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Novellen⸗Zeitung.
Nlbum.
Carl Goldammer.
Mein Sternlein.
Wenn ſtrahlet auf die Welt In ſtiller Nacht
Vom weiten Himmelszelt Der Sterne Pracht,
Schau ſehnend ich hinan Zum Himmelreich,
Und ich erkenne dann Mein Sternlein gleich.
Es blinkt wie keins ſo klar, Wie's traulich ſchaut, Ihm gleicht ſo ganz und gar
Ihr Auge traut!
O, wohl verſteh' ich dich, Du Sternlein klein, Du grüßeſt freundlich mich Vom Liebchen mein!
Sie ſelbſt einſt zeigt' es mir Und ſagte dann:
„Biſt du einſt weit von hier, Blick''s Sternlein an,
Und wenn in Silberpracht Es freundlich nickt,
Dann hab' ich dein gedacht, Dir Grüß' geſchickt!“
Bring' Grüße auch von mir, Wenn ſie dich ſieht, Erzähl' wie heiß zu ihr Es hin mich zieht. Blink' auch ihr freundlich zu Und küſſ' ſie dreiſt, Und ſag', daß immerzu Bei ihr mein Geiſt.
Mondſcheinlandſchaft.
Wie hehr und ſtill iſt's auf der Flur! Welch' feierliche Ruh'
Liegt auf der ſchweigenden Natur! Der Schlummer deckt ſie zu. Im ganzen weiten Horizont Herrſcht Stille wie im Grab,
Wenn ſcheint im Zauberlicht der Mond Auf dieſe Erd' herab.
Welch ſchönes Bild von Ruh' und Fried' Sich da dem Lauſcher zeigt! Verſtummet iſt der Vöglein Lied,
Und Alles, Alles ſchweigt.
Das Bächlein rauſchet nicht mehr wild, Es zügelt ſeinen Lauf,
Zu wecken nicht die Blumen mild Aus ihrem Schlafe auf.
Die Bäume murmeln ſchauerlich, Flüſtern geheimnißvoll,
Erzählen von Geſpenſtern ſich
Und Spukgeſchichten wohl.
Vor'm eignen Schatten zittert dann Aus Furcht der Espe Laub,
Und düſter ſchweigt die dunkle Tann', Sie iſt für Alles taub.
Es glitzern in dem Mondenſchein Des Thaues Tropfen all',
Sie ſchimmern gar ſo klar und rein, Durchſichtig wie Kryſtall.
Der Elfen zarten Aeuglein gleich, Schau'n ſchelmiſch ſie empor,
Als grüßt' uns aus dem Zauberreich Der Geiſter froher Chor. Und weiter in dem ſtillen Kreis
Ein Häuslein dort und hier
Mit ſeinen Mauern blank und weiß, Von Silber ſcheint es ſchier.
Dort durch den dunkeln Waldesſaum Zieht ſolcher Häuslein Schaar
Sich durch den blaßerhellten Raum, Wie Perlen durch das Haar.
Es glänzet dort im Demantlicht
Ein ferner, kleiner See,
Es ſpiegelt drin ſein Angeſicht
Der Mond hoch von der Höh'. Verſteckt ſchaut dort aus jenem Kranz Von Bäumen halb heraus— Gehüllt in Andacht wie ſo ganz!— Ein friedlich Gotteshaus.
Und ringsherum ſind eng' geſchaart Des Dörfleins Häuſer all',
Wie um die Henn', die ängſtlich wahrt Der lieben Küchlein Zahl.
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