Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
352
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Novellen⸗Zeitung.

nigere Ausdrucksweiſe als alle anderen zu geben weiß, weil Wir können es nicht unterlaſſen, ſein letztes Gedicht, er ein nach dieſer Seite hin begabter Menſch geweſen. das er wenige Tage vor ſeinem Tode niederſchrieb, aus der

Daſſelbe Lob in noch höherem Grade müſſen wir dem Elberfelder Zeitung hier mitzutheilen, und ſind überzeugt, AbſchnittZu Hauſe zollen. Es iſt hier dem Dichter ge⸗- daß es jeden Leſer auf das Tiefſte ergreifen wird. lungen, nicht nur das Verhältniß zwiſchen Liebendem und Geliebter im Allgemeinen, ſondern vielmehr die ſonſt ſelte⸗ ner beſungenen Verhältniſſe des eigentlichen Familienlebens zu verherrlichen, die Beziehungen zwiſchen Gatten und Gat⸗ tin, Sohn und Vater, Vater und Sohn, Bruder und Bru⸗ der. Es iſt dies der am Originellſten und Tiefſten er⸗ fundene Theil der Schults'ſchen Gedichte.

Die lyriſch⸗epiſchen Sachen dieſes Bandes ſind von dem aufrichtig freiſinnigen Pathos getragen, das auch des Dich⸗ ters größere Epen auszeichnet. SeineLieder aus Wis- conſin ſchildern die überſeeiſchen Erlebniſſe eines deutſchen Dichters diesmal ohne Katzenjammer, mit einer muthvollen Anſchauung der neuen Dinge, die der Charakterſtärke des Sängers, den freilich die Heimathsliebe zuletzt doch zurück⸗ führt, alle Ehre macht.

Wie nicht alle religiöſen Menſchen neue Religionsſtif⸗ ter ſein können, ſondern wie die Religionen außer den Laien vornehmlich auch tüchtiger Prieſter bedürfen, ſo iſt es auch in gleicher Weiſe mit der Poeſie. Nicht alle Dichter können originale Genies, Gründer neuer Schulen oder gar Zeitalter ſein; jedes Zeitalter aber bedarf zu jeder Zeit ſeiner Dichter, die ſein tägliches Leben ſchmücken, den Cul⸗ tus der poetiſchen Kunſt ihm leiten. Unter ſolchen Prie⸗ ſtern des poetiſchen Cultus tritt Adolf Schults als einer der würdigſten hervor.

Friedhof, drauf mein Vater ruht, Deine Weiden ſeh' ich winken!

O, mich dünkt, ſie meinen's gut: Ruhe, Ruhe ſoll ich endlich trinken.

Aber nein, ihr Winker, nein,

Darf noch nicht bei euch erſcheinen! Augenpaare, groß und klein,

Sieben Augenpaare würden weinen!

O, und eins, das Tag und Nacht Jene ſieben mußte lenken,

Das für mich gefleht, gewacht, Würde troſtlos ſeine Wimper ſenken.

Du, o meines Vaters Geiſt,

Kannſt du mir kein Zeichen ſenden,

Das Geneſung mir verheißt?

Das da ſagt: noch einmal wird ſich's wenden?

Still! die Weiden auf der Gruft Laſſen ab von ihrem Winken,

Soll in Gottes reiner Luft

Ich noch einmal mir Geneſung trinken?

Du, mein Vater, habe Dank,

Daß für mich dein Ohr noch offen! Ach, dein Sohn, ſo ſchwach und krank, Will noch einmal hoffen, hoffen, hoffen!

R Giſeke.

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