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ſich ſtieß und dann hinaus eilte in die dunkle Nacht, woher ſie gekommen. Auf der Welt gab es ja doch keine Stätte mehr für ſie, wozu noch lange der freund⸗ und heimathloſe Jammer?—
Emil, empor geſchreckt aus der ihm aufgenöthigten Rolle, deren er bis auf einen kurzen Moment auch völlig Herr geblieben, eilte Lina, die er ſofort erkannt hatte, auf dem Fuße nach. Helene brach ohnmächtig zuſammen— Lina wußte wohl, wer ihr folgte, hörte auch die be⸗ kannte Stimme, welche ſie immer dringender und angſtvol⸗ ler beim Namen rief und einzuhalten bat. Aber es war ihr, als ob ſie nur verweilen ſollte, um den Becher des Leidens bis auf den Grund zu leeren, und darum eilte ſie vorwärts, immer vorwärts mit übernatürlicher Kraft. Endlich ſing ſie dennoch an matt zu werden, und die Ent⸗ fernung zwiſchen ihr und ihrem Verfolger ward immer geringer. Da langte ſie auf der Brücke an, welche über den Canal und dann nach der Straße führte, wo Emils Wohnung lag. Die Brüſtung der Brücke war durch eine Laterne beleuchtet, die ſich in dem rauſchenden Waſſer un⸗ ten wiederſpiegelte.
„Laß mich“— rief ſie den Pfahl umklammernd Emil entgegen, der nur wenige Schritte noch entfernt war,„laß mich, ich will Euch ja nicht ſtören in Eurem Glücke, will wieder in den Wald zurück. Nur ein wenig ausruhen laß mich, und greife mich nicht an, oder—“
Novellen Zeitung.
Emil trat näher und ſtreckte bittend beide Hände nach ihr aus. Da, ehe er es verhindern konnte, ſchwang ſich Lina über das Brückengeländer hinab und— die dunkeln Wellen des Canals ſchlugen über einem Opfer mehr zu⸗ ſammen!——
Frank, Emil und Helene ſahen ſich nie in ihrem Leben
wieder. Frank zeichnete nach wie vor Maſchinen und bil⸗ Helene zog weit hinweg in eine entfernte Gegend Deutſchlands und tilgte ihre Mitſchuld an jener fürchterlichen Kata⸗
dete ſich dabei zum völligen Menſchenfeinde aus.
ſtrophe durch ein Leben voll Entſagung und ſchlichter eif⸗ riger Hülfe für ihre Mitmenſchen. Vor ihrer Abreiſe ſchrieb ſie noch an Emil, den wahrhaft Troſtloſen und we⸗ gen ſeines tiefen Seelenleidens vielfach Bedauerten:
„Wir Menſchen verſtehen es nicht ein Schickſal zu bereiten. Deshalb hat Ihnen der Himmel eines geſendet, wie Sie es gewiß nicht härter und unbarm⸗ herziger wünſchen können. Nun wohlan! So raffen Sie ſich auf, Ihrem dereinſtigen Vorſatze treu, und ſammeln Sie endlich Ihre Kräfte, wie es einem Manne ziemt, zu einem edlen, ſchönen Menſchen⸗ werke!“
gedicht von Wilheſm Weingärtner.
So geht's.
Unſre Dichter werden alt;
Doch, um wieder jung zu werden, Schweifen ſie durch Feld und Wald, Stete Pilger hier auf Erden.
Ihrer Wanderlieder Klang
Hat gerührt auch manche Seele; Doch ich danke für den Sang Und bedaure eure Kehle!
Bin ich jung, dann ſing ich auch, Wie die Alten einſt geſungen; Doch ich liebe nicht den Brauch, Zwitſchern Alte gleich den Jungen.
nen Vorrath davon erſchöpft hat?— Dies Dilemma löſt die Reiſe⸗ beſchreibung nicht, welcher wir dieſe Angabe verdanken.
Die Bewohner einiger Südſee⸗Inſeln legen beide Hände an die Backen, verbeugen ſich dazu ſehr tief und heben den einen Fuß mit gebogenem Knie in die Höhe.
Die Japaneſen ziehen einen Pantoffel vom Fuße und heben ihn in die Höhe;— eine unbequeme und beſonders bei ſchmuzi⸗ gem Wetter nicht zu empfehlende Begrüßungsart, wenn man ſich nicht daran gewöhnt hat tänzerartig auf einem Beine zu balan⸗ ciren, oder unlängſt die Rekrutenübungen mitmachte.
Chineſen, welche nach langer Trennung einem Freunde begeg⸗ nen, fallen auf die Kniee und beugen ihren Kopf drei Mal bis zur Erde. Im Allgemeinen aber ſind die Chineſen unter allen Völ⸗ kern das ceremoniöſeſte in Beziehung auf die Begrüßung; ſie be⸗ ſitzen einen förmlichen Begrüßungs⸗Codex, der die verſchiedenen Abſtufungen angibt, mit dem wir aber unſere Leſer verſchonen wollen.
Die Muſelmänner kreuzen bekanntlich, ſo ſehr ſie auch außer⸗ dem das Zeichen des Kreuzes verabſcheuen, die Arme auf der Bruſt, indem ſie zum Gruße den Oberkörper verbeugen. ¹
Das Militär greift zum Gruße an die Kopfbekleidung, läßt dieſe aber ruhig an ihrem Platze, und dieſe Begrüßungsart, welche
der gemeine Soldat mit dem höchſten Officier gemein hat, ſcheint
uns aus Sanitäts⸗, ſo wie aus Schönheits⸗ und ökonomiſchen Rückſichten die vernünftigſte und folglich die empfehlens⸗ und nachahmungswertheſte zu ſein⸗ ga.
Die Fächerſprache.
Würde allen Spanierinnen durch einen Zauberſchlag plötzlich die Sprache genommen, ſo dürften ſie dadurch kaum behindert wer⸗ den ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, denn ſie ſind von der zarteſten Jugend auf an eine andere Sprache gewöhnt, durch welche ſie ſich nicht minder beredt auszudrücken wiſſen als mit der Sprache der Lippen. Das iſt die Sprache des Fächers, mit welchem die Spanierin gewiſſermaßen goͤboren wird; denn ſchon dem dreijäh⸗ rigen Kinde gibt man ihn in die Hand, und ſorglos tändelt das kleine Mädchen damit, bis es, zur Jungfrau gereift, mit nationa⸗ lem Inſtinct lernt, durch die Bewegungen des Fächers, durch das Tragen, das Oeffnen und Zuſammenlegen deſſelben alle Abſtu⸗ fungen der Leidenſchaft mit einer Deutlichkeit auszuſprechen, die
lung ſtürzt. e ge⸗ nier ein unentbehrlicher Beſtandtheil ihrer Kleidung, und ſie weiß ihn mit einer Leichtigkeit und Schalkheit zu handhaben, in welcher unſere ſchönen Landsmänninnen weit hinter ibr zurückſtehen; denn dieſe handtiren ihren Fächer oft auf eine ſolche Weiſe, daß man deutlich ſieht, ſie wiſſen nicht wozu das Ding gut iſt, wenn zu⸗ fällig die Sonne nicht ſcheint. Die Spanierinnen dagegen halien ihre Fächer in unabläſſiger Bewegung, und in jeder größern Ber. ſammlung, auf der Promenade, im Ballſaal, im Theater wur 6 ein Blinder an dem Rauſchen der Fächer die Anweſenheit eine größern Anzahl von Damen erkennen können. g.
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den, an welchen dieſe ſtumme Sprache gerichtet wird, bald auf den Gipfel des Entzückens hebt, bald in den Abgrund der Verzweif⸗ 1 Der Fächer iſt der beſtändige Begleiter der Spanierin,
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