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eßten Bruſt des dwünſchens⸗ ſen umgab, verhüllt, nie⸗ te ſeiner Aeuße⸗ nde gethan, er welche vielleicht orurtheile laut
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ſchon verlaſſen— war ich durch beſondere Drohungen ängſtlicher und ſcheuer als ſonſt; indem ich einen Fehltritt that, ſtürzte ich vom Pferde und wurde für leblos aus dem Gircus getragen. In dem darauf folgenden Siechthum mahm die Gräfin Lindau ſich meiner an, und endlich wil⸗ ligte mein Vater, geſchreckt durch die Vermuthung des Arz⸗ tes, daß das gebrochene Glied eine Schwäche zurückbe⸗ halten würde, die mich wohl unfähig machen könnte meine Laufbahn als Kunſtreiterin zu verfolgen, darein, mich meiner Beſchützerin zu überlaſſen, ihr alle Rechte an mich abzutreten. Sie kaufte mich los— bei ihr fand das ver⸗ laſſene kleine Mädchen eine Heimath ſo ſchön, ſo traulich, daß es mir war, als wenn das Paradies ſich mir geöffnet habe. Eine Reihe glücklicher Jahre begann für mich, ſo glücklich, daß ich die Vergangenheit mit ihren Schrecken darüber vergaß, daß ich mich zu Zeiten im rechtmäßigen Beſitz alles deſſen glaubte, mit dem die Güte meiner Mut⸗ ter mich ſo reichlich umgab.— Das iſt meine Geſchichte, Graf Ohlen“— ſagte Anna matt, wie erſchöpft von dem Reden;—„Sie hätten dieſelbe erfahren, niemals wäre ich die“— ſie hielt inne; Purpurgluth übergoß ihr blaſſes Geſicht, und ohne den Satz zu vollenden, wandte ſie ſich das Zimmer zu verlaſſen. Doch ehe ſie die Schwelle über⸗ ſchritt, ergriff ſie der Schmerz der Trennung mit gewalti⸗ ger Hand— die Liebe ſiegte über die Schüchternheit, ſie llog zurück und beide Arme feſt um Herrmann ſchließend, legte ſie ihren Kopf dicht an ſein Herz:
„Laß mich, Mutter, laß mich ihm Lebewohl ſagen; ich darf es, denn er hat mir heut geſtanden, daß er mich liebt.“
Er eilte ihr nach, als ſie ſich von ihm wandte, er wollte teden, doch Anna winkte ihm Schweigen zu; ſie fühlte, daß ihre Kräfte ſie ſo weit getragen hatten und nicht weiter reichen würden.—
Dritte folge.
Am anderen Tage war es, als Graf Ohlen förmlich um Anna's Hand gebeten hatte und von der Gräfin Lin⸗ dau an jene verwieſen worden war.
Und Anna hatte ſie ausgeſchlagen.—
Vergebens hatte er ſie gebeten, beſchworen, den Aus⸗ ſpruch zurückzunehmen; ſie blieb dabei, ſie paſſe nicht in ſeine Familie, die, beſonders brav und edel, dennoch einen großen Adelſtolz beſaß. Anna geſtand ihm zu, daß ſeine Eltern ihr vielleicht vergeben hätten, daß ſie dem Sohne nicht ebenbürtig war, wenn die Kunde davon ſie allein ge⸗ troffen, ohne daß es auf eine ſo auffällige Weiſe bekannt geworden— jetzt würden ſie die Verbindung nicht wünſchen, nur gezwungen ihre Einwilligung geben, und ſie ihrerſeits ſei zu ſtolz ſich in eine Familie zu drängen, in der man ſie nur dulden möchte.— Anna wußte, mit welcher vergötternden Ehrfurcht Herrmann an ſeiner Mut⸗ ter hing; ſie ſelbſt ein Liebling der alten, würdigen Dame, kannte genau deren Vorurtheile, wußte zu wohl, wie ihr alles, was Aufſehen erregte, zuwider war, und von der Be⸗ gegnung im Theater ſprach ſchon die ganze Stadt.— Sie war zu edel dem Geliebten zu geſtehen, daß ſein Schreck, ſein Entſetzen, als er Florita bei ihr geſehen, von ihrer einſtigen Gemeinſchaft gehört habe, eine gewichtige Stimme zu ihrem Entſchluſſe beigefügt.
Die Ruhe und Klarheit, mit der Anna ſprach, mußte bei ihrer Jugend in Erſtaunen ſetzen; dennoch hätte ein Unparteiiſcher leicht herausgehört, daß ſie eine erkünſtelte war, daß ſie ſich eine Schutzmauer von Gründen und Hin⸗ derniſſen aufgerichtet, hinter die ſie ſich gleichſam verſchanzt, auf die ſie immer wieder zurückkam, und daß dennoch die eigentliche Haupturſache ihrer Weigerung verborgen war. Aber Herrmann, verwirrt und benommen durch ſeine Lei⸗ den, war ungerecht und grauſam, wie es der beſte Mann im Schmerze oft iſt; er zeihte ſie der Kälte, beſchuldigte ſie ihn nie geliebt zu haben. Sie wankte unter dem harten Schlage, ſie wurde nur aufrecht erhalten durch das, was
Dann reichte er Allen die Hand, küßte die Roſe, befeſtigte ſie af ſein ſammetnes Käpplein und ging fort. Draußen hörten ſie ihn noch ſingen, wie ſich ſelber zum Troſte:
„Du kommſt mir nicht aus meinem Sinn So lang' ich hab' das Leben inn, Gedenk' an mich wie ich an Dich—
Röslein auf der Heiden.“
Die Stimme klang aber nicht ſo luſtig und voll wie an je⸗ nam hellen Morgen, da er einzog; und oben an dem Fenſter, wo ſi ihn zuerſt erblickt, ſtand das einzige Töchterlein des wohlange⸗ ſepenen Bürgermeiſters von Gotha über den lieben böſen Roſen⸗ ſtock geneigt und weinte bitterlich.
„Es mochten wohl fünf Jahre hingegangen ſein und der Win⸗ 4 ſchritt eben ſo feſt und hart über die Erde wie die bärbeißige zthildwache am Thore der Stadt, die am Fuße des Grimmen⸗ keins lag. Eben wollte die alte Magd in dem Hauſe des wackern Zürgermeiſters Brenzbier die ſchwere Hausthüre ſchließen und die ſiſerne Stange vorſchieben, als noch ein ſchlanker Mann mit Kundlichen Worten um Einlaß bat. Sie führte ihn in den drusflur. Dort fragte er recht haſtig nach ihrer Herrſchaft. Sie fannte ihn nun an den Augen, als ſie ihre Lampe in die Höhe füllt, und ſagſe:„o geht nur hinein, ſie ſind Alle beiſammen, Ihr ſid ja der Lucas Cranach!“ „Alle? Wen meint Ihr?“ „„Der Herr, die Frau und die Barbara! lin ſeid Ihr geworden!“
Wie ſchmuck und V
über, ein Mägdlein und ein Mann.
Er ging aber ſchon nach der Thür hin und hoͤrte ſie nicht mehr. Die letzte Thüre am Ende des Hausflur war's, da pochte er be⸗ ſcheiden an und begann gleich darauf mit einer Stimme, in der
ein übervolles Herz zitterte, die lieben Worte zu ſingen:
„Du kommſt mir nicht aus meinem Sinn So lang' ich hab' das Leben inn, Gedenk' an mich wie ich an Dich— Röslein auf der Heiden.“
Noch hatte er nicht ausgeſungen, als ein Schrei aus der Stube drang. Der Schrei kam aus einer Mädchenbruſt. Die Thüre wurde aufgeriſſen, ob zuerſt von ſeiner oder ihrer Hand, wer wußte es zu ſagen? Zwei zitternde Menſchen ſtanden einander gegen⸗ Hinter dem ſchweren Eichen⸗ tiſch gewahrte der Eingetretene die würdigen Geſtalten des Bür⸗ germeiſters Brenzbier und ſeiner Ehefrau Mechtildis.
Aber Barbara? War das Barbara? Heilige Jungfrau, konnte ſie das ſein? Nein, es war unmöglich. Wie konnte ſich das wun⸗ derſchöne roſige Kind verwandelt haben in ſolch entſtelltes bleiches Frauenbild! Nicht einen einzigen Zug ſeines ſüßen Mägdleins fand er wieder in dieſem verzerrten Angeſicht. Und doch ſahen ihn Barbara's dunkle heiße Augen an! Er wähnte ſchwer zu träumen, aber die Angſt ſeines Traumes trat auf ſein Geſicht. Da wandte ſich das Mädchen weg von ihm, rang die Hände in bitterm Weh und ſagte ſchluchzend:„o, er kennt mich nicht! Ich wußte es, ja, ich wußte es!“
In demſelben Augenblicke aber erkannte er ſie an der Stimme, an dem wundervollen Goldhagr, das in ſchweren Flechten zuſam⸗ mengewunden war, an der Haltung, an der reizenden Biegung des


