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ausgehen, um die Quartiere zu ordnen. Das für unſere Schwadron beſtimmte Dorf heißt Kloppay.“ Kaum traute ich meinen Ohren. Der Rittmeiſter mochte mir die Ueberraſchung anſehen, fixirte mich ſcharf und ſprach:
„Ich will nicht hoffen, daß Sie kein gutes Gewiſſen haben und beſorgen, daß ich nicht Alles ſo finden würde, wie Sie mir erzählt haben.“
Das fuhr mir hölliſch in die Naſe; mit dem Subordi⸗ nationsverhältniß hatte ich mich immer noch nicht recht ver⸗ traut machen können, obwohl ich in dieſer Beziehung früher ſchon einige traurige Erlebniſſe gehabt und deßhalb recht eindringliche Belehrungen empfangen hatte. Gewitzigt er⸗ widerte ich einige ſcharfe Worte, die der Rittmeiſter jedoch kurz unterbrach, indem er ernſt und ruhig ſprach:
„Vergeſſen Sie ſich nicht, es wird ſich Alles finden, jetzt gehen Sie und treffen Sie Ihre Anſtalten, morgen früh um acht Uhr brechen Sie auf, melden ſich aber vorher noch bei mir.“—.
Ich wandte mich mit einem„zu Befehl“ ſteif militä— riſch und ging. Der Verweis wurmte mich um ſo mehr, als er nicht nur verdient, ſondern mit größter Nachſicht gegeben worden war, und ich zankte ſelbſt mit mir.
Der Rittmeiſter hatte mir die beiden Cameraden be zeichnet, die mich morgen begleiten ſollten, wie ſie es ſchon mehrmals gethan hatten; Adolph war einer von ihnen. Auf meinem Lagerplatz am äußerſten linken Flügel ange⸗ kommen ſandte ich ſogleich meinen Burſchen nach ihm aus, denn auf dem Gange der Schwadron entlang hatte ich ihn nicht erfragen können. während dem hatte ich Zeit genug, über die unerwartete Wendung der Dinge nachzudenken. Anfangs geſchah dies ruhig; ſobald der zunächſt liegende allgemeine Vortheil, nämlich der günſtige Einfluß, den dies auf uns und vor⸗ züglich auf unſere Pferde haben mußte, bedacht war, kam das Specielle an die Reihe, nämlich Kloppay und beſon ders Janka. Aus war's nun mit der Ruhe, und ich gerieth
Uovellen-
Es dauerte lange, ehe er kam, und
Zeitung.
immer mehr in Feuer, je länger ich an ſie dachte. Weiß der Himmel, was für wunderliche Hirngeſpinnſte mir Kreuz und Quer durch den Kopf zogen. und verworren waren ſie genug. Ende feſt und klar in mir, daß das Schickſal gewiß nicht ohne Abſicht mich wieder zu ihr führe, und es waltete kein Zweifel bei mir ob, daß lediglich meiner Liebe wegen dieſes große Cavallerie⸗Manöver ausgeführt werde. Aber war es denn auch wirklich Liebe? Lächerliche Frage, die ich un⸗ bedenklich mit Ja beantwortete. Wozu denn ſonſt alle die großen Anſtalten des Schickſals? Nachgerade war ich denn auch zu der Ueberzeugung gekommen, daß Janka mich eben ſo wieder liebe und daß dieſe Liebe bis zur Raſerei geſtei⸗ gert werden müſſe, wenn ſie erſt alle meine inwendigen
würde, und das kounte gar nicht fehlen. So hatte ich gar bald in meinem Innern ein behagliches Gefühl angefacht, mein Herz pochte wie ein Eiſenhammer, es flimmerte mir grün und gelb vor den Augen, wie ein Trunkener klam⸗ merte ich mich an, um nicht vor Freude in die Luft zu fliegen. In einem halbwachen, tranmähnlichen Zuſtande ſah ich mich in der Kleidung eines böhmiſchen Bauern mit Janka vor dem Altar ſtehen, ich war feſt entſchloſſen, ihr meine ganze Exiſtenz, mein Vaterland, meine Ausſichten zu opfern, ja, es ärgerte mich ordentlich, daß ich einem höheren Stande und einem anderen Glaubensbekenntniß angehörte
meiner Liebe durch ein eclatantes Opfer zu beweiſen. Hef tig ſchreckte mich die Stimnie Adolph's aus meinen Träu men.„Zum Teufel,“ ſ Erſt läßt Du mich durch Deinen Burſchen verfolgen und ſtörſt mich in meinen ſchönſten Betrachtungen, die ich unten in dem Gaſthof von Schönau über das eigentliche Vaterland eines Weins anſtellte, der durchaus vom ſchwar⸗ zen Meere her ſein ſollte, aber nach der Elbe roch; jetzt
Feuilleton.
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Wandernde Romödianten.
In dieſer bunten Sphäre findet der Schatzgräber, wenn er nach charakteriſtiſchen Eigenthümlichkeiten ſucht, unterhaltende Züge zu erbaulicher Schilderung. Als Spott und Stichwort iſt, wenn man von kleinen Theatertruppen ſpricht, die Benennung „Schmiere“ und„Meerſchweinchen“ gebräuchlich, ohne daß es ſich wohl mancher Leſer genau zu deuten vermag.
Schmieren und Meerſchweinchen ſind nämlich ſolche wan⸗ dernde Schauſpielergeſellſchaften, deren Lebenselement nicht die Kunſt, ſondern die ausgeprägteſte Zigeunerwirthſchaft iſt. Mit der Erklärung der beiden Namen wollen wir uns nicht lange auf⸗ halten. Was Schmiere ſagen will, verſteht man ohne etymolo⸗ giſchen Wegweiſer, und was den Namen Meerſchweinchen betrifft, ſo braucht man ſich nur die unſauberen Gewohnheiten der mit ihm bezeichneten Thierchen zu vergegenwärtigen, um es begreiflich zu finden, daß irgend ein Jünger der vergleichenden Seelenkunde ihn auf die wandernden Geſellſchaften übertragen hat.
Unter vielen andern Schrullen hatten die Romantiker auch die, von den Meerſchweinchen die Wiedergeburt der Kunſt zu er⸗ warten.
Sie wurden ganz warm, wenn ſie ſich ausmalten, wie
prächtig Hamlet oder Calderon's ſtandhafter Prinz in einer Scheune oder auf dem Tanzboden einer Dorfſchenke ſich aus⸗ nehmen müßte. Von dem Flitter der Hofbühnen befreit, ſollte die Kunſt in der blanken Natürlichkeit der Wandergeſellſchaften ſich verjüngen. Sie würde da durch ein Schlammbad gegangen ſein. Einen verwöhnten Magen curirt man nicht, wenn man ihn auf eine Diät von gequollenen Erbſen, Speck und Kümmel ſetzt. Ein Bedürfniß der Kunſt, geſchweige denn ein Rettungs⸗ mittel, ſind die Schmieren und Meerſchweinchen nicht, wohl aber ein Bedürfniß der Dörfer abſeits der Eiſenbahnen, der Land⸗ ſtädtchen mit vorwiegender Viehwirthſchaft, und die Genügſam⸗ keit des rohen Haufens iſt es allein, die ihr Elend zu hohen Jahren kommen läßt. 4 4 Jede ſolche Truppe hat ein eiſernes Inventar: den Herrn Direckor und die Frau Directorin. Sehr oft iſt dieſes leitende Paar eine lebendige Empfehlung der Civilehe. Seine beiden Hälften haben ſich zuſammengefunden, ohne einem Geiſtlichen die Mühe einer Trauungsrede und ſich ſelbſt die Koſten des Auf⸗ gebots und der Copulirung zu machen.„Saraſtro hat ſie ge⸗ traut,“ heißt es in der Sprache der Meerſchweinchen von ſolchen Ehegatten. Obgleich der Segen der Kirche ihren Bund nicht
Mannigfaltig Das aber ſtand am
Vortrefflichkeiten und Liebenswürdigkeiten erkannt haben
als ſie, und es beruhigte mich nur, daß in der Beſeitigung der Hinderniſſe ein Mittel für mich lag, ihr die Größe
prach er,„was fällt Dir denn ein?
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—— J [VIII. Jahrg.
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