Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
220
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welche zu befehlen gewohnt ſind. Ich gab ihr einen großen blauen Mantel, den ich ihr über die Schultern legte und mit Bändern feſtband, und der ihr bis an die Füße hinab reichte. Ich gab ihr auch einen Spiegel, Glaswaaren verſchiedener Art und mehrere andere Sachen, die ſie ſehr artig aufnahm und die ihr viel Vergnügen machten. Sie bemerkte, daß ich krank ſei, und wies mit dem Finger auf das Ufer. Ich verſtand, daß ſie mir ſagen wollte, ich müßte mich ans Ufer begeben, um mich ganz zu erholen, und ich ſuchte ihr verſtändlich zu machen, daß ich morgen dahin abgehen würde. Als ſie ſich fortbegeben wollte, befahl ich dem Kanonier, ſie zu begleiten, und er folgte ihr bis zu ihrer Wohnung, die er mir als ſehr groß und hübſch gebaut beſchrieb. Er erzählte mir auch, daß ſie viele Wa⸗ chen und Diener habe und in einer geringen Entfernung von dieſem Hauſe noch ein kleineres beſitze, das mit Pa⸗ liſſaden umgeben ſei.

Am 23. Morgens gging ich zum erſten Male ans Land, und bald kam meine Fürſtin oder Königin(denn ſie ſchien königliches Anſehen zu haben) mit einem großen Gefolge zu mir. Da ſie bemerkte, daß mich die Krankheit ſehr abgemattet hatte, befahl ſie ihren Leuten, mich auf die Arme zu nehmen und nicht nur den Fluß hinüber, ſondern ſogar in ihr Haus zu bringen. Denſelben Dienſt erwies man meinem erſten Lieutenant, dem Proviantmeiſter und eini⸗ gen andern von unſern Leuten, die durch Krankheit ſehr geſchwächt waren. Ich hatte einer Abtheilung befohlen, uns als Bedeckung zu folgen. Schaarenweiſe verſammelte ſich das Volk auf unſerm Wege; doch auf einen leichten Wink ihrer Hand, und ohne daß ſie ein Wort ſagte, trat das Volk zurück und ließ uns ungehindert gehen. Als wir zu ihrem Hauſe kamen, erſchienen eine Menge Leute bei⸗ derlei Geſchlechts, ſie ſtellte mir ſie vor, indem ſie durch Zeichen andeutete, daß dieſe ihre Verwandten ſeien, ergriff dann meine Hand und gab ſie ihnen zum Küſſen. Wir traten in das Haus, das einen Raum von 327 Schuh in

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

der Länge und 42 in der Breite einnahm und eigentlich durch ein mit Palmblättern gedecktes Dach gebildet wurde, das auf 39 Pfeiler an jeder Seite und 14 Pfeiler im Mittelpunkte geſtützt wurde. Der höchſte Theil des Daches von innen hatte 30 Schuh in der Höhe, die Flügel des Hauſes aber unter dem Raude des Daches hatten nur 12 und waren offen. Wir hatten kaum Platz genommen, als ſie vier junge Mädchen herbeirief und ſelbſt mit Hand an⸗ legte, mir die Schuhe, Strümpfe und das Kleid auszuzie⸗ hen, und hierauf befahl, mich ganz ſanft mit den Händen zu frottiren. Man that daſſelbe dem Lieutenant und dem Proviantmeiſter, jedoch keinem von denen, die ſich wohl zu befinden ſchienen. Während deſſen nahm unſer Arzt, der ſich im Gehen ſtark erhitzt hatte, ſeine Perrücke ab, um ſich ein wenig abzukühlen. Einer der Indianer, der dieſes ſah, ſtieß einen Schrei darüber aus, und ſogleich war Aller Aufmerkſamkeit auf jenes Wunder gerichtet, und jedes Auge dahin geheftet, ſogar die Mädchen, die mit uns be⸗ ſchäftigt waren, vergaßen ihren Dienſt. Die ganze Ver⸗ ſammlung blieb eine Zeit lang bewegungslos und in ſtum⸗ mes Erſtaunen verſunken, das nicht größer hätte ſein kön⸗ nen, wenn ſie einen unſerer Gefährten ein Glied ſeines Leibes hätten weglegen ſehen. Dann aber ſetzten die Mädchen, die uns frottirten, ihren Dienſt fort und rieben uns ungefähr eine halbe Stunde, wonach ſie uns wieder ankleideten, wobei ſie freilich, wie man leicht glauben kann, ſich etwas linkiſch benahmen. Ich, der Lieutenant und der Proviantmeiſter befanden uns bei der Pflege ganz wohl. Hierauf ließ unſere großmüthige Wirthin einige Ballen Stoffe bringen, woniit ſie mich und alle, die bei mir wa⸗ ren, nach der Sitte des Landes kleidete. Aufangs wider⸗ ſetzte ich mich dieſer Gunſtbezeigung, doch da ich kein Miß⸗ vergnügen über etwas zeigen wollte, das nach ihrer Mei⸗ nung eine Freude machen ſollte, gab ich nach. Als wir Abſchied nahmen, ließ ſie Jedem von uns ein trächtiges Schwein geben und begleitete uns bis zum Schiffe. Sie

Schwerathmigkeit empfohlen iſt. Gewöhnlich bleibt der Arſenik⸗ eſſer auch bei längerem zwanzig bis dreißig Jahre fortgeſetztem Genuſſe geſund, fühlt aber bei geringeren Doſen und zeitweiligem Ausſetzen des Giftes ſogleich eine Schwäche des ganzen Körpers, die ihn unwiderſtehlich zur Fortſetzung antreibt. unverwüſtliche, durch die härteſten Lebenseinflüſſe geſtählte Ge⸗ ſundheit des ſteiriſchen Aelplers einen Panzer gegen den Arſenik bildet und der langſam mit kleinen Doſen beginnende und ſich ſtei⸗ gernde Genuß den Organismus zur Aufnahme größerer Mengen vorbereitet, ſo enden doch gewiß viele Arſenikeſſer mit einem Siechthum ihres ſonſt unverwüſtlichen Körpers. Indeß wird in den eingezogenen Erkundigungen kein Fall der Art aufgeführt. Wir laſſen hier noch einige nähere Angaben über einen con⸗ ſtatirten Arſenikeſſer folgen. Johann M., dreißig Jahre alt, klein, kräftig gebaut, von ſtarken Muskeln, ſeines Gewerbes ein Holz⸗ knecht, war ſtets geſund. Derſelbe ißt Arſenik ſeit zwölf Jahren. Anfangs nahm er ganz kleine Körnchen, ſpäter wöchentlich zwei⸗ mal größere Stückchen. In den erſten Wochen fühlte er eine große Schwäche, welche ſich aber immer nach neuer Einnahme wieder verlor. Nur einmal, als er ein etwa feldbohnengroßes(!) Stück weißen Arſeniks genommen hatte und zwar nach einem gro⸗ ßen Quantum geiſtiger Getränke, fühlte er große Eingenommen⸗ heit des Kopfes. Dieſer Arſenikeſſer verzehrte in Gegenwart des Arztes an zwei Unzen weißen Arſenik in Stücken von 4 ½ bis 5 ½ Gran, nachdem er ſie mit den Zähnen zerknirſcht hatte. Wäh⸗ rend dem er die ihm vorgeſetzten Speiſen mit Appetit, nahm viel geiſtige Getränke zu ſich und entfernte ſich vollkommen wohl am dritten Tage.

Es wird als eine bekannte Thatſache erzählt, daß die Pferde

Obgleich die

bei jahrelangem Arſenikgebrauch fett und muthig werden. Viel Wirthe in Steiermark können es nicht verhüten, daß ihre Diener den Pferden heimlich Arſenik auf's Futter ſtreuen. Ueber die enorme Menge Arſenik, welche ein Pferd ohne nachtheilige Wir⸗ kung vertragen kann, gibt ein direct angeſtellter Verſuch der Thierarzneianſtalt zu Gratz Aufſchluß. Ein vierjähriges Pferd erhielt in dem Zeitraum von 23 Tagen in ſteigenden Gaben, die

am erſten Tag mit fünf Gran begannen und mit hundert Gran

am letzten Tage endeten, fünfhundertfünfundfünfzig Gran, das iſt über zwei Loth. Ja dieſes Pferd, welches eigentlich wegen unheilbarer Fiſteln geopfert werden durfte, wurde durch dieſe Probe faſt ganz geſund, indem die Fiſteln meiſtens heilten. Gegenüber ſolchen Thatſachen dürften unſere bisherigen An⸗ ſichten über giftige Wirkung des Arſeniks beinahe etwas erſchüt⸗ tert werden. Wenn ein Menſch wirklich bohnengroße Stücke Ar⸗ ſenik verträgt, wie dringend muß ein ſolches Factum uns zur höchſten Vorſicht bei gerichtlichen Unterſuchungen, welche kaum bemerkbare Spuren als Grund des Todes bezeichnen, in der Be⸗ urtheilung eines Giftmordes auffordern! Wer kann es wiſſen, ob nicht heimliche Arſenikeſſer auch außer Steiermark häufiger verbreitet ſind, als man glaubt? Sollte die anerkannte Wirkung fortgeſetzten Arſenikgenuſſes auf Fettbildung und glatte, friſche Haut nicht etwa gar ſchon das ſchöne Geſchlecht hin und wieder verführt haben, von den ehrlichen ſteiriſchen Aelplern Toiletten⸗ künſte zu lernen?. 1. Wir fügen dieſen intereſſanten Erörterungen Vogel's hinzu, daß uns ſelbſt mehrmals in den Alpen verſichert worden iſt, es gäbe Frauensperſonen, die, um als ältere Jungfern noch annehmbar zu bleiben und unter die Haube zu kommen, dem Arſenikgenuß