. Vähg. ſNr. 16.
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„Du biſt ſtreng geweſen, Herrmann, ich fürchte, Du’ haſt Dir heut Abend etwas mit dem Baron eingebrockt, das üble Folgen haben kann; Du weißt, er iſt ein arger Raufbold und ein vortrefflicher Schütze.“
„Was ich geſagt, werde ich zu vertreten wiſſen. Denkſt Du vielleicht, daß ich mich einer Florita wegen ſchlüge? Und wer trüge wieder von dem Ganzen die Schuld? Weſſen Unbeſonnenheit hat das Geſpräch herbeigeführt? Wie war es Dir möglich, Waldemar, da Du meine An⸗ ſichten über dergleichen Dinge kennſt, mich mit dieſem Mädchen zu necken?“
Der junge Mann fühlte die Richtigkeit dieſes Vorwur⸗ fes, und ſein einziger Troſt war der, wenn es wirklich zu einem Ausbruch käme, treu bei Ohlen zu ſtehen, ja wo möglich dem Baron eine Beleidigung zuzufügen, daß die⸗ ſer erſt mit ihm ſelbſt fertig werden müſſe, ehe es an den Freund ginge.
Baron Clairmont verließ kurz daragf das Caſino. Draußen in dem Garten, welcher das Haus von der Straße trennt, traf er auf Florita, die in einen dunklen Mantel gehüllt in der Gegend des offenen Fenſters hinter einer Säule ſich verborgen und ohne Zweifel das Geſpräch gehört hatte.— Ein Lächeln des Triumphes glitt über ſein Antlitz; er gönnte es ihr, daß ſie ihr Theil an der
er erſchreckt über den Zuſtand, in dem ir ſie fand. Ihre Hände waren ſo marmorkalt, daß die Berührung ihn durch⸗ rieſelte; ſie zitterte, vielleicht von der Nachtkühle, vielleicht durch die gewaltige Erregung, die in ihr tobte, die ſich in⸗ deſſen in keinem jener Ausbrüche Luft machte, doch durch das eiſige Schweigen noch fürchterlicher war. Dumpf und hohl klang die Stimme, wie aus einem Grabe tönend, mit der ſie ſagte:„Jetzt zur Rache, mich dürſtet nach ſeinem Herzblut!“
Dritte 7o
olge. 245
Die Feſtvorſtellung zu dem Geburtstage des Fürſten verſammelte aus allen Kreiſen die Einwohner der Haupt⸗ ſtadt in dem hellglänzenden, feſtlich geſchmückten Opern⸗ hauſe. Die Logen, mit ſchönen Frauen in den prachtvoll⸗ ſten Toiletten beſetzt, gewährten einen Anblick wie bunte Blumenbeete und blendeten das Auge faſt, ſo daß es ordent⸗ lich beruhigt auf einer Erſcheinung wie Anna Lindau weilte, die auch heut wieder in ihrer reizenden Einfachheit unbe⸗ ſchreiblich lieblich ausſah. Nicht nur Graf Ohlen's Blicke, der in derſelben Loge mit ihr ſaß, hingen bewundernd an ihr, manches andere Auge nahm ſeinen Weg ſtets von Neuem dorthin. Es lag ein eigenthümlicher Zauber auf
dem lieben Antlitz, es war als ſtände die Kindheit auf
dem Punkte Abſchied zu nehmen und an ihre Stelle träte die höhere Weihe der Jungfrau. Ja, das Leben hatte ſich ihr in ſeiner vollſten, reichſten Pracht erſchloſſen; die
Ahnung, die Gewißheit, von dem geliebt zu werden, dem
ſie in unbegrenzter Liebe und Achtung ihr ganzes Herz zu eigen gegeben, breitete dieſen Zauber über ſie und ſchmückte ſie mit der Art der Schönheit, die ſo viel feſſelnder iſt, weil ſie nicht nur aus Form und Farbe, weil ſie aus dem
innerſten Gefühlsleben entſteht.
Lautloſe, andachtsvolle Stille herrſchte in dem weiten, herrlichen Raume, durch den die vollen, klaren Töne der gefeierten Sängerin dahin wallten— als die Thür einer der kleinen Fremdenlogen ziemlich laut geöffnet wurde und die Eintretenden mit Geräuſch ihre Plätze ſuchten. Aller Augen wandten ſich unwillig dahin, Ziſchen und Murren ertönte, aber kalt und ruhig, als ſei ſie in ihrem vollſten Recht, blickte Florita auf die Verſammlung, und das un⸗ willige Murren ging bald in ein leiſes Murmeln des Bei⸗ falls über. So blendend ſchön hatte man ſie nie geſehn. Die Toilette, welche ſie gewählt, die trotz aller Einfachheit von fürſtlicher Pracht war, paßte in Farbe und Schnitt vortrefflich zu ihrem warmen, etwas dunklen Colorit, ihren vollen und doch edlen Formen. Diamanten blitzten an
ſal fort ſei, ſich ruhig in ſein Schickſal zu ergeben und beſagte 400 Franken dem Franzoſen großmüthig zu ſchenken. Seine Freunde dachten aber anders. Sie redeten ihm zu Alles zu ver⸗ ſuchen, um ſeinen Brief, der doch 400 Franken werth ſei, wieder zu erlangen. Man rechnete aus, daß der Brief ſich noch in Frank⸗ ſart befinden müſſe, ſiche Gewohnheit hat, alle Briefe, die über Frankfurt gehen, dort ſänen halben, reſpective einen ganzen Tag liegen zu laſſen.
Unſer Dichter begibt ſich alſo auf das Telegraphen⸗Büreau, i telegraphirt an das Frankfurter Oberpoſt⸗Amt und bittet um Jurückgabe des genau bezeichneten Briefes. 24 Stunden blieb er ſt in Ungewißheit über den Erfolg— dann aber kam zu ſeiner nicht geringen Freude der Brief wirklich zurück— eine Aufmerkſamkeit und Pünktlichkeit, für die wir dem Frankfurter Ober⸗Poſtamt im Namen der dautſchen Autoren hiermit unſer öffentliches Compli⸗ nent macheit wollen. Unſer Dichter legte dieſes glücklich wieder⸗ erlangte Beweisſtück deutſcher Großmuth in ſeine Autographen⸗ ſemmlung und ſchrieb nunmehr einen zweiten, ſehr höflichen Brief nach Paris, worin er pflichtſchuldigſt anzeigte, daß nunmehr Alles in beſter Ordnung ſei. Wenn Herr*** in Paris den Zu⸗ ſammenhang dieſer buchſtäblich wahren und vor wenig Tagen aiſt paſſirten Geſchichte durch unſere Erzählung gelegentlich er⸗ fahren ſollte— ſo dürfte das ſeine Sympathie für die Wunder der Telegraphenwelt weſentlich verringern. Die Moral von der Geſchichte iſt aber, daß ſelbſt die Induſtrie der Poeſie von Nutzen
ſin kann— und daß unſer Herrgott keinen Deutſchen verläßt.
te ar 1 1 von Eliſe Polko. da die Thurn⸗ und Taxis'ſche Poſt die löb⸗ nen in dieſem von der
Genrebilder. Aus der Rünſtlerwelt. Aus der Künſtlerwelt iſt der Titel des neueſten Werkes (Leipzig 1858. J. A. Barth.) Wir begeg⸗ Verlagshandlung prachtvoll ausgeſtatteten
Buche der talentvollen Frau auf ihrem eigentlichen literariſchen Wirkungskreis und dürfte
ihr in der That wohl ſchwerlich Jemand
n dieſen reizenden kleinen Miniaturen, die in einer der Verfaſſerin
ganz eigenthümlich graziöſen Weiſe behandelt ſind, den Rang
treitig machen. Als beſte Empfehlung theilen wir unſern Leſern die nachfol⸗
gende kürzere Erzählung mit, die betitelt iſt: Die Heiratheines Jünglings
mit einer häßlichen Frau:
„Beut mir deinen roten mund
röslein auf der heiden
ein kuß gieb mir aus herzensgrund
ſo ſtet mein herz in freuden
dehüt dich Gott zu ieder zeit
all ſtund und wie es ſich begeit
küß du mich— ſo küß ich dich
röslein auf der heiden“
„Behüt dich Gott mein herzigs herz
röslein auf der heiden
es iſt fürwahr mit mir kein ſcherz
ich kann nicht lenger beiten
du kommſt mir nicht aus meinem ſinn diewiel ich hab das leben inn
gedenk'’ an mich— wie ich an dich
röslein auf der heiden.“
Es klang gar ſchön dies Lied vom Heidenröslein, und der unge Geſell, der es mit heller Stimme und nach der allerneueſten
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