Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
626
Einzelbild herunterladen

4

Vorſängerſpruch.

Wie es ſich mit mir begeben In dem vielbewegten Leben, Klingen's wieder

Dieſe Lieder,

Dur und moll,

Ernſt und toll,

Wehe⸗, weihe-, wonnevoll.

Weil ſich's auch mit jedem Andern So begeben kann im Wandern Schrieb ich nieder

Dieſe Lieder,

Leicht und los,

Anſpruchslos,

Aber keins geſinnungslos.

Nur daß mit den heitern, friſchen Sich die düſtern beſſer miſchen, Geb' ich wieder

All die Lieder

Statt nach Zeit,

Luſt und Leid

Bunt von A bis Z gereiht.

Der erſte Schnee.

Die Scheuer hat empfangen, Gekeltert iſt der Moſt;

Die Flur, wo Lämmer ſprangen, Beut nicht mehr Weidekoſt;

Der Wald, ſonſt grün umhangen, Steht nackt und ſtarr vor Froſt; Und längſt iſt abgegangen

Die Storch⸗ und Schwalbenpoſt.

Den Bach und Weiher ſäumet Kein buntes Ufer mehr;

Die Sonnenroſſe zäumet

Der alte Gott nicht mehr; Nicht feſſellos mehr ſchäumet Und brauſt der Strom daher: Natur liegt da und träumet So tief und feſt und ſchwer.

Sie träumt von Blumenglocken, Von Apfelblüth' und Schleh; Sie traut dem Traumverlocken, Will ſchauen, was geſcheh';

An

MlWm.

ovellen⸗Jeitung.

Mar WMoltke.

Da macht den Puls ihr ſtocken Das herbſte, ſchwerſte Weh; Denn ſieh'! es fällt in Flocken Herab der erſte Schnee.

Die Kindheit iſt enteilet

Die Jugend iſt verkoſ't,

Der Liebe Schmerz geheilet; Die Freundestreu' verlooſt; Des Mannes Blick nun weilet Auf Gräbern, die bemooſt, Auf Tagen, die getheilet

In Stunden ſonder Troſt.

Ein Meer iſt unſer Leben, Der Tod iſt ſeine Bucht;

Ein Baum iſt unſer Leben, Der Tod iſt ſeine Frucht; Ein Schulgang iſt das Leben, Der Tod die letzte Zucht; Ein Kampf iſt unſer Leben, Der Tod die letzte Flucht.

Der Jüngling mit Frohlocken Rang um der Liebe Preis; Der Mann um karge Brocken Vergießt den beſten Schweiß; Da fällt auf ſeine Locken

Des Alters Schnee ſo weiß; Sein Herz geräth in Stocken, Und müde ſtirbt der Greis.

Jugend.

Saget an, was ziert die Jugend? Stürmiſch Herz und heitre Blicke

Ohne Bitterkeit und Tücke, Lachend Auge, leichter Gang,

Flatternd Haar und froher Sang,

Fleckenloſe Wahrheit.

Mildes Wohlthun, ſanfte Güte, Zärtlicher Gefühle Glühen, Bunter Tanz der Phantaſien, Thätigkeit und heller Geiſt: Alles, was nur Schönheit heißt, Iſt der Jugend Zierde.

Auch ein Büchlein Lieder. Auswahl aus den Gedichten von Max Moltke. Berlin, 1863. Moltke's Selbſtverlag.

8 *

ſe

iite RNineſ Hwer d ſhan

ſruage

3 watte üw

₰½ A