Handſchuhe aus und lüftete ihre lilienweißen Arme. Mit den Fingern ihrer weichen Hand ergriff ſie eine harte Schaufel und warf damit lee Erde in einen Schub⸗ karren.— Jetzt hieß es: von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß. Durch die Schminke auf den Wangen perlten rothe Tropfen herab. Aber nichtsdeſtoweniger fuhr ſie eifrig in ihrer Arbeit fort. Mit dem Lächeln der
Selbſtzufriedenheit blickte ſie das Fiſchweib an, welches neben ihr arbeitete, und ihre Kehle ſtimmte mit in den all⸗ gemeinen Geſang: Ca ira, qa ira!
Unter den Arbeiterinnen auf dem Marsfeld zeichnete ſich beſonders die wegen ihrer Schönheit berühmte Mar⸗ quiſe de Grammont aus.— Hier und da erblickte man Hofdamen, welche bereits das funfzigſte Lebensjahr üben⸗ ſchritten. Des Arbeitens und der Hitze ganz ungewohnt, trugen ſie Erde in ihren ſeidenen Schürzen nach dem Hugel, der da aufgerichtet wurde. Fünf bis ſechs Perſo⸗ nen zogen gemeinſchaftlich die mit Erde gefüllten Karren den kunſtlichen, zum Amphitheater beſtimmten Hügel hin⸗ auf. Da erblickte man die verſchiedenartigſten Perſonen neben einander. Der Stutzer und das Fiſchweib, der Kartäuſey und die verdächtigen Schönen von den Boule⸗ vards zur Abendzeit, der Abbé und die Betſchweſtern, der Schornſteinfeger und die„petite maitresse,“— Alle zogen mit ausgeſtreckten Armen gemeinſchaftlich den ſchweren Karren, wo der harte lederne Riemen nicht ſelten die zarte Bruſt eines ſchönen Mädchens drückte. Greiſe, die ſchon lange nicht mehr aus der Stadt gekommen waren, miſchten ſich mit ihren Ehegenoſſinnen in den tummelnden Haufen uhrer Kinder und Kindeskinder; der alte Greis und das zahnloſe Mütterchen warfen mit zitternder Hand eine Schaufel voll Erde in den Karren und rechneten es ſich zur Chre an, bei dem großen Werke der Wiedererneuerung Frankreichs mit gearbeitet zu haben.
Gleichfalls kamen die Einwohner entfernter Dörfer mit kriegeriſcher Muſik herbei. Voran der Schulze des Dor⸗
NRovellen⸗ Seitung.
Ar Zahrg.
fes mit einem breiten dreifarbigen Ordensbande à la nation über der Schulter. Jenſeits des Fluſſes ſtieg die ankommende Schaar in die Boote, während ihnen vom dieſſeitigen Ufer ſchon Freudengeſchrei entgegen ſcholl. Kaum ans Land getreten, wurden ſie von den Pariſern empfangen und im Triumph zur Arbeit geführt.
Aber auch die alten, im Dienſte des Vaterlandes grau⸗ gewordenen und verſtümmelten Invaliden wollten nicht fehlen. Sie erſchienen, und zwar mit dem Aelteſten an ihrer Spitze. Gleich einem Patriarchen mit ſchneeweißem Haar, den Körper mit Narben bedeckt, hinkte er, links ein hölzernes Bein, langſam voran. Sein linker Arm, lange gewohnt, die Flinte zu ſchultern, ſchulterte nunmehr die Schaufel. Hinter ihm folgte ein Anderer von faſt gleichem
Alter, der auf ſeinen Schultern einen faſt lahmen Krieger
truͤg, welcher nicht mehr gehen konnte und dennoch dies Schauſpiel zu ſehen verlangte.— Glaubt nicht, rief der Lahme von den Schultern hernieder, glaubt nicht, daß ich hierher komme, müßig zu ſein, arbeiten kann ich zwar lei⸗ der nicht mehr, aber ich werde mich hinſetzen und indeſſen die Röcke meiner Brüder bewachen, dazu bin ich noch gut genug.
Die ganze Proceſſion dieſer Invaliden hatte etwas außerſt Rührendes. Keiner war ohne Narben, und die meiſten verſtümmelt, aber am rührendſten war es unſtreitig, ſie arbeiten zu ſehen. Diejenigen, denen ein Bein fehlte, füllten den Karren mit beiden Händen. Arbeiter, denen die Hände fehlten, ſpannten ſich an den Karren und zogen denſelben fort.
Im Contraſt mit dieſen ehrwürdigen Greiſen ſtand ein Haufe lebensfriſcher Knaben, welche, den Schulen und Penſionen entlaufen, jauchzend herbei geſprungen kamen. Kurz, alle Geſellſchaften, Zünfte, Hand dwerke, Akademieen und Corporationen ſtellten ſich hier zur Arbeit ein. Alle kamen an mit Fahnen, Trommeln und Pfeifen.— Hier ſtanden die Schüler der Malerakademie; dort die Waſſer⸗
wendet er ſich, überirdiſchem Ruf gehorſam und ziemlich kühl, von ihrem gebrochenen Herzen wieder dahin, woher er kam, zu Glanz und Wonne.
Weit niefer berührt uns die echt deutſche Geſtalt der Elſa, eine an reinen Naturlauten des Herzens und wahrer menſchlicher Empfindung reiche, Euryanthen ahnliche Figur, aber der tragiſche Confliet, dem ſie erliegt, ſteigert unſre Theilnahme nicht. Das Loos, das ihr fur die frauenhafte Neugier wird,„Namen und Art⸗“ ihres Mannes wiſſen zu wollen, ſcheint ungerecht. Das Zauber⸗ weib Ortrud, für deren Beginnen die Morive uns unklar bleiben, und ihr racheerfullter Gemayl Friedrich von Telramund— Seiten⸗ ſtücke zu Eglantine und Lyſtart— ſind die böſen Geiſter der Handlung; aber dieſe ſelbſt laßt uns innerlich zu gleichgültig und unbefriedigt, und die mitielalterlichen Zugaben, das Gottes⸗ urtheil, die Zauberkraft Ortruds, die Attake auf den kleinen Finger Lohengrins(im Titurell wird der Prinzeſſin das Aufeſſen des tleinen Fingers empfohlen), die gaukelhafte Verwandlung des Schwans ln. den Erben von Peabdn. die flatternde Graal⸗ taube, die an des Schwans Stelle des Ritters Bootsführer wird, alle dieſe Dinge Aanen den Lohengrin⸗Sioff keineswegs als das Orama der modernen Gegenwart erſcheinen.
Wohl aber iſt die Einfachheit und poetiſche Nobleſſe des Textes zu loben, der mit Motiven nicht uberladen, keineswegs
darauf ausgeht, auf Effecte zu ſpeculiren, ſondern dieſe, ſowie die tun ſtlendche Verwendung der ſceniſchen Mittel aus dem Inhalt ſelbſt entwickelt. Andererſeits aber iſt der Text in einem rheto⸗ riſchen breiten Pathos befangen und an eigentlich uncomponir⸗ baren Stellen reich. Die Muſik zu
„Lohengrin“ iſt ein Fortſchritt Wag⸗
Klangwirkungen,
ner's in Erreichung ſeines angeſtrebten Ziels; aber— wenn wir nur irgend den Standpunkt ſeines Schaffens berückſichtigen— in gewiſſer Hinſicht auch ein Fortſchritt des denkenden Kuͤnſtlers und Muſikers. Ich finde dieſen in einer innerlichen Vertiefung der Empfindung und charakteriſtiſchen Stimmung, in einer ver⸗ edelzen und von materialiſtiſcher Sinnlichkeit gelauterkeren Inſtru⸗ menfarion, in der Einheit des Styls, in der poetiſchen Weihe der⸗ Conception und in der größern Fülle nelodiſchen und auch im ſich formell abgeſchloſſenen Elements. Das letztere erſcheint zuerſt mit„Elſau in höchſt beſeelter, innig zarter Weiſe, voll poeriſchem Schmelz und Reinheit der Empfindung. wiewohl bemerkt ſet, daß hier wie auch im Verfolg der Oper ein engver⸗ wandter und erinnerungsreicher Anſchluß an Weber’'s„Cury⸗ anthe“ hervortritt. Gleichwohl gehören Elſa’s Geſänge im erſten Act und demnächſt das Erſcheinen Lohengrin'’s mit dem Chore zu den ſchönſten Stucken im Gebiete der romantiſchen Oper. Auch Elſa’'s Arioſo in der zweiten Scene des zweiten Acts ſchließt ſich hier an, der Anfang des Stücks mit Lohengrin im dritten Act, mehrere Chöre, vornehmlich das reizende Hochzeitschor und ein⸗ zelne Arioſoſtellen in Lohengrin’s, Ortrud's und Friedrich's Partien. 3
Da Wagner den muſikaliſch ſelbſtſtändigen Gedankenausdruck und das freie Walten des Geſanges in wechſelvoller Geſtaltung von Arien, Duetten und Enſembleſtücken ſeinem Naturell und ſeinem Syſtem nach möglichſt bei Seite ſetzt, legt er den Schwer⸗ punkt ſeiner Muſik, um die Geſangesrecitation mit Ausdruck und Charakteriſtik zu erfüllen, in die Inſtrumentation. Das inſtru⸗ mentale Colorit, die Miſchung der Tonfarben zu neuen, ſchönen Gefühl und Phantaſie eigenthümlich ſtimmend
Nr. 30
träger, der, Sch ſeuts un Die Auſtritt Dannen. aruten: Chatele dach d ziſchwe Frelde Volk! O ſchwel un de den, Fiſch aber Demn karren aze Arbeit gleitet. S herbe trug abſto ſchme lebe:
1 Kurta wohl! rer loren, Uun a
—
und tro Meiſte Hierſüͤ des Kl zu dre noch e und d Graal die üb hingen elgreif Jarbe⸗ ſeines dingte Nachd dem e alſem tende Paſſ dagle genen Paſ düing Graa poene wie nung


