814
merkte, der mit mir Zeuge war, wie ſich ein junger Mann von guter Familie dadurch den Tod gab, daß er bei Dept⸗ ford ſein Boot, welches er ſelbſt lenkte, abſichtlich vor den Kiel eines im vollen Fluge die Themſe hinabſchießenden Dampfſchiffes ſteuerte, erwiderte er lachend, daß er in ſeinem Leben nur einmal von der Empfehlung eines ſolchen Mittels auf offener Straße gehört zu haben ſich erinnere.
„Der Umherträger,“ fuhr er fort,„der ſich damals erkühnte, ein ſo weſentliches Stück des engliſchen Natio⸗ nalcharakters beſeitigen zu wollen, wurde mit Steinwürfen und faulen Eiern vom Charingeroß⸗Platze vertrieben, und würde ſicher ein Opfer ſeines unerhörten Wagniſſes gewor⸗ den ſein, wenn ihn nicht einige aus der verſammelten Volksmenge ſelbſt für einen Spleenkranken erklärt und ſo gegen die ferneren Angriffe des Pöbels geſchützt hätten.
„England,“ fuhr mein Bekannter fort,„iſt das mäch⸗ tigſte Reich der Welt. Die Menſchen werden hier hoch auf erblichem Piedeſtal geboren. Und welch' ein ungeheu⸗ res Piedeſtal iſt England Pairie oder einer jener Namen, welche ſich hinter der Königin Eliſabeth im grauen Alter⸗ thum verlieren! Welcher Stützpunkt iſt eine engliſche Grafſchaft ſchon unter der Hand eines Kindes, welches eben geboren wurde, oder ein Schloß wie Warwick⸗Caſtle! Wo liegt aber das Mittel, ſich auf dem Gipfel des glatten Marmors zu halten? was hindert das merry old England, der alten, mächtigen Ariſtokratie den Kopf zu zertreten? Ganz allein der Spleen,— tell vyou,“— ſagte er mit ernſter Miene,„der eben ſo forterbt in England, wie jene ſchwindelerregende Größe, die ihren Urſprung aus der Wiege der Monarchie herleitet.“
Mein Begleiter hatte wohl nicht ſo ganz Unrecht. Ich glaube überhaupt, daß es nur noch ein Land in Europa gibt, wo man den Spleen nicht kennt. Das Land heißt — Italien. Da Jeder dort der Natur nach von Adel und alle Menſchen durch die Gnade des Himmels gewiſſer⸗ maßen als Fürſtenkinder geboren werden, ſo hat Italien
den Adel durch die Kuuſt erſetzt. Weil Alles dort ſo arm, ſo gibt es keinen Spleen und die Schönheit iſt an die Stelle des Reichthumes getreten. Nachdem Italien jede Größe, jede Gewalt durchgemacht, iſt es endlich bei der einzigen unvergänglichen Herrſchaft, bei der Herrſchaft der Form und des Gedankens ſtehen geblieben; es hat die Freiheit der Ariſtokratie, welche ihm fehlt, durch die Frei⸗ heit des Künſtlers und durch den höheren Adel des Künſt⸗ lers, die beide unſterblich ſind, vollkommen erſetzt.
Edeles, ſchönes Land, ſo triumphirteſt Du ſelbſt in Deinem Falle! Italien, lachendes Exil der Künſtler! Seht, wie ſie zu Fuße, den Reiſeſtab in der Hand, fort⸗ während über die Alpen pilgern! Der Spleen bleibt am Fuße der hiſtoriſchen Bergrieſen zurück. Sie ziehen dahin, um unter Italiens ſchönem blauen Himmel, beim Flüſtern der Pinien im Albanergebirge, Stufe um Stufe das Ideal zu erringen, von dem ſich Englands erbliche Pairie immer weiter entfernt.
Der Künſtler iſt ein Zugvogel, der unter dem warmen Himmel die menſchlichen Thorheiten vergißt. Italien, Italien! So unerſchöpflich an unvergänglichem Reichthume und Größe. Es iſt die gute Mutter Erde, welche der junge Rieſe berührte, und durch dieſe Berüh⸗ rung neue Kräfte und neuen Muth gewann.
Doch vorwärts, geehrte Leſer! Machen Sie ſelbſt Ihre Reflexionen, wenn etwa meine Gedanken hier dazu die Veranlaſſung geben ſollten. In unſerer Zeit hat die nackte Wirklichkeit das Ideal, die realgewordene Welt die poetiſche getödtet. Und daher kommt es, daß der Spleen auch außerhalb England ſo bedeutende Fortſchritte macht, daß das Publicum, wie das in England der Fall iſt, auch bei uns in nicht allzulanger Zeit einen Jeden mit ſcheelen Augen anſehen wird, der irgend einen Menſchen veryindern⸗ wollte, ſich vor der eigenen Hausthür zu erhängen.—
E. Heuſinger.
berkeit eines moraliſchen Geſchmacks herrſcht, recht bald in jedem Hauſe eine befreundete Stätte finden.— r.
Schiller's und Körner's Freundſchaftsbund. Von Hermann Marggraff. Leipzig, Veit& Comp. 1859. Uunter den vielen Büchern und Broſchüren, welche bei der jüngſt vergangenen feierlichen Gelegenheit über Schiller erſchienen ſind, iſt das vorſtehende eins der vortrefflichſten.
In einer Zeit, wie die unſere, die arm an wahrer, treuer Männerfreundſchaft und reich an ihrem traurigen, ſittenverder⸗ benden Surrogat, der egoiſtiſchen Gefälligkeitsſucht und unreinen Bekanntſchaftsbuhlerei des Coterieweſens iſt, kommt es wie gerufen, dem Umſichgreifen der entarteten modernen Geſinnung einen echten Freundſchaftsbund zu beleuchten, der leider Bewunder⸗ ung erregen muß, während er doch eine gewöhnliche Erſcheinung ſein ſollte.
Marggraff hat in einer literariſch ſehr tactvollen, klaren und ſcharfeingehenden Weiſe das fruchtbare Verhältniß zwiſchen Schiller und Körner und den langjährigen Briefwechſel beider in Erwägung gezogen. Die Geſichtspunkte ſind wahr und zum Theil neu, der Siyl iſt fein in tüchtiger Einfachheit, und ohne die hohe Würde des ethiſch ſchönen Stoffes zu verletzen, ſind treffende Bemerkungen voll angenehmer Bitterke it und wohlthuender Ver⸗ achtung gegen die Mängel und Verderbniſſe unſrer modernen Zuſtände eingeſtreut.
Der beſte Eindruck dieſer Broſchüre beſteht in der Aufrichtig⸗ keit ihres Urtheils, indem der Verfaſſer den geſunden Menſchen⸗
verſtand für zu koſtbar hält, um ihn der blinden Verehrungsſucht für die Schaumünze des hohlen Enthuſiasmus zu verkaufen. Schließlich will ich über dieſe erfreuliche Erſcheinung der Schillerliteratur noch bemerken, daß man bei ihrem von ſo vielen erzählenden Bemerkungen belebten Inhalt irren würde, ſie den trocken wiſſenſchaftlichen Kriterien beizuzählen, während ſie im Gegentheil einen feſſelnden Vortrag als Einleitung zu Schillers Briefwechſel mit Körner bildet. Otto Banck.
Modernes Leben. Sociale Capucinerpredigten über Ebe, Familie, Hageſtolzthum, Geſelligkeit, Luxus, Mode. Von P. Domenico de St. Invention. Leipzig, 1859. Her⸗ mann Fries.
Wir theilen die Anſicht des Verfaſſers, daß in der modernen Ge⸗ ſellſchaft und in ihren Anſchauungen nicht Alles ſo iſt, als es ſein ſollte, und daß es wohlgethan wäre, ihr rückſichtslos die Wahrheit zu ſagen. Doch über die Mittel ſind wir anderer Meinung als der Autor.
Dieſer beſitzt in der That einen kleinen Fond von banalem Humor und ein Talent, die äußere Form der ſogenannten „Capucinerpredigt“ nachzuahmen. Doch das findet ſich häufiger. Eine ſeltene Erſcheinung aber iſt es, daß Jemand glaubt, durch Unflätherei in Sprache und Bildern die Sitten der Menſchen zu verbeſſern. In dieſem traurigen Irrthum befindet ſich unſer „ehrenveſter“ Pater Domenico de St. Invention, der ſo beſchei⸗ den ſein mag, mit auseinander zu gehn, wenn ſein Orden dereinſt aufgelöſt werden ſollte. O. B.
Luth von Theod
„Ende ſchatten Worte e eiſtatiſche die Höhe drängte, muthigen
Jene Schlage Gewitter der mit Blitz un Winken G ſich das W daß es v dunkelte,
wie von?
Sie langte Lu alten hiſt heit und wie ein Worms
Schranke
Wie
v, Ne au ſehen. Wagen ſt ſers war Er
zu Witte Mit eeit
affende
zuverſtc Vor
ock mit
Lang Jug bis
ſic Luth
So ſtieg
An


