Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
367
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Dritte Folge.

Literariſche Beſprechungen.

Literariſches Taſchenbuch der Deutſchen in gußland. Herausgegeben von Jegör von Sivers. giga, Verlag von N. Kymmel.(Leipzig bei Carl B. Lorck) 1858.

Wir leben in einer neuen Zeit des Meiſtergeſanges. Die Poeſie iſt nicht mehr Vorzug und Vorrecht einzelner Juserwählter; die allgemeine Bildung iſt der Kunſt des Geſanges Meiſter geworden. Was die Dichtung intenſiv willeicht verloren, hat ſie extenſiv gewonnen. Das einige oſer uneinige deutſche Vaterland, ſo weit die deutſche Zunge reicht, hat nicht mehr nöthig an einer einzigen Lite⸗ ritur, einer einzigen Schule, einem einzigen gemeinſamen Geiſtesleben Genüge zu ſuchen; heutzutage ſind wir glück liſer: wir haben ein Dutzend Literaturen, ein Dutzend Schulen, ein Dutzend höchſte Gipfelpunkte der geiſtigen Cntwicklung. Wir zählten neulich bei Gelegenheit der bihmiſchen Albums einzelne der hauptſächlichſten Provin⸗ 5e unſerer gegenwärtigen provinziellen Poeſie auf; das vor⸗ igende Taſchenbuch peranlaßt uns, dieſen die Provinz der Dutſchen in Rußland hinzuzufügen. Vielleicht iſt jene Dcentraliſirung öffentlichen Wirkens ein Glück, denn je⸗ enfalls hat ſie eine enorme Zunahme in der Anfertigung uſ Veröffentlichung poetiſcher Producte herbeigeführt; ſalte aber irgend Jemand aus irgend welchen ungerecht⸗ ſctigten oder gerechtfertigten Gründen in ſolcher Zerſplit⸗ eeumg und Zunahme eine Benachtheiligung unſerer natio⸗ uen Würde ſehen, ſo würden an dem Vorwurf dieſer Be⸗

ihtheiligung diejenigen Deutſchen am allerwenigſten par⸗ öiren, die außerhalb unſeres beneidenswerthen bundes⸗ eutlichen Verbandes, an fremdländiſche politiſche Be⸗ bhungen gebunden, dennoch Intereſſe und Kraft darein hen, aus den Ueberlieferungen unſerer großen Literatur⸗ enche Stoff und Formen für einen ſelbſtſtändigen, ſelbſt⸗ Stigen künſtleriſchen Cultus zu gewinnen. Die deutſche atratur, auch der Gegenwart, hat jenſeits der geſperrten Sunze ſtets ſo viel Theilnahme und rege Anerkennung ge⸗ eden, daß ſchon das Gefühl der Dankbarkeit und der ge⸗ eſtitigen gaſtfreundſchaftlichen Verpflichtung uns veran⸗ lrſen muß die Zuſendung einesliterariſchen Taſchen⸗ 1ſahis der Deutſchen in Rußland mit dem aufrichtigſten arn wärmſten Willkommen aufzunehmen.

Segör von Sivers, der Herausgeber deſſelben, früher atſMitarbeiter dieſes Blattes, iſt dem deutſchen Publi⸗ en durch mannigfache journaliſtiſche Arbeiten, wie Reiſe⸗ ſſszen und Ueberſetzungen aus der beſten ruſſiſchen Lite⸗ uſtut, namentlich auch durch ſeine DichtungenPalmen

un Birken(Leipzig, J. J. Weber, zweite Auflage) vor⸗

t ellaft bekannt. Ruſſe von Geburt er iſt Gutsbe⸗

ſſstm Liefland hatte er früher ſchon der Pflege deutſcher

Jafit in ſeinem Vaterlande ſeine Aufmerkſamkeit und Uieſſtützung gewidmet; er veröffentlichte vor einigen Jah⸗

rn, Deutſche Dichter in Rußland, Studien zur Literatur⸗

gftihte. Als Fortſetzung und Ergänzung dieſes Wer⸗ kſs fenn das neue Taſchenbuch gelten.

V

Es wird uns hier

Dichter und Dichterinnen ausführlich einzugehen; nur Ein⸗ zelnes hervorzuheben muß genügen.

Die Galanterie gebietet uns dem ſchönen Geſchlechte den Vortritt zu geſtatten. Dürfen wir aus dem Verhält⸗ niß dieſes Buches auf den Bildungszuſtand der ſchönen Deutſchruſſinnen im Allgemeinen ſchließen, ſo müſſen wir ſie für ſehr gut erzogen halten, denn ſie ſcheinen ſehr wenig zu dichten. Wo wäre bei uns eine ſolche Proportion mög⸗ lich: unter vierzig Dichtern nur eine Dichterin! Und dieſe gehört nicht einmal zum eigentlich ſchönen Geſchlechte, d. h. nicht zum nur ſchönen Geſchlechte; ſie iſt eine akademiſche Dame, die Frau eines Profeſſors, man wird ihr das Dich⸗ ten verzeihen können namentlich auch deshalb, weil ſie Talent hat. Die drei Gedichte von Minna Mädler, geb. Witte, Gattin des berühmten Aſtronomen in Dorpat, of⸗ fenbaren Phantaſie, Formtalent und beſonders auch einen recht anmuthigen Humor.

Wir laſſen zunächſt die Erwähnung der proſaiſchen Mittheilungen folgen. Profeſſor Mädler ſelbſt, der Gatte der eben Genannten, veröffentlicht einen Aufſatz überdie kleinen Planeten. Bei dem Namen des Verfaſſers läßt ſich erwarten, daß er Wichtiges und Neues enthält. A. v. Sternberg hat aus Dresden die Lebensſkizzeeines Künſt⸗ lers in den deutſch⸗ruſſiſchen Oſtſee⸗Provinzen eingeſandt; ſie gilt einem verſtorbenen eſthländiſchen Maler Ludwig v. Maydell. Wir finden von Max Gregor Cambecg die Schil⸗ derung von Hochzeiten der Morduinen und Tſchuwaſchen, finniſcher Volksſtämme im Kaſan'ſchen, ferner vom Heraus⸗ geber eine Skizze: der Urwald an den Küſten Centralame⸗ rikas, von F. J. Wiedemann einen Vortrag: muſikaliſche Effectmittel und Tonmalerei, von Friedrich Kreutzwald zwei eſthniſche Volksmärchen, von Dr. Tiling eine Vorle⸗ ſung über die Bewohner des Meeres, eine andere über die beiden erſten Blüthezeiten der deutſchen Poeſie von Clemens Friedrich Meyer v. Waldeck, einem ſchon von uns erwähnten Lyriker(Aus dem Gedenkbuche eines Bergmannes, Leip⸗ zig und Mitau, 1854), Redacteur der akademiſchen Peters⸗ burger Zeitung.

Umfangreicher als alle dieſe Sachen iſt von Gerhard SchwagerAdo und Ello, eine Dorfgeſchichte aus Eſth⸗ land, die namentlich der eingehenden Schilderungen aus dem Volksleben wegen intereſſant iſt. Die Fabel ſelbſt iſt ſehr einfach; ſie beruht auf den tragiſchen Conflicten, die durch die militäriſche Conſcription hervorgerufen werden:

der Soldat, der ausgehoben wird, iſt zwanzig Jahre dienſtpflichtig, oft 3000 Werſte weit wird er von den Sei⸗ nigen entfernt; wenn er endlich frei gegeben wird, will oder kann er nicht mehr zurückkehren. So iſt der Abſchied des Rekruten ein Abſchied auf Niewiederſehen. Ado, ein Bauersſohn, heirathet Ello, weil er als einziger Sohn ſich von der Conſcription ausgenommen glauben darf, nachdem ſein Vater ihr ſchon drei Söhne geopfert hat. Doch Mangel an dienſtfertigen Mannen zwingt den Gutsherrn endlich auch ihn zu ſtellen. Die Trennung von der hülflos ver⸗

nattrich nicht möglich ſein auf alle Gaben ſeiner vierzig laſſenen Gattin und ihren Kinder iſt eine Trennung wie im