Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
374
Einzelbild herunterladen

lange Geſpräche zu führen. Ihm ſchien das die allerun⸗ zweckmäßigſte Zeit für Unterhaltungen zu ſein. Er ant⸗ wortete daher ſeiner Frau nur wenig, hob jedoch hervor, daß Marianne nicht auf ſeinen Wunſch oder gar Befehl zu Hauſe geblieben ſei, ſondern aus freien Stücken.

Mit aller Gewalt, ſchloß er ſeine kurze Erwiderung, werde ich das Mädel doch nicht unter die Kerle jagen ſollen? Das ſähe curios aus. Wenn ſie die Füße kribbeln, wird ſie ungeheißen zum Tanze laufen, und daß ich ſie nicht anbinde, weißt Du. Alſo laß mich in Ruhe!

Martin legte ſich aufs Ohr und ſchloß die Augen, der Schlaf aber wollte ihn nicht beſuchene Dien Vorwürfe ſeiner Frau hatten ihn mehr aufgeregt, als er vermuthete. Er mußte immer wieder an Marianne denken, und wenn er dann für ſein einziges Kind den jungen Mann auswählte, den er am liebſten als Schwiegerſohn begrüßt hätte, fühlte er ſein Herz in gar beunruhigender Weiſe klopfen.

Frau Eliſabeth ſchlummerte längſt. Martin aber warf ſich von einer Seite auf die andere, ohne die er⸗ wünſchte Ruhe finden zu können. Zum Ueberfluſſe erhob ſich jetzt auch noch der Wind, bewegte die nicht eingeklinkte Hofthür knarrend in den Angeln und ſchlug die Aeſte der Fliederbäume gegen Wand und Fenſter. Er hörte jeden Perpendikelſchlag der Wanduhr im Cabinet, und zweimal zählte er auch den Stundenſchlag. Endlich beſiel ihn je⸗ ner Zuſtand, der zwiſchen Schlaf und Wachen in der Mitte liegt und einem unklaren Träumen ähnelt. Da weckte den Bauer ein Laut, der unmöglich vom Winde herrühren konnte. Es war ihm, als habe ſich eins der Kumte be⸗ wegt, die auf der Vorbühne an großen Holzpflöcken reihen⸗ weiſe neben einander hingen, und die Meſſingbleche, mit denen alle verziert waren, klirrten zuſammen.

Martin ſaß auf der Stelle aufgerichtet im Bett. Sein Gehör war ſcharf er vernahm in der That noch das Klirren der Bleche. Was konnte das ſein? Hatte ſich ein Dieb eingeſchlichen? Raſch entſchloſſen ſprang Martin

Novellen⸗

aus dem Bett, fuhr ſchnell in

Zeitung.

füßig nach der Kammerthür, Da der Mond nicht ſchien, zitterte nur ein ſehr ſchwache Dämmer durch die kleinen Fenſteyſcheiben. Er reichte in deß hin, die hell polirten Neſſäteſttrathen an den Kum ten erkennen zu laſſen.

die er vorſichtig aufdrückt

wegung geweſen war, denn die leichteren Zierrathen ſchwankten noch leiſe hin und her.

An den Fenſtern pfiff der Wind. Sie waren feſt ge⸗ ſchloſſen, von einem plötzlichen Windſtoße alſo konnte die Bewegung des Kumtes nicht herrühren. Eine menſchlich Hand nur mußte hier im Spiele ſein, oder ſpukte es viele leicht?

Martin war weder furchtſam noch abergläubiſch, aben

[IV. Jahrg

die Kleider und ging banßl

Martin ſah deutlich, daß das letzl an der Ecke, wo die Treppe zum Kornboden führte, in B

er wünſchte faſt, es möge ein unheimliches Weſen mit Geiſterhand das Kumt berührt haben.

Horch, war das nicht Kettengeklirr? Knurrte du

Hund nicht, als gewahre er etwas Verdächtiges? Hochaufgerichtet ſchritt der argwöhniſche Bauer nat

dem in den Hof hinabſehenden Fenſter.

gerad über der Thür, hing das kunſtreich gearbeitete Wache

telbauer, das ein Schloß mit drei Thürmen vorſtellte. Erſ

drückte ſein Geſicht an die Scheiben und ſah in den dämme rigen Hof hinab.

Nirgends regte ſich etwas Lebendiges, der Hund ſtand aber vor ſeiner Hütte und ſpitzte die Ohren. Anſchlug er nicht, ſondern legte ſich zögernd vor die Hütte, als ſei 1

ärgerlich über eine Störung, deren Urſache ihm verborgen geblieben.

Martin Ulrich ſenkte noch einmal den Blick forſchend in das Halbdunkel der windigen Nacht und wollte wieder zurückkehren in ſeine Kammer, da hielt ihn abermals ein Geräuſch zurück. Diesmal kam der Ton von unten her⸗ auf es ſchlürfte auf der ſteilen Treppe, und bald ſah en eine Geſtalt deutlich aus dem Dunkel des Treppenhalſes

Feuilleton.

Sen

Die Codesroſe.

Dem ſehr intereſſanten, pikanten und wechſelreichen Doctor Felix MaynardVoyages et Aventures au Chili entlehnen wir die folgende Sittenſchilderung, welche beweiſt, daß die durch ungemeinen Liebreiz gezierten Töchter Chili's zwar ihre Liebe leicht verſchenken, beſonders an Ausländer, und unter dieſen wieder vorzugsweiſe an Europäer, langen, daß der Mann ihrer Wahl nur für ihre Reize Augen habe.

ſprechen:

In dieſem ſchönen Lande iſt ein Liebesſchwur leicht abge⸗ legt, und eben ſo leicht findet er Erhhrung. Eine Blume aus den Händen eines Mädchens empfangen und demſelben zum Austauſch dagegen eine andere anbieten, heißt den Schwur ewiger Liebe wech⸗ ſeln, und wehe dem Fremden, der dieſe Sitte nicht kennt, oder der ihre Kenntniß geringſchätzt. Er fliehe ſo ſchnell als möglich oder er halte ſich ängſtlich verborgen.

Eines Tages beſuchte ich in Talcahuana eine junge Seno⸗ rita, die durch meine Behandlung von einer ſchweren Krankheit geneſen war. Ich fand meine ſchöne Patientin auf der Eſtrade

Buche des und ſie theilte ſie in zwei Flechten ab, denn dieſe kleideten ſie zum Entzücken, wenn ſie auf ihren weißen Schultern glänzend abſtachen.

daß ſie aber dann auch ver⸗ Wir laſſen den Helden, einen franzöſiſchen Schiffsarzt, ſelbſt B ſch Tochter wunderte, gab mir ein ſehr reichliches Honorar, und .. 1 1 7 A wollte, plötzlich aufſtand, ſich mir in dem ganzen Glanze lhe

vor mir verneigte. Ach, wie ſchön ſie war! Ihre alatige⸗

neben ihrer Mutter ſitzend, mit ihrem Anzuge beſchäftigt. Ihne

ſchwarzen Haare fielen in veichen Locken bis auf den Teppich herab,

Mein Eintritt machte zuerſt gar keinen Eindruck. Die großen Augen der Geneſenen verließen ihren kleinen Toiletten⸗Spieghl nicht, und als ich ſie nach ihrem Befinden fragte, antwortete ſt mit leiſer Stimme und eine Stecknadel zwiſchen den geſchloſſennn Lippen feſthaltend:Gratias, senor. 4 2 Die Mutter, welche ſich über die ſchnelle Herſtellung ihue

war ſchon im Begriff wieder zu gehen, als die Senora, viſt ihrerſeits der Bezahlung ihrer Schuld auch etwas hinzuft

Schönheit näherte und ſich mit einem ſehr freundlichen Licheln

flochtenen Haare ließen ihre ſchöne Stixn nach Art der C ieun. nen ganz frei; eine rothe Roſe blähte ſich ſtolz an einem ſbre Schläfe; auf der andern Seite hing eine zweite Roſe von e 9 Farbe auf ihre Wange herab, und das reizende Oval ihres Ge ſten tes zeigte lliebliche, unſchuldsvolle Züge von der regelmäßigſ

Neben demſelben 4

¹

Nr.

herr wan als

vor

Sti

d. del

teg

mu, dan thür raue Sch hoch ſein hütt on