutſchen Reſidenz ſpielen läßt, ſo weiſt doch jener berühmte Adels⸗ dünkel mehr nach dem Norden.

Uebrigens muß man mit Vergnügen zugeſtehen, daß die Charaktere in dem RomanModerne Geſellſchaft viel

g

intereſſanter und oft natürlicher geführt ſind, als in dem

Im Verlage von Carl Wilfferodt in Leipzig erſchienen:

Wild⸗ und Waidmannsbilder, Jagdſcenen und Schilderungen aus Wald, Gefild und Höhen. Ein Prachtband mit vielen Illuſtrationen. Lexikonformat. Geh. 1 Thlr. 10 Ngr.

Wunderlich, Die Thierwelt in naturgeſchichtlichen Schilderungen, Biographien, Charakterbildern, Thierkämpfen, Jagdſcenen und Erzählungen. Illuſtrirt durch Abbildungen nach Originalzeich⸗ nungen der erſten Künſtler. circa 12 Lieferungen in Lexikon⸗ format à 8 Ngr.

Von dieſem Prachtwerk ſind bereits 4 Lieferungen erſchienen.

Gediegener Inhalt und äußere Ausſtattung geſtalten daſſelbe zu

einem nicht nur lehrreichen, ſondern auch unterhaltenden Buche.

Zeitung.

früherenUnter den Ruinen. Manche haben ſogar eine wohlthuende geſunde Originalität, nicht ſelten tritt eine Art Humor, und häuſiger noch die Ironie an uns heran. Wie viel Terrain würde die organiſche Entwickelung eines ſolchen Romans gewinnen, wenn die zu große Zahl der Perſonen die Durchbildung nicht ſtörte und eine geſuchte abenteu⸗ erliche Erfindung nicht eine fieberhafte Nervenaufregung in den Geiſt der Compoſition brächte! Einfachheit und künſt⸗ leriſche Oekonomie dürften dem ſehr talentvollen, keck vor⸗ ſchreitenden Autor am meiſten zu empfehlen ſein und ganz nebenbei auch ein Vermeiden jener modernen Freiheit der Rede, die mit ihren bilderreichen Ausdrücken kein Maß hält. Jetzt ſaßen ſie beide auf ſchwellendem Divan, und die Fürſtin tauchte ihre dunkeln Augen in das Geſicht ihres Gefährten; ich weiß nicht, ob es das Philiſterthum der Grammatik in mir bewirkt, aber ſolche Phraſeneinkleidung iſt mir zu poetiſch und macht mir einen Schreck, denn es iſt nicht abzuſehen, zu welchen Conſequenzen dieſe kühnen bild⸗ lichen Redeweiſen noch führen könnten.

Doch auch dieſe Erſcheinung mag als ein Zeichen von Phantaſie gelten, was ſie gewiß gern will.

An Leſern wird es dieſem Roman nicht fehlen.

Bilder⸗Thierbuch mit Zeichnungen von E. Härtel, und Verſen von Dr. Karl Wallen. Berlin, Friedr. Schulze's Buchhandlung.

Das im vergangenen Jahre kurz vor Weihnachten(bei Lampart und Comp. in Augsburg) erſchieneneLebendige Bilderbuch, d. h. Bilderbuch mit beweglichen Figuren, hatte damals den Beifall von Alt und Jung, alſo von Schenkern und Empfängern in der Weiſe erlangt, daß die Verleger eine kaum glaubliche Anzahl in kürzeſter Zeit abſetzten, und wenige Tage vor dem Feſte kein Exemplar mehr zu erlan⸗ gen war. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, daß die Idee in dieſem Jahre von anderen Verlagshandlungen aus⸗ gebeutet wird, und eine nicht unbedeutende Anzahl ähn⸗ licher Bücher producirt worden ſind. Eines der beſten davon iſt das uns vorliegende Bilder⸗Thierbuch. Der In⸗ halt des Buches, ohne von großem Werthe zu ſein, macht daſſelbe doch bei weitem geeigneter, es Kindern von dem Alter, für welches es beſtimmt iſt, in die Hände zu geben, als dies bei dem des Lampart'ſchen Buches der Fall war, wenn auch die Art der Bewegung der Bilder mehr den marionetten⸗ ähnlichen Figuren des letztern angemeſſen iſt. Da dazu auch die Ausführung eine ſehr ſaubere und geſchmackvolle und der Preis(1 Thlr.) im Verhältniß zu dem Gegebenen ein nied⸗ riger iſt, ſo ſind wir überzeugt, daß es viel Anklang finden und viel Freude bereiten wird. Dr. Eſcher.

Zu Weihnachtsgeſchenken empfiehlt die Dürr'ſche Buchhandlung in Leipzig die in ihrem Verlage erſchienene

Völkerſchlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Nach den beſten Quellen bearbeitet von Franz Sommer. Zweite vermehrte Auflage. Preis 15 Ngr.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ollo Friedrich Dürr in Leipzig. Verlag

Hierzu zwei literariſche Beilagen von Hermann

der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig.

Coſtenoble in Leipzig und Otto Spamer in Leipzig.

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