weichen, oder irgend
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Novellen-
Martin Aklrich.
Eine Erzählung aus der Ober⸗Lauſitz
von
Ernſt Willkomm.
(Schluß.)
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Der unglückliche Schuß des reichen Bergbauers machte in weiten Kreiſen das größte Aufſehen. Für Martin Ul⸗ rich lagen die Sachen ſchlimm. Seine Feinde, deren er nicht gar zu wenige beſaß, ſprachen ziemlich unverhohlen von einem voraus überlegten Verbrechen. Es war Nie⸗ mand ein Geheimniß, daß der ſtolze Bauer dem Sohne des Nachbars mit vieldeutigen Worten Böſes angedroht und daß er geſchworen hatte, er wolle lieber untergehen oder zum Bettler werden, als dem Gärtnersjungen ſeine einzige Tochter zum Weibe geben. Andererſeits kannte das ganze Dorf die innige und aufrichtig gemeinte Liebe der beiden jungen Leute. Je ſeltner derartige Herzensneigungen unter Landleuten vorkommen, deſto wärmer war die Theilnahme Aller an dieſem Verhältniſſe. Es gab ſelbſt unter älteren Perſonen kaum Einen, der nicht die Partie der Liebenden ergriffen hätte. Jeder wünſchte, es möge den jungen Leu⸗ lten gelingen, den harten Sinn des Vaters entweder zu er⸗ 3 ein Zufall dieſen zu Aenderung ſeiner Anſichten, zu Ablegung ſeines grenzenloſen Bauernſtolzes weranlaſſen.
Nun lag der hoffnungsvolle, geſundheitſtrotzende Jüng⸗ ling beſinnungslos im Elternhauſe. Der Schuß Martin Wlrich's hatte das Rückgrat ſchwer verwundet; ein paar der groben Schrotkörner, womit das alte Gewehr über⸗ ſtark geladen war, ſaßen tief in der linken Seite und in der Achſelhöhle. Der ſtarke Blutverluſt, den nur eine ſehr fräftige Natur überdauern konnte, machte die an ſich nicht eebensgefährlichen Verletzungen doppelt bedenklich. Es sonnte für ein halbes Wunder gelten, daß der ſchwer Ver⸗ wundete ſich ohne Hülfe eines Anderen beinahe eine Vier⸗ nelſtunde weit heim zu ſchleppen vermochte. Die Blutſpur om Schauplatze der That bis in den Hof des Gärtners war Tage lang ein Gegenſtand neugieriger und gloſſiren⸗ der Beſucher. Gegen drei Uhr Morgens machte der ältere England Anzeige von dem Geſchehenen, worauf der Rich⸗ eer in Begleitung einiger Gerichtsleute ſogleich aufs Feld!
Dritte folge.
Zeitung.
eilte und hier die Flinte des Bergbauers als corpus delicti aufhob.
Martin Ulrich ſaß als Gefangener in dem Privatcabi⸗
V net des ihm befreundeten und ſogar verwandten Richters. Feſſeln hatte man dem ohnehin niedergeſchlagenen Manne nicht angelegt, da er durchaus keinen Verſuch machte, ſich durch die Flucht der Strafe zu entziehen. Das Unglück hatte aber den Hochmuth und den Eigenſinn Martin Ul⸗ rich's noch nicht gebrochen. Als Richter Elias ihn fragte, ob er den armen Menſchen, der durch ſein jähes Handeln ums Leben kommen könne, nicht ſehen, ihn nicht um Ver⸗ zeihung ſeiner Schuld bitten wolle, preßte er die Lippen ſo
feſt zuſammen, daß ſie faſt ganz verſchwanden, und dem
Fragenden einen finſtern Blick zuwerfend, ſchüttelte er hef⸗ tig den Kopf.
„Demüthige Dich, Martin,“ redete Richter Elias dem Unerbittlichen zu.„Es fällt itzund viel Unglück auf ein⸗ mal vor Deine Thür, und'siſt partout nicht unmöglich, daß Dir die paar Loth alberner Weiſe verplatztes Pulver
Dein ganzes ſchönes Gut und die Ehre noch dazu koſten können. Ein Biſſel klein beigegeben in Zeiten iſt alſo wohl das Klügſte, was Du thun kannſt. Bedenke, Martin, was Du Alles zu verantworten haſt! Stirbt der Chriſtfried, ſo heißt Dich das ganze Dorf ſeinen Mörder! Du haſt von Glück zu ſagen, wenn Du mit fünf oder ſechs Jahr Zuchthaus freikommſt. Derweilen freſſen die Proceßkoſten
Dein ganzes Vermögen auf, und wenn Deine Marianne
— daß Gott erbarm'— nicht ins Waſſer ſpringt oder gar den Verſtand verliert, viel' Freuden auf Erden wird ſie auch nicht mehr haben. Man möcht' dem armen Dinge
beinahe wünſchen, daß ſie ſich am Sarge ihres Liebſten geſchwind zu Tode flenne! Nun, und Deine Frau, was ſoll die anfangen? Martin, Martin, Du haſt wacker viel dummes Zeug angericht't mit Deinem ſchlechten Schieß⸗ prügel!“
Martin Ulrich hörte dieſe gerechten Vorwürfe in dum⸗ pfem Schweigen an, zu einem Beſuche des Verwundeten aber war er nicht zu bewegen.
„Ich dacht','s wär' ein Dieb,“ gab er ein paar Mal zur Antwort.„Warum denn gab er keine Antwort, als ich ihn anrief?“
Ein Verhör mit dem Verwundeten konnte nicht ange⸗ ſtellt werden, weil er zu ſchwach war. Man wußte alſo auch nicht, was dem Schuſſe des Bergbauers vorangegan⸗ gen und ob dieſer nicht gereizt worden war.
Das gerichtsärztliche Gutachten lautete zum Glück troſtreicher, als man erwartet hatte. Unter großem Zu⸗ drange genoß der Schwerkranke das Abendmahl. Bald darauf fiel er in ruhigen Schlaf, worauf Marianne ſich


