Adolf Schulis.
Haus und Heerd.
I.
Heut' grollt' ich, unzufrieden Mit meinem Loos;
Weil klein mein Theil hienieden Und Andrer groß.
Da ging, auf nacktem Fuße, Durch Sturm und Wind
Vorbei mit blödem Gruße Ein armes Kind.
Schnell gab ich ihm und wandte Dem Dank mich ſcheu—
Und tief im Herzen brannte Mir Scham und Reu.
II.
Da wir noch hatten ein großes Haus, Da war's ein Ziehen, ein Wandern! Der Eine zog ein, der Andre aus, Und Keiner ward froh des Andern.
Wir ſuchten das Glück, wir ſuchten die Ruh'
Und fanden ſie nicht— o Jammer! Wir ſchloſſen die Thür ihnen ſelber zu, Wir ſcheuchten ſie aus der Kammer.
Doch nun unſer Hüttlein worden klein, Nun ſitzen wir ſtill beiſammen
Und freuen uns treulich im Verein Der luſtigen Heerdesflammen.
III.
Wallen die Wogen auf und ab, Keine doch geht verloren: Sank der Vater mir in das Grab,
Ward mir ein Sohn geboren.
Wallen die Wogen auf und ab, Nimmer und nimmer ſie ſtocken: Wächſt das Moos auf des Vaters Grab, Wachſen dem Knaben die Locken.
IV.
Abends, wenn die Kinder mein Mit der Mutter beten, Pfleg' ich an ihr Kämmerlein
Still heranzutreten.
Leiſe lauſch' ich an der Thür Ihrem Wort von ferne;
Ob ſich's gleiche für und für, Hör ich doch es gerne.
Gedichte von Adolf Schults.
Dritte vermehrte Auflage.
Und wenn Alles nachgelallt Mägdelein und Bube, Wenn das Amen leiſ' verhallt, Tret' ich ein zur Stube.
Wenn ſie dann ſo lieb und warm Gute Nacht mir nicken,
Mit dem weichen Kindesarm Mich zum Kuß umſtricken—
O, dann muß im Kämmerlein Wohl mein Herz ſich regen:
Linde ſtrömt es auf mich ein Wie ein Abendſegen!
V
Frug das Kind den Vater ſein:
Vater, wo weilt mein Brüderlein? Sprach der Vater, im Grabe tief
Läg' es immer und ſchlief' und ſchlief“
Frug das Kind die Mutter ſein: Mutter, wo iſt mein Brüderlein?
Sprach die Mutter, in Himmelshöhn Wär' es worden ein Englein ſchön.
VI. Flatternder Vampyr, Sorge mit Namen, Der du allnächtlich Saugeſt mein Blut! Schone der Gattin, Schone der Kindlein, Flattre vorüber, Tückiſche Brut!
Flatternder Vampyr, Sorge mit Namen, Lange ſchon hauſeſt Du mir am Dach! 8 Dünkt meine Wange Denn noch zu roth dir? Wann, o wann endlich Läſſeſt du nach?
Flatternder Vampyr, Sorge mit Namen, Der du allnächtlich Saugeſt mein Blut! Schone der Gattin, Schone der Kindlein, Denn ſie ſind ſchuldlos, Tückiſche Brut!
Iſerlohn, Julius Bädeker. 1857.
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gnü Ent deut dure genü
mal kelte


