Der Rabe von Culmſee.
Zu Culmſee in dem Kloſter waltet ſtille
Ein junger Mönch; ſein Trachten und ſein Wille Lebt nur in Gott und ſeiner Creatur.
Der hat ſich einen Raben aufgezogen
Und iſt zu allen Stunden ihm gewogen,
In ſeiner Zelle, wie in Wald und Flur.
Und iſt Robertus traurig, iſt er heiter,
Der Rabe bleibt ſein freundlicher Begleiter, Der weiß um Alles, was der Prieſter thut. Wenn die Gedanken von den Lippen brechen, Vernimmt den Mönch er mit ſich ſelber ſprechen Und merkt ſich Manches, was er hörte, gut.—
Nun kriegten wobl die Raben einen Braten, Den tüchtigen, ſchmeerbäuchigen Prälaten, Und wahrlich ihr Geſchlecht verdient den Schmaus!
Herr Siegfried aber war gar hold dem Raben,
Hat ſich ſein Bild ins Schlachtſchwert eingegraben, Und Pobert nahm das Kreuz, blieb fromm und recht, Im Orden Gott getreu bis an ſein Ende.
Noch bringt ein Körnchen Wahrheit die Legende: Was Raben krächzen, iſt nicht immer ſchlecht!
Ein Scheffel gerſte.
„Herr Kaiſer! vorüber ſind Kampf und Schlacht, Nun ſeid auch die Wunden zu heilen bedacht!
39 Fet in Marienburger enatgle Als Schild hat gedient Euch an jeglicher Stell: Und hatten Culmſer Mönche mit zu Gaſt. Mein Arm und mein pures, lebendiges Fell. Siegfried von Feuchtwangen, des Ordens Meiſter 3. 44 TIEIl, D 8.— 1 Da ſeht— Hand, Trinkt zu dem Abt, der ſonſt, ein Kugelfeiſter, Dſebrrin wdahs Hide au Felder im Land! un Die volle Kanne nicht ſo leicht verpaßt. Und geht es dann wieder zu Kampf und Soplaht uah 3.— Es ſt ſall i T ei Nacht!“— ch Verehrend trägt Robertus in der Seele Es ſteht der Baſall Euch bei Tag und bei h von Des Siegfried Bild, des Meiſters ohne Fehle; in in tapferer Held Der iſt mit Palm und Schwert ein Gottesbeld, zi de eine dehagr diee meiaſeneede 4 man Der kühn zerſtört der Heiden Opferhaine, Der Kaiſer Henricus, der Vierte, ihn frägt, Nach Den Orden hob zu leuchtendem Vereine, In Gnaden des Ritters Begehren erwägt. daß Als ein Exempel jener Sündenwelt!— t zum 1 0 „.— r Kaiſer! ſo vie in Scheffel Getreid“ Wie fröhlich auch die Stunden heute ſchwinden, Derr Kaiſer ewielenueein Scheffeeu 3 Toch Robertus kann ein Bangen nicht verwinden, Mein Kämpe! beſcheiden iſt dein Begehr dor Er weiß: der Abt hier nur Verderben ſinnt. Ich fürchte, zu bald iſt dein Scheffel leer 2,7, jung Sein Rabe hüpft, der Tafel zum Ergötzen, 2 5. Land Bald hier, bald dort, und ſchwatzt in kurzen Sätzen, N Ratter S 8 Doeoſdne 6,1, de fut Da langet der Ritter den Scheffel hervor, Aller Indeß der Abend ſeine Nebel ſpinnt. Mit Gerſte gefüllt, und reitet durch's Thor, der 24 ,. 65 Und reitet behäglich wohl manche Stund'’, Ganz unbemerkt träuft in des Meiſters Becher azut f ie Wer. f SPeilen j ergr Der Abt ein Tränklein jetzt, und als ein Zecher, Läßt fallen die Körner auf Meilen im Rund. un deriene zie uenden efe Sehe vas d der ite ven Bueenang uas. Ni p„ irde 7 Er zieht mit der Gerſte'nen mächtigen Kreis; Anf Und Alle folgen dem hochwürdigen Gaſte, Juſt dampfet die Erde, vom Regen noch feucht J Und laut erhebet ſich der volle Kreis. Und bringet zum Keimen den Samen gar leicht.— vera Vor Siegfried geht der Rabe juſt ſpazieren— 5 Laiſer!& in Feld beſä 2 3 4 85 H 9 0 ät, dar Kefen ſaunn Mand ler Rehfägre Fe deiſs eheaur r ſenbeſhte. un Da ſchreit der Vogel, daß es gellt im Saal: So frägt ſich dei Heinrich der Kriegsbeld an lri „Trau nicht dem Abt!“ und krächzt dabei ſo bange, Und neugierig fol tet der Kaiſer dem Mann 2 der „Trau nicht dem Abt!“ und krächzt dabei ſo lange, gierig folg. den rrau nicht den Abrie und krächzt gun driten Mal⸗„Eil fragſt du, wie uns dein Acker gefäll⸗ Sn de 5 8— ſt's mit dem Scheffe z prächtig beſtellt, af Der Becher ſinkt dem Ritter aus den Händen, Tru, Haſtdn en heflee dahrht. V kräf Und von der Tafel weißen Marmorwänden Nun, fürchte nichts, Ritter, ein Kaiſerwort wiegt! leben Fließt dunkelroth der Wein, ſonſt goldgeklärt. 2 2e 2— konn Und aus des Abt's verworren wüſten Blicken Dei; Pr t; w Unn tnarelnd aahre Eanint lnen nten Seedeede fnee ens nnehef en Und wild ſtößt er in ſeine Bruſt ein Schwert.— Das hier iſt des Manns Feld, ſein erbliches Land, n 8 sfeld, ſo ſei es fü 14 A Da prieſen laut den Herrn die Tempelritter, Und Mannsfeld, ſo ſei es auch fürder benannt ar Der abgelenkt dies tödtliche Gewitter, l der; Dann warfen ſie den Abt zum Wald binaus. a En an 9 Balladen und Romanzen von R. Hirſch. Erſter Theil. Dritte Auflage. Wien. Verlag von E. Hügel. 1858. ter i


