Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
239
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O. B.

Es iſt aber in einer Periode, die zum Selbſtbewußt⸗

Das Werk iſt auf Lieferungen berechnet, und es werden

Ausſtattung empfehlen.

1 Leranlaſſung haben, ſich für dieſe treffliche

Literariſche Briefe

von

Deutſche Nationalbibliothek. Herausgegeben voon Ferd. Schmidt. Berlin, Verlag von Lobeck und Brigl. 1862.

Sie werden ſich nie darüber gewundert haben, wie wenig Sinn das deutſche Volk für Geſchichte und ganz beſonders für ſeine eigene vaterländiſche Geſchichte beſitzt. Ein Tiſch⸗ ler intereſſirt ſich für ſeine Meubles, ein Bildhauer für ſeine Statuen, ein Schriftſteller für Bücher, kurz Jeder am meiſten für das, was er macht und worin er arbeitet. So wird auch jedes Volk lebhaften Antheil an Geſchichte nehmen, welches Geſchichte macht und ſelbſtſtändig in Ge⸗ ſchichte arbeitet. Die deutſche Nation iſt aber keine ſolche, ſie machte nie ſelbſtſtändig Geſchichte und wenn ſie hart genug darin arbeitete, ſo geſchah es nur dienend nach der Vorſchrift Einzelner, die ſich am meiſten berufen glaubten und wenigſtens die am beſten Befähigten hätten ſein ſollen.

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ſein überzugehen ſtrebt, eine möglicherweiſe zu erfüllende Pflicht, dem Volke Geſchmack und Luſt an der Lectüre der Weltgeſchichte und ſeiner eigenen Vergangenheit und Ge⸗ genwart durch lebendig, gerecht und patriotiſch geſchriebene Darſtellungen einzuflößen. Zugleich aber iſt es für die Literatur eine Schuld der Anerkennung und Dankbarkeit, durch ſolche Beſtrebungen zugleich die Leſer mit jenen Männern bekannt zu machen, welche ſich bereits ſeit gerau⸗ mer Zeit um parteiloſe und kenntnißreiche Geſchichtsſchrei⸗ bung ein Verdienſt erworben haben.

Es ſcheint nun der aufrichtige Wunſch des Herausge⸗ bers zu ſein, dieſe beiden ſegensreich ineinandergreifenden Reſultate in dem oben genannten ſo eben begonnenen Werke erzielen zu wollen. Von jedem mitwirkenden

Schhriftſteller wird eine Biographie nebſt ſeinem Portrait

erſcheinen, ein Paſſus, nach dem es eigentlich nur wahrhaft be⸗ rühmten Männern das Selbſtgefühl erlauben ſollte, unter den Mitwirkenden aufzutreten, denn welcher jüngere, noch

Otto

wirklich zum Siege geführt wurden.

Banck.

welche uns einen bezeichnenden Vorſchmack vom ganzen Werke geben möge, warm zu intereſſiren. Gerade die erſten Aufänge unſerer deutſchen Geſchichte ſind es, in welchen ſich die Fehler und Tugenden des deutſchen Volkes am beſten in den Wurzeln auffinden laſſen und ebenſo iſt es ain meiſten dieſe dunkle und ahnungsgroße Zeit, welche durch viele ungenaue Wiedererzählungen und willkürliche Vermuthungen für den Laien unklar gemacht wurde. Man darf daher wünſchen, von Zeit zu Zeit das Verbürgte, hi⸗ ſtoriſch Erwieſene geſagt zu ſehn.

Wir Deutſche haben keine Geſchichte, wie die Englän⸗ der und Franzoſen, die eine geſchloſſene Centraliſation hat. Es war auch früher und ganz früh immer ſo. Deßhalb und aus vielen noch ſchlimmeren Gründen fehlt es für jeden Patrioten nicht an Demüthigungen in der Lectüre unſerer Geſchichte. Nie einig, wurden wir ſchon in den Urzeiten ein Raub der Schwächeren, die zuſammenhielten. Dieſe ohne Zweifel viel Schwächeren waren die Römer, ſoviel ſittlich an Freiheitsliebe als phyſiſch an perſönlicher Kraft und Ausdauer, Eigenſchaften, die ſich nicht, wie bei andern Völkern, bloß auf's männliche, ſondern auch auf's weibliche Geſchlecht erſtreckten.

Aber es gab entſcheidende Momente, wo unſere Vor⸗ fahren durch ihre Stärke und ihren freien Germaneuſtolz Es muß für das Selbſtgefühl jedes Volkes erhebend ſein, ſie auch nach zwei⸗ tauſend Jahren noch zu überdenken.

Es war im Jahre 113 vor unſerer Zeitrechnung, ſagt Weber, daß die Cimbern und Teutonen, nachdem ſie einige Jahrzehnte lang am nördlichen Saum der Donauland⸗ ſchaften umhergeſtreift und die keltiſchen Bojer im heutigen Baiern und Böhmen überwältigt hatten, den breiten Strom überſchritten und, in die Alpenſitze der Taurisker(No⸗ riker) und Karner eindriugend, an die Thore des Römer⸗ reichs pochten. Der römiſche Conſul Papirius Carbo gedachte ſie durch Trug und Hinterliſt zu überwältigen.

weniger durch tüchtige Thaten bewährte Autor dürfte ſo an⸗

maßend ſein, ſein Conterfei und ſeine vorläufig höchſt un⸗

nichtige Lebensgeſchichte der ganzen deutſchen Nation vor⸗ gelegt wiſſen zu wollen!

Während er die an ihn abgeſchickten Boten unter erheuchel⸗ ten Freuudſchaftsverſicherungen zu den Ihrigen zurück führen ließ, rückte er mit ſeinen Legionen raſch auf dem kürzeſten Wege gegen das feindliche Lager und überfiel

davon jährlich vierundzwanzig erſcheinen, die zuſammen zwölf Bände bilden und ſich materiell ſowohl durch ihre Billigkeit für Abonnenten als durch praktiſche und elegante V Der zweite Band verſpricht ein Gemälde des Ritter⸗ und Frauendienſtes im zwölften und V dreizehuten Jahrhundert, von Falke, und der dritteBlicke in das gewerb⸗ und kunſtreiche Nürnberg im ſechszehnten Jahrhundert, von Johannes Voigt. Vom erſten Band liegt die erſte Hälfte vor, und der ackere Geſchichtsſchreiber Georg Weber eröffnet darin das Unternehmen durch eine Schilderung Germaniens in den erſten Jahrhunderten ſeines geſchichtlichen Lebens. Ich glaube, daß die ausgedehnteſten Leſerkreiſe viel Darſtellung,

nehmen ſchlug zum Verderben der Römer aus. 9 5

überwunden und in die Flucht geſchlagen. Nur einige ver⸗

unvermuthet die cimbriſchen Schaaren, die im ſichern Ver⸗ trauen auf die ſchwebende Unterhandlung ſich der Ruhe und dem Schlafe überlaſſen hatten. Aber das treuloſe Unter⸗ Empört über den Bruch des natürlichen Völkerrechts, das in Aller

Herzen wohnt, rafften ſich die germaniſchen Kriegsmänner

ſchnell auf und traten dem Feinde kampfgerüſtet entgegen.

Nördlich von der heutigen Stadt Klagenfurt, da wo einſt die reiche und blühende Hauptſtadt Noreja geſtanden, kam

es zu einer furchtbaren Schlacht. Das römiſche Heer wurde

ſprengte Haufen retteten ſich unter dem Schutze der Nacht und eines ſchweren Gewitterſturms in die nahen Wälder. Die Cimbern und Teutonen verfolgten jedoch

ihren Sieg nicht. Vielleicht, daß das unbekannte Ge⸗ 1