IIV. Jahrg.
Royellen Zeitung.
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geworden; auf ſeiner Stirn lagen dicke Falten, und Mund
Arbeit, duldete das Geſchwätz der Mitgefangenen, mit de⸗ und Kinn verunzierte ein ſtruppiger grauer Bart. Dieſen
nen ihn ſein Unſtern zuſammenbrachte, ſprach aber mit kei⸗ u 7 ließ ſich der Bergbauer aus Eigenſinn wachſen, weil er ſich
nem ein Wort. 4 So verging ein Monat. Es war tiefer Herbſt gewor⸗ von dem Gefängnißbarbier nicht raſiren laſſen wollte, und den. Schon fror und ſchneite es, und der Aufenthalt im die Erlaubniß, dies ſelbſt thun zu dürfen, nur durch ein
Stockhauſe wurde dem verwöhnten Bauer immer unerträg⸗ Bittſchreiben an den Rath zu erlangen war. licher. Da ward ihm die Ankunft ſeiner Tochter geweldet. Auch Marianne fand der Vater ſeinerſeits verändert.
Das Vaterherz hatte ſich wohl zuweilen nach dem An⸗ Sie ſah nicht mehr ſo fröhlich und harmlos aus wie ehe⸗ blick ſeines Kindes geſehnt, die Art und Weiſe aber, wie er dem. Ihre vollen roſigen Wangen waren etwas eingefal⸗ jedes Mal von Marianne ſprach, wenn Frau Eliſabeth, die len und die erſte Jugendblüthe verſchwunden. Harm und
vochentlich einmal mit ihrem Gatten zuſammen kam, dieſer Sorge um den Vater und deſſen Schickſal erklärten dieſe gedachte, ließ der vorſorglichen Mutter eine Zuſammenkunft Veränderung wohl, den Bauer aber berührte ſie dennoch mmit dem Vater bedenklich erſcheinen. Sie kannte Martin ſehr unangenehm. genug, um zu wiſſen, daß er der Tochter kein freundliches,„Gott Lob, Vater,“ begann Marianne zu plaudern, viel weniger ein aufrichtendes Wort gönnen werde, und wenn„nun geht die ſchwere Zeit bald zu Ende! In vier Wochen ihm auch das Herz dabei blute. Jetzt aber beſtand Ma⸗ iſt Weihnachten, und dann haben wir Euch wieder. Die rianne ſo feſt darauf den Vater zu ſprechen, daß die Mut⸗ Karpfen, die ich Euch dann ſieden will, ſoll'n aber'mal teerr ihrem Drängen nachgeben mußte. Sie hatte des Va- ſchmecken! Ich werd' den Pfefferkuchen nicht ſparen.“ ters hartes Urtheil über Chriſtfried England erfahren;„Denkſt ſchon ans Eſſen, Mädel?“ verſetzte Martin. dieſem zufolge mußte ſie die Hoffnung aufgeben, den Va⸗„Ich mein' manchmal, ich hab's ganz verlernt. Hier gibt's ter je zu erweichen, und dieſe troſtloſe Gewißheit laſtete keinen gedeckten Kirmestiſch, wo Einer gern zulangt. Das ſchwer auf dem Gemüthe des liebenden Mädchens. Ihre Biſſel Gottesgabe, das ſie Einem vorſetzen, iſt weder ge⸗ einzige Hoffnung ſetzte ſie auf ein Geſpräch mit dem Vater ſalzen noch geſchmalzen.“ ohne Zeugen. Er ſeufzte, denn er dachte gleichzeitig an die Geſell⸗ Der Gefangene hatte eben den ſchmählichen Sägebock ſchaft, mit welcher er den Mittagstiſch theilen mußte. verlaſſen und würgte noch an zudringlichen Schmeichelwor⸗„Um ſo beſſer gerad! ſchmeckt's Euch wieder im eige⸗ ten, mit denen Korb⸗Jörge ihn während der Arbeit wieder nen Hauſe,“ fuhr Marianne fort.„Und wie ſich Alle auf Euch freuen, Vater, das kann ich Euch gar nicht ſagen!
überſchüttete. In dieſem Augenblicke, wo er ſich unglaub⸗ b lich gedrückt und tief gedemüthigt fühlte, war ihm der Be⸗
ſuch des langentbehrten Kindes faſt angenehm. Ein ſo liebes Antlitz, deſſen er ſich nicht ſchämen durfte, hatte er za ſeit ſeiner Verhaftung nicht mehr geſehen. vom ganzen Geſinde grüßen.“
Marianne flog halb lachend, halb weinend auf den Va⸗„Dank' ſchön! Werden's auch bei mir bleiben nach der ter zu, der es geſchehen ließ, daß ſie ihn umarmte und Zeit?“ küßte. Dann erſt vegegneten ſich die Blicke Beider. Die„Iſt ſie vorbei, ſo denkt Jeder, er habe einen böſen Tochter fand den Vater ſehr verändert. Er war hagerer Traum gehabt.'s muß wohl auch manchmal ſo'was paſ⸗
Kein Menſch mocht' mehr auf dem Gute ſein, un beit ſchaffte nicht, und Ordnung war auch keine, der hing den Kopf, weil Alle trauerten. Ich ſoll
Das beſiegte Frankreich unterzeichnete den Frieden; die Bour⸗ bons kehrten zurück und die Fremden überſchwemmten Paris, aber
an dem 15. December jedes neuen Winters ſah man in dem Café
V„Auf Ehrenwort?“ „Noch beſſer,— auf Ninons Wort! Nehmen Sie das an 2“ „Ich nehme es an!“ rief der Holländer,„und iſt es nicht in
einem Jahre, ſo iſt es in zwei, drei, zehn Jahren. Aber ich komme.“ Foy, an dem fünften Tiſche links, eine junge Frau in langen Trauerkleidern. Sie blieb lange jung; dann miſchten ſich einige
„Ich auch!“ verſicherte der Engländer. ann miſchten das Ebenholz ihres üppigen Häarks, ire Puders, den ſie ſo
der ſie ſo reizend
Drei Hände ſchlangen ſich in einander, drei herzliche, aufrich⸗ Silberfaden unter tige, vor Aufregung bebende Hände. Eine Stunde darauf beglei⸗ trat der Schnee des Alters an die Stelle des tete Ninon ihre beiden Schützlinge bis vor Paris, und ein Jahr lange auf dem Theater getragen hatte und darauf erſchien ſie allein bei dem Rendezvous. Sie ließ ſich drei kleidete.. Sorbets geben, trank einen und kehrte ſeufzend zurück, indem ſie Endlich, am 15. December des letzwverfloſſenen Jahres, kurz nach Mittag kam ein engliſcher Commodore nach dem Café Foy.
Seine Bruſt war mit Bändern und Kreuzen bedeckt, aber er hatte ein hölzernes Bein und den einen verſtümmelten Arm trug er in der Binde. Er fragte, ob nicht zufällig ein junges Mädchen da
Zu derſelben Stunde umſegelte eine engliſche Corvette das ſei.— In demſelben Augenblicke wollte eine alte Frau, die einen
Vorgebirge der guten Hoffnung mitten unter dem Sturm der ent⸗ feſſelten Elemente. Meer und Himmel waren abſcheulich, der Wind pfiff durch das Tauwerk, wie eben ſo viele an den Planken Sorbet getrunken batte, ſich entfernen.— 4 befeſtigte Schlangen, und dennoch war der wachthabende Officier„Nun,“ ſagte ſie mit bewundernswerther Gutmüthigkeit und ruhig und heiter. reizender Unbefangenheit,„es wird das nächſte Jahr ſein.“
„Vielleicht,“ ſagte er, indem er bei dem Scheine der Blitze Plöbzlich bemerkte ſie den verſtümmelten Seemann, ſtieß⸗ einen nach ſeiner Uhr ſah,„vielleicht denkt ſie jetzt an mich!— O, ich Freudenſchrei aus, ſank ihm vertrauensvoll in die Arme un auch, ich denke an ſie!“ flüſterte:..
In Batavia widmete ſich auf einem Krankenſchiffe ein junger„Du biſt es!— Ich liebe Dich noch immer!“ Schiffslieutenant mit heldenmüthiger Aufopferung den zahlrei⸗„Ich auch!“ entgegnete der Commodore mit herzlicher
. 8 chen Opfern einer Exidemie. Als der eiſerne Zeiger der alten eit. V Jetzt ſind ſie verheirathet und ſtehen im Begriffe nach dei
V ſagte: V„Für das nächſte Jahr alſo!“
Natur⸗
lichk Schiffsuhr auf Mittag an dem Meridian von Paris deutete, un⸗ 1 terdrückte er einen Seufzer und flüſterte: Texel zu reiſen, wo ſeit funfzig Jahren ihr Freund begraben liegt „Ninon, ich liebe Dich noch immer!⸗ der im Jahre 1806 als ein Opfer der Aufopferung fuͤr die Kran⸗ Das nächſte Jahr kehrte das junge Mädchen zu der beſtimm⸗ ken ſeiner Fregatte gefallen war. 6 ven Stunde nach dem Café Foy zurück— wieder allein!
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