Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
248
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Mit einem Ausdruck edlen Stolzes, einer kummervol⸗ len Geberde wandte Florita ſich ab und ſpielte die Ge⸗ kränkte ſo vortrefflich, daß die umſtehende Menge, für ſie eingenommen, faſt mit Groll und Verachtung auf Anna blickte, die erſchreckt und zitternd an des Grafen Arm hing. Jetzt ſtreckte ihre Hand ſich aus, ihre bebenden Lippen öffneten ſich, der Beleidigten ein Zeichen des Erkennens zu geben; aber als errathe Ohlen ihre Abſicht, ſo ſchloß ein gebietender Blick von ihm ihr den Mund, lähmte ihre Glie⸗ der und dann breitete ſich Nacht über ihre Sinne. Von den Bedienten unterſtützt, die ihm den Ausweg bahn⸗ ten, von der alten Gräfin Lindau, die blaß und zitternd auf den Arm des Freundes ſich lehnte, gefolgt, trug Ohlen die Ohnmächtige in den Wagen und ſetzte ſich, ohne zu fra⸗ gen, den Damen gegenüber.

Anna war aus der Betäubung erwacht, die eine kurze Zeit ſie dem Kummer entrückt, der ihrer harrte. Als ſie die Augen öffnete und die heimliche, duftige Stille und Wärme ihres Zimmers ſie umfing, als die liebenden, be⸗ ſorgten Blicke ihrer Mutter denn nimmer konnte ſie von dem Namen laſſen ſie grüßten und er, den ſie liebte, ihr Erwachen mit einem Freudenrufe ſegnete, da er⸗ ſchien ihr das Vorhinerlebte ein verworrener Traum. Doch an dem ſchringenden Schmerze, der ſie plötzlich erfaßte, als ſie des Schreckens gedachte, mit dem der Geliebte ſie ange⸗ blickt, des Bangens, mit dem er ſie gefragt, ob es wahr ſei der Inbrunſt und Angſt, mit welcher er ſie ange⸗ fleht, das Ganze zu widerlegen, fühlte ſie, daß es kein

Traum war, und ohne ſchon klar zu wiſſen warum, ahnte ber Director oft geſchlagen, weil ich nicht dreiſt und muthig

ſie dennoch, daß ihr kurzes Glück zerronnen, daß ſie von Ihm geſchieden ſei. Nachdem der Freudenſchimmer, mit

dem Herrmann ihr Erwachen begrüßt, von ſeinem Angeſicht

verflogen war, brannte wieder in den Augen die eine, eine

Frage, da hingen ſie mit verzehrender Angſt an ihren Lip⸗ und ſchützend zur Seite geſtanden.

pen, um Aufklärung bittend. Wie ſo oft in dem Augenblick, wo es gilt, Kraft und

Noveſlen⸗Zeitung.

[IV. Jahrg.

Stärke über das Weib kommt, ſo auch hier. Das ſtille, ſchüchterne Mädchen fühlte, daß es an ihm ſei der Span⸗ nung, in der Herrmann ſchwebte, ein Ende zu machen, und es fand den Muth dazu. Sich langſam erhebend ſchritt ſie auf Gräfin Lindau zu, und indem ſie ihre Arme feſt um die hohe Geſtalt legte und ſich wie nach einer Stütze ſuchend an ſie lehnte, ſagte ſie:Es iſt wahr.

Ein Weheſchrei entrang ſich der gepreßten Bruſt des Mannes; nicht daß ihm Anna weniger lieb und wünſchens⸗ werth geworden, die Klarheit, welche ihr Weſen umgab, war echt, ſie konnte durch Wolken vielleicht verhüllt, nie⸗ mals aber verlöſcht werden doch er gedachte ſeiner Aeuße⸗ rungen, die er neulich im Kreiſe der Freunde gethan, er ſah Hinderniſſe ſich vor ihm aufthürmen, welche vielleicht ſeine Verbindung unmöglich machten, Vorurtheile laut werden, an denen ſein Lebensglück ſtrandete.

Die Edle hier iſt nicht meine Mutter begann Anna von Neuem.Die unendliche Güte und Liebe, mit der ſie ſich eines armen, mutterloſen Kindes angenommen, die ſonnigen Jahre des Glückes, welche ſie mir bereitet, haben mich faſt vergeſſen laſſen, daß es einſt eine andere, ſchlimmere Zeit für mich gab. Sie hat mich ſo mit Liebe und Zärtlichkeit umgeben, daß ich durch den goldenen Schleier, den ſie um mich webte, nur noch ganz nebelhaft und verwiſcht die Vergangenheit erblickte heut iſt ſie mir wieder klar vor Augen getreten. Heut ſah ich mich wieder als armes, verlaſſenes Kind in dem Circus, mit den bunten Flittern und Lappen umhängt, von der Menge bewundert und geliebkoſ't, von dem finſteren Vater und dem

genug war, von Fanny geneckt und gequält. Es war ein düſteres, troſtloſes Daſein, noch troſtloſer ſeit jener Mann geſtorben, deſſen Florita heut erwähnte und welcher der Einzige war, der mir in jenem Lebensabſchnitt freundlich

An einem Abende Fanny hatte die Geſellſchaft

als ob er einen Menſchen vom Tode errettet. Drinnen ſtürzte ihm das blonde Kind todtenbleich entgegen, und aus einer Thür ſeitwärts vom Hausflur traten eine ſtattliche Frau und ein hoher freundlicher Mann in dunkler ernſter Tracht. Sie entſetzten ſich nicht wenig über den fremden blutenden Mann, aber ehe er noch zu reden begann, erzählte das Töchterlein haſtig Alles und hing ſich verſchämt wie ein reumüthig Kind an den Hals der Mutter. Die Eltern nahmen den Fremden aber freundlich bei den Händen und baten ihn da zu bleiben und ſo lange Raſt zu halten, bis ſeine kleinen Wunden geheilt. Das Mägdlein ſagte nichts, aber ſie ſah ihn an, unverwandt und er blieb. Als man ihm einen leichten

Verband um die Stirn und um die Hand legte, erzählte ihm mitt⸗ lerweile das roſige Kind, das nicht mehr von ihm wich, daß ſie Barbara Brenzbier heiße, und daß ihr Vater der Bürgermeiſter

der Stadt ſei und eine ſchöne Goldkette trage, mit der ſie in noch

jüngern Jahren ſo gern geſpielt. Und wie ſie ſo vor ihm ſaß und das blühende Kindergeſicht zu ihm aufhob und zwiſchen den Wor⸗

ten tauſend Poſſen trieb mit einem ſchönen kleinen Hunde, der auf ihren Knieen lag, da ſah ſie aus, als könne ſie noch immer gern mit der blinkenden Goldkette ſpielen.

Er aber erzählte ihr dagegen, daß er in dem geſegneten Bam⸗

berger Lande zu Hauſe und nach den Niederlanden ziehen wolle

zu den vielen herrlichen Meiſtern, die dort wohnten, um bei ihnen

ein ordentlicher Maler zu werden. Auch ſeinen Namen nannte er

ihnen, er lautete: Lucas Cranach. Und ſie ließen ihn nicht fort, dieſen Tag und noch mehrere nicht; ſeine Wunden heilten raſch, aber Niemand im Hauſe wollte auf den jungen Geſellen hören, wenn er vom Weiterwandern ſprach, Jeder hatte ihn ſo

lieb gewonnen und verkehrte mit ihm, als wäre er ein Langgekannter. zur Feier ſeiner Hochzeit mit der ſchönen ſchlanken

Endlich ging er doch; ſeine liebe heilige Kunſt ließ ihm keine Ruhe; er durfte die Zeit nicht verſäumen und verträumen, und ſo wunderlieblich es war mit der ſüßen Barbara zu reden und zu ſcherzen, ihre Blumen zu pflegen, mit dem Schoßhund zu tän⸗ deln oder gar mit ihr im Freien zu luſtwandeln, ſo erbaulich es auch war mit der ſanften Mutter oder dem klugen Vater Zwie⸗ ſprache zu halten, ſo trieb es ihn trotz alle dem fort. Als er aber wirklich nach einer gar ſchönen Woche das ſchwere Wortade ausſprach, das ſchon ſo Manchem das Herz gebrochen, rollten ihm die hellen Thränen über die Wangen., Barbara hatte die erſte blühende Roſe abgebrochen von dem herabgefallenen Roſenſtock; wie ſie die Blume ihm aber hinhielt und er die Hände nach ihr ausſtreckte, ſchluchzte ſie plötzlich auf wie in bitterſtem Weh, ſchlang die Arme um den Nacken des Scheidenden und küßte ihn auf den Mund. Da ſah er ſie an voll trunkener Seligkeit und ſagte leiſe wie einer, der im Traume redet:nun biſt Du meine Braut, Barbara!

O wie ſie da unter Thränen lächelte und zur Mutter hinlief wie ein Kind, das man beſchenkt, und ihr ganz heimlich ins Ohr flüſterte:ich bin nun ſeine Braut und will auf ihn warten!

Ja, kommt nur wieder, Lucas Cranach, ſagte mild die Mutter,wenn Ihr drüben in den Niederlanden fertig und ein tüchtiger Maler geworden ſeid, und ſeht zu, wie's mit uns ſteht!

Aber gebt wohl Acht, daß Euch die Barbara dann nicht ſel⸗ ber auf den Kopf fällt, lachte der Bürgermeiſter,wie ſie Euch dies Mal den Roſenſtock an die Stirn warf.

Nein, ans Herz ſoll ſie mir fallen! jubelte da der junge

Maler und ſah aus, als höre er ſchon die Kirchenglocken läuten

arbara.

ſchon k angſtli that,ſ Cireus nahm ligte tes, halte Lauf mein abzu laſſe daß habe glüc dart Beſt ter y Graſ Rede die Geft