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geht und welchen Jeder willkürlich und unwillkürlich ein⸗ ſaugt, ſind auch in dieſem lebendig und mit der dem Ver⸗ faſſer eigenen Unterhaltungsroutine geſchriebenen Romane die politiſchen Mißgriffe und Zerriſſenheiten bloßgeſtellt, welche ſchon zur Zeit Karl's V. Deutſchland beſchädigten, ja ſeiner Macht und Einheitlichkeit beraubten.
Wir glauben jetzt in der Politik und im Leben auf einem andern Standpunkte der Ueberzeugung zu ſtehen und weit vorgeſchritten zu ſein; doch Goltz hat leider in Summa nicht Unrecht, wenn er behauptet, daß es mit dem Anders⸗ werden der Menſchen nicht viel zu ſagen hätte. Es iſt wahr: die große Maſſe der Menſchen ändert ſich trotz aller Schickſalswechſel, Schickſalsprügel und Erfahrungen wenig oder gar nicht. Der Stolze und Hochmüthige wird ſelten gedemüthigt und ſchnellt in dem Augeublicke wieder empor, wo der Druck aufhört, der ihn niederhält, wo der Fuß ſeinen Nacken verläßt.
Mit den alten Lagen und Verſuchungen komimen wie⸗ der die alten Mucken, Schrullen, Narrheiten und Laſter hervor. Narren werden nicht klug, und die Eitelkeit füt⸗ tert ſich von der eigenen Schande, ſobald dieſe eine Art von Berühmtheit mit ſich führt. Es geht uns im Grunde Allen, wie der alten franzöſiſchen Ariſtokratie: wir haben — bis zur Schwabenmündigkeit und oft bis zum Greiſenal⸗ ter— nichts vergeſſen und haben nichts gelernt, wenigſtens nichts, das uns beſſer und glücklicher gemacht hätte, oder in Thaten realiſirt worden wäre.
Es gibt viele Menſchen, die mit der Redensart koket⸗ tiren, ſie wären„Andere geworden“, und doch ſind ſie die alten Strohköpfe und nüchternen Seeleu geblieben. Es iſt aber auch bei den Beſten nicht viel von„Andern“ zu ſprechen, falls dieſes ein Beſſeres ſein ſoll. Der Menſch macht allerlei Erfahrungen, aber es bilden ſich bei ihm ſelten neue Organe heraus. Er behält die alten Ideen, aber in abgeblaßter Geſtalt; die alten Gefühle, aber mit weniger Feuer; die alten Sinne, ohne Farbenſpiel und Poeſie. Man wird ein Anderer, das heißt, man ſetzt immer mehr Erde an; man arbeitet den Verſtand immer mehr in's Minutiöſe aus; die plaſtiſchen Bildkräfte wachſen in's Moos. Die Naivetät wird Selbſtſpiegelung, der Heroismus verſchrumpft zur Diplomatie, der Prophetis⸗ mus zur Literaturkritik, und die Weltgeſchichte wird eine Schulphiloſophie. Ebenſo verwandelt ſich die Sprache in eine förmliche Styliſation, und die Charakterenergie kriecht zu Kreuze. Wie aber das Menſchengeſchlecht aus der ob⸗ jectiven Lebensart, aus der Thatkraft in die Nüchternheit, in den Formalismus und Redeverſtand fährt, zu Grammatik und Logik verhext wird: ſo geſchieht es auch den Indivi⸗ duen allzumal.
Wir werden Andere, auch wir Deutſche, das heißt, das Weltbild zeichnet ſich immer correcter in unſern Verſtand; aber die Farben erblaſſen und der Phantaſie fallen die Flügel aus. Aus der Gottesplaſtik in Fleiſch und Bein, aus den Helden und Halbgöttern werden Automaten von Leder, mit Redensarten auf Walzen geſetzt. Wenu es heute großartig hergeht, ſo reißen wir uns das Werz aus dem Leibe und erſtarren zu einer lebendigen Bildſäule der Vernunft. Von der ſüßen, fleiſchigen Frucht bleibt der Stein, der Kern und von dieſem oft nur die Hülſe zurück.
Aber auch die Kerne werden nicht mehr zum Grünen, zum
Dritte Folge. 223
Blühen und Fruchttragen in die Erde geſetzt, ſondern in Scheffeln auf den Culturmühlen des Staates vermahlen, verbacken oder eingemaiſcht und verdeſtillirt; in welchem letzteren Falle das Individuum ſich ſogar zu einem spiri- tus rectificatissimus und als eau de Cologne verwandelt finden kann. Jedenfalls werden heute die that⸗ und bild⸗ kräftigen Leidenſchaften durch den chemiſchen Bildungs⸗ proceß der Geſellſchaft in die Grundfactoren Ideologie und Materialismus zerſetzt. Nämlich in einen legiſchen Enthuſiasmus, in eine ſchulmeiſterliche Schwärmerei für körperliche Ideen, die an vie Stelle der Autoritäten treten ſollen, und dann wieder in die weltbekannte Hingebung an Induſtrie, Chemie und Nationalökonomie, nämlich an Geldgeſchäfte, an bairiſch Bier, Rothwein, Cigarren und Beefſteaks, an communiſtiſch gebildete Exemplare des andern Geſchlechts, und was ſo mehr zum Lebenscomfort, zum Realismus und zu den encyklopädiſchen Naturſtudien gehört.
Daſſelbe läßt ſich auch auf die Politik anwenden, die gleichfalls wie der Menſch mit den Jahren nur mehr abſtract wird, im Begriffe eintrocknet und ſich nicht ⸗verjüu⸗ gen wird, wenn wir nicht vorerſt ſelbſt uns verjüngen.
Hierzu wird aber allerdings mehr und mehr der Weg betreten, wenn wir mit den Fehlern unſerer Geſchichte immer vertrauter werden und die ſchiefen Richtungen be⸗ urtheilen lernen, die ſchon in der Vorzeit eingeſchlagen ſind und unſere ganze Lage ſchwankend und haltlos gemacht haben. Das klare Einſehn ſeiner Mängel iſt allerdings ein Beſſerwerden und in ſofern auch ein Anderswerden.
Dieſes Ziel wird wenigſtens in belletriſtiſcher Bezie⸗ hung nahe gebracht, wenn auch nicht erreicht, durch eine bewegte Schilderung ſolcher Romane, in welchen jene ver⸗ hängnißvollen Schattentänze und Hexengebräue der alten deutſchen Kaiſerzeit gekennzeichnet ſind.
Wenn es, wie in den vorliegenden vier Bänden, mit Wärme geſchieht, kann man dabei manche nothwendige Eigenſchaften des guten Romaus auf Augenblicke vergeſſen, und beſtünden jene ſogar nicht bloß in poetiſcher Geſtal⸗ tungskraft und tiefer Leidenſchaft des Gefühls, ſondern auch in treffender Ausarbeitung der Charaktere und im geiſtigen Gehalt eines lebenswahren Dialogs.
Der Verfaſſer hat mit vielen anerkennenswerthen De⸗ tails das Verhältniß des Moritz von Sachſen zu Karl V. geſchildert und alle Conflicte, welche daraus hervorgingen und der Hauptkataſtrophe voranſchritten.
Recht anſchaulich und terrainkundig iſt die Scene beſchrieben, in welcher Karl V. vor dem ſiegreichen An⸗ dringen des Moritz von Innsbruck flieht und ſich in einer Sänfte über den Brennerpaß nach Sterzing, Brixen und Trient führen läßt, nachdem er dem Kurfürſten Johann Friedrich von Sachſen, dem Freund und Beförderer des großen Malers Lucas Cranach, die Freiheit wiedergegeben. Es iſt recht, daß der Verfaſſer auf jene Momente als auf wichtige, ſcheinbar voin Zufall herbeigeführte Wendepunkte der Geſchichte größeren Fleiß verwandt hat. Auf lange Zeit wäre die Zukunft des Reichs eine andere geworden, wenn es dem muthigen Moritz gelungen wäre, den Kaiſer zu Innsbruck gefangen zu nehmen, und doch hinderte ihn nur die Revolte eines ſeiner Regimenter in Reutte daran,
indem es den ſiegreichen Eilmarſch verzögerte.


