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324 Uovellen-Zeitung.
Kraft und Willensſtärke gegenüber dem Despotismus zu ſehen. Er wurde ſelbſt mit von dem Rauſche hingeriſſen, in dem ſich Alles befand, und als ihn am andern Morgen frühzeitig ein Freund, Graf Armand de Clairville, ein Ma⸗ rineofficier, welcher ſeit einigen Wochen als Reconvalescent von einer vor Algier erhaltenen Wunde in Paris auf Ur⸗ laub war, abholte, ſo folgte er bereitwillig, und ſie richte⸗ ten zuvörderſt ihre Schritte nach dem Platz der Italiener, um zu ſehen, ob es wirklich wahr ſei, daß, wie Armand gehört, vie Preſſen des Figaro, des National und des Temps in Beſchlag genommen werdeu ſollten. Vor der Officin des National trafen ſie einen ungeheuren Volks⸗ auflauf, während ſtarke Abtheilungen von Gensdarmen zu Fuß und zu Pferde den Platz vor den Gebäuden, namentlich der Druckerei, beſetzt hielten. Die mächtigen Thore waren verſchloſſen, und ihre Oeffnung wurde ver⸗ weigert. Schon drei Schloſſer hatte man nach einander herbeigeholt, allein ſo wie ſie Hand ans Werk legen woll⸗ ten, trat ein Herr an das Fenſter über dem Thore, erklärte ihnen den Zweck der Verſperrung, ſo wie der beabſichtigten Oeffnung und las ihnen aus dem Strafgeſetzbuch die Be— ſtimmungen über Diebſtahl, Einbruch und Vernnögensver⸗ letzung durch Gewaltthätigkeit vor, wofür er dieſes Ver⸗ fahren erklärte. Ungeachtet des Scheltens und Drohens der Polizeibeamten war keiner dieſer drei Schloſſer zu be
wegen geweſen, die von ihm geforderte Hülfe zur Oeffuung
der Thüren zu leiſten; ſie hatten vielmehr ihre Werkzeuge zuſammengepackt und unter dem lauten Jubel des Volkes ſich wieder entfernt. Dieſes harrte nun in größter Span⸗ nung, was weiter geſchehen werde; denn bereits vor einer
[VIII. Jahrg.
Alles wandte ſeine Blicke der Gegend zu, aus welcher dieſer Haufe heranzog, und ein dumpfes Gemurmel erhob ſich unter der verſammelten Menge. Unterdeſſen waren die Erwarteten näher gekommien, und der widerliche Anblick des Menſchen, der anſcheinend zur Oeffnung der Thüren herbeigeholt worden, von der Ferne aber ſchon mehr einem Räuber als einem ehrbaren Handwerker glich, rechtfertigte vollkommen die immer lauter werdenden Ausdrücke des Unwillens. Deutlich konnte man jetzt ſeine Züge, wie ſeine Kleidung unterſcheiden, welches beides nur dazu diente, den unheimlichen Eindruck noch zu erhöhen und zu
verſtärken. Aus einem mit Ruß bedeckten Geſichte ſchiel⸗ ten ein Paar kleine Augen, braunrothes ſtruppiges Haar hing wirr um ſeinen Kopf, deſſen Häßlichkeit dicke aufge⸗ worfene Lippen und eine breite, faſt platte Stumpfnaſe V bedeutend vermehrten. Er war lang und hager, um den ſchmutzigen kahlen Hals hing loſe und unordeutlich geknotet ein halbzerriſſenes rothes Tuch, die Kleidung war zerlumpt, und das offenſtehende Hemde zeigte eine reichbehaarte Bruſt. Es war Griffan, der Schloſſer, welcher, früher ſelbſt Galeereuſträfling, jetzt den für das Bagno von Tou⸗ lon Beſtimmten vor ihrem Abgange dorthin die Arm⸗ und Fußſchellen und Ketteu anſchmiedete. Unbeirrt durch das laute Ziſchen und Pfeifen, welches ſich bei der An⸗ näherung dieſes Ehrenmannes erhob, deſſen ſich jetzt der Polizeipräfect zur Ausführung der Ordonnanzen bediente, V ſchritt derſelbe, an ſolche Ausdrücke des Unwillens ſchon gewöhnt, zwiſchen ſeinen Begleitern ruhig auf das Haus zu. Sohbald er ſich mit ſeinen Brecheiſen und Dietrichen der Thüre näherte, öfſnete ſich über derſelben abermals,
langen Weile hatte man einen Polizeimann mit zwei V wie früher, ein Fenſter, an dem ein Herr erſchien, der den
Gensdarinen abſenden ſehen, wahrſcheinlich um einen Vier⸗ ten zu holen. Da wälzte ſich von der Straße Richelien dem Platze ein neuer Volkshaufe zu, an deſſen Spitze man die drei Ausgeſendeten mit einem Vierten in ihrer
Begleitung jetzt zurückkehren ſah.
Schloſſer anzureden verſuchte. Doch dieſer ſchritt, ohne ſich um irgend etwas zu kümmern, an ſein Werk, das Fenſter ſchloß ſich und wenig Minuten nachher ſprang die Thür auf, durch welche ſofort Geusdarmen und Polizei⸗ gehülfen in das Haus eindrangen.
Feuil
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Der Rauf einer farm bei St. Louis. (Von A. v. Baudiſſin.)
Der Verfaſſer, welcher ſich durch ſein größeres Werk über Amerika und deſſen Zuſtände bereits bekannt gemacht hat, gibt gegenwärtig in einem Werkchen„Hüben und Drüben“ humöori⸗ ſtiſche Parallelen und Erinnerungen aus dem Bereich der Erfah⸗ rung zum Beſten.
Der Held dieſer Darſtellungen geht mit einem alten treuen Gefährten nach St. Louis und ſchildert uns, wie er als neuer Ankömmling dort ausgebeutet wird. Nachdem ſich die beiden Deutſchen flüchtig orientirt haben, betreten ſie eine Reſtauration, da es andere Ruhepunkte in St. Louis nicht gibt.
„Das Gaſtzimmer füllte ſich allmählich mehr und mehr mit Gäſten, die entweder dem edeln Sechsundſechzig oder der noch edleren Politik oblagen. Es machte auf mich einen eigenthüm⸗ lichen Eindruck zu hören, wie in einem Gaſtzimmer ganz ohne allen Rückhalt die lebhafteſten Debatten über den Charakter der höchſten Staatsbeamten geführt wurden, und ich muß geſtehen, daß die Herren eben nicht mit zarter Schonung behandelt wurden. Der Präſident wurde Idiot, Schwachkopf, Lump u. ſ. w. titu⸗
leton.
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lirt, dem Gouverneur des Miſſouri⸗Staates wurde der Galgen in Ausſicht geſtellt, dem Mayor der Stadt St. Louis das Zucht⸗ haus zuerkannt. Es gab natürlich auch Anhänger dieſer Beam⸗ ten, die aber ihrerſeits auf die möglichen Candidaten ihrer Ge⸗ genpartei mit derſelben Freigebigkeit ſchimpften. Ich zog daraus den Schluß, daß derjenige, der am beſten ſchimpfen kann, in Ame⸗ rika den Sieg erringen müſſe, und habe nachher dieſe Anſicht be⸗ ſtätigt gefunden. 1 8
Unter den Herren, welche mir durch eine gemäßigte Sprache beſonders auffielen, war ein langer, hagerer Mann, eine Art Halbamerikaner, der in früheſter Jugend nach Amerika„impor⸗ tirt“ war und die deutſche Sprache mit der engliſchen in ein ſon⸗ derbaxres Kauderwelſch zuſammenrührte. Dieſer Herr ſetzte ſich neben mich und ließ ſich in ein Geſpräch mit mir und Schilling ein. Bald hatte er uns durchſchaut und bemerkt, wo uns der Schuh drückte; mit zuvorkommender Artigkeit bot er eine Farm am Miſſiſſippi, drei Meilen von Saint Louis, an, die er unter dem Wertb gekauft hatte und gern wieder unter dem Werth her⸗ geben wollte. Es lag ihm wenig an Baarzahlung, er war mit guter Sicherheit zufrieden und ſtellte ſeine Termine ſo, daß ein
Mann von einiger Thätigkeit leicht die ganze Kaufſumme abver⸗
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