Wenn
alsbald wieder aufraffte und mit der Bemerkung:„ an
Alle den Kopf verlieren, will ich ihn doch behalten,“ dem Schmerzenslager des Geliebten wachte. Nach acht Tagen ſchon erklärte der Arzt den jungen England außer Gefahr. Eine Woche ſpäter geſtattete er eein Verhör deſſelben. Es konnte Chriſtfried nicht in den Sinn kommen, die unglückliche That Ulrich's durch erſchwerende Ausſagen in V eein gehäſſiges Licht zu ſtellen. Er beſtätigte unaufgefor⸗ dert das wiederholt ausgeſprochene Wort des Bergbauers, der jähzornige Mann habe in dem Wahne, einen der ver⸗ haaßten Felddiebe, auf die er ſchon Nächte lang vergebens gelauert, vor ſich zu haben, den unglücklichen Schuß abge⸗ feuert. Gleichzeitig klagte ſich der junge Mann auch ſchwe⸗ ren Leichtſinns an und nahm damit einen Theil der Schuld auf ſich ſelbſt. Aus reinem Uebermuth und— wie er ſich ausdrückte— um dem eigenſinnigen Bauer, der ſein Herz gefliſſentlich mit Füßen trat, einen Tort anzuthun, habe er ſich an die Puppe geſchlichen, eine Garbe herausgenommen und dadurch den nickenden Bergbauer glauben machen, ein Dieb ſei eben dabei Hand an ſein Eigenthum zu legen. Auch den drohenden Ruf Ulrich's hatte Chriſtfried ſehr woohl gehört, darauf ſtehen bleiben oder Antwort geben aber konnte er nicht, ohne ſich zu verrathen. Hätte der heftige Mann ihn erkannt, ſo würde ein Fauſtkampf kaum zu umgehen geweſen ſei, denn Martin Ulrich pflegte im Schlimmen wie im Guten ſtets Wort zu halten.
Dieſe Ausſage ſprach ſehr zu des Gefangenen Gunſten und ließ die unglückliche That in viel milderem Lichte er⸗ ſccheinen. Man hatte es weder mit einem prämeditirten Mord- aangriffe zu thun, noch lag eine Handlung der Rache vor. Ddie heftige Gemüthsart des Bergbauers hatte ihn offen⸗ bar zu unüberlegtem Thun fortgeriſſen, das er jetzt wahr⸗
ſcheinlich gern ungeſchehen gemacht hätte.
Sein Inneres enthüllte übrigens Martin Ulrich Nie⸗ mand. Mochte er immerhin Reue fühlen über das von ihm
Novellen⸗-Zeitu
E
ng. 1
angerichtete Unglück, eine Aeußerung, welche dies Gefühl kund gegeben, kam nicht über ſeine Lippen. In den Ver⸗ hören blieb er ſtreng bei ſeiner erſten Ausſage. Als man von ihm erfahren wollte, ob nicht ein heimlicher Rachedurſt ihn geleitet habe, wie er auf den jungen England ange⸗ legt, vergaß er bei einem Haar, wem er gegenüber ſtand. Er beſann ſich aber doch, ſchluckte den Zorn hinunter und ſagte beleidigt:.
„Ich wußte nicht, wer ſo geſchwind auskratzte, und vermeinte einen Dieb vor mir zu haben. Des Nachbars
Sohn hätte ich durchgewalkt.“
Eine zweite Frage, die ſich auf das von dem Bauer nicht gebilligte Verhältniß zwiſchen deſſen Tochter und dem Verwundeten bezog, machte Martin Ulrich erröthen.
„Davon will ich nichts hören,“ gab er abwehrend zur Antwort. Ruhiges Zureden auch Seitens des Stadtrich⸗ ters, der ihm ſein Unrecht vorhielt, blieben erfolglos. Mehrmalige Wiederholung deſſelben vermehrte nur ſeine Starrheit.
„Ich denk',“ ſagte er in möglichſt unehrerbietigem Tone,„das Mädel iſt mein Kind, und wenn mir's nicht gefällt ſie dem erſten beſten Jungen, den ihr Auge hübſch
findet, zu geben und das halbe Viertel alter Silberthaler
dazu, das ich ihr in die Schürze ſchütten kann, wenn ich ſie aus dem Brod haben will, ſo hat ein hochpreisliches Gericht ſich in dieſe Sache nicht zu miſchen.“
Man mußte von dem Plane abſtehen, den Eigenſinn
des zähen Bauers zu brechen. Aus allen Aeußerungen deſſelben ging hervor, daß er keinen Trieb in ſich fühle, dem jungen England verſöhnend die Hand zu reichen. Sobald er erfahren hatte, der Verwundete ſei außer Ge⸗ fahr, erkundigte er ſich mit keiner Sylbe mehr nach ihm. Er ſprach ungenirt von einem Schmerzengelde, das er dem Burſchen zu zahlen bereit ſei, und ließ nicht undeutlich merken, daß er die„dumme Geſchichte“ nun bald in Ord⸗ nung gebracht wünſche.
Ein Romanſtoff.
Am 15. December 1805 ſaßen zwei Seecadetten im Palais⸗ Royal mit einer jungen Dame bei Tiſche. Das Mädchen war ſechzehn bis ſiebzehn Jahr alt, hatte ein munteres, geutreiches Geſicht, eine Taille wie eing Wespe, eine Hand wie ein Kind und einen kleinen, zierlichen Fuͤß. Die Mahlzeit nahete ihtem Ende,
hatten, forderten Karten, welche die hübſche und anmuthige Wir⸗
für ihr Vergnügen zu ſein ſchien.
„Hören Sie, Ninon,“ ſagte; dt der jüngere der beiden Ca⸗ detten,„wir kennen uns nog ſchon zwölf⸗ Stunden, die zwölf Stunden, ſeit denen wir Ibre Gefangenen ſind.“
„Beklagen Sie ſich darüber, mein würdiger Holländer?“ ſagte die liebliche kleine Perſon und begleitete ihre Frag mit dem anmuthigſten Lächein.
„Im Gegentheil— ich bin erfreut, entzückt, aber— ganz verteufelt verliebt!“
Feuilleton.
n
„Das Wahre kann zuweilen ſehr unwahrſcheinlich ſein.“
und die beiden Cadetten, welche reichliche Libationen gehalten
thin ihnen mit einem Eifer überreichte, der ein günſtiges Zeichen
„Ich auch!“ ſagte der zweite Cadett, ein Sohn des ſtolzen Albion.
„Nun, deſto beſſer und deſto ſchlimmer.“
„Warum deſto ſchlimmer?“
„Weil, wenn Sie in mich verliebt ſind, wie ich vermuthe,
Ihnen das nicht viel nützen würde.“
„Warum? frage ich nochmals,“ ſagte der Holländer; ich wil
das wiſſen.“
„Ich auch!“ fügte ſein College hinzu.
„Sie wollen— Sie wollen?“ ſagte Ninon lachend.„Und
wenn ich nun nicht will? Ich denke, ich habe bei der Entſcheidung
auch eine Stimme.— Hier alſo in zwei Worten die Geſchichte
unſeres Tages. Dieſen Morgen ſollten zwei junge, brave, eleganke Cavaliere— denn Sie ſind das Alles, meine Herren— wegen
irgend eines mir unbekannten Grundes arretirt werden; da be⸗
merkten ſie an einem Fenſter ein Frauengeſicht und eine Hand, die ihnen, um ſie aus der Verlegenheit zu ziehen, ein Zeichen gab hee. aufzukommen. Sie ſprangen in einen dunkeln Gang, kletterten am Ende deſſelben die Stufen einer ſteilen Treppe hinauf und ge⸗ langten—“
5
[IV. Jahrg.
N. D Einve lich ei och, ihn a lich Stoe jedoch fach einer Geldſ ihn ü dem§ ſchicke die zu gleich, auf eit für T konnte wähler fangen N dig w ben. varire Tiſch als B mit de
mehr d
20 gebe ten
Augen
8 ſchage
.„ winnt
8„ Sie ni


