Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
244
Einzelbild herunterladen

Auf Ehre, Graf Ohlen, Sie ſind von einer fabel⸗ haften Zurückhaltung; auch nicht der kleinſte, harmloſeſte Scherz iſt bei Ihnen erlaubt. Gut wäre es wenigſtens für alle Mütter, Schweſtern und Baſen wenn alle jun⸗ gen Leute Ihnen glichen. Wenn der liebe, prächtige Junge, der Geldern, ebenſo taktfeſt geweſen wäre wie Sie, dann hätte er ſich nicht um die ſchöne Florita erſchoſſen, und die arme kinderloſe Mutter weinte nicht am Grabe des einzi⸗

gen Sohnes; jetzt mag ſie es wohl bereuen, daß ſie ihm

die Einwilligung zur Heirath verſagte.

Die hat er gewiß nie ernſtlich nachgeſucht; ſo weit

konnte ſich Geldern nicht vergeſſen, um wirklich die Abſicht gehabt zu haben ein ſolches Mädchen zu ſeiner Gattin er⸗ heben zu wollen. Wenn er ſich um ihretwillen erſchoſſen hat, und da Sie es ſo gewiß behaupten, ſo will ich keinen Zweifel in Ihre Worte ſetzen, ſo geſchah es, weil die Leiden⸗ ſchaft ihn ſo verblendet, daß er den Weg der Ehre nicht mehr klar und deutlich vor ſich liegen ſah. Er muß zu heftig geliebt haben, um entſagen zu können, und war doch noch redlich genug einzuſehen, daß keine Mutter ein ſolches Mädchen als Tochter begrüßen könne, daß er ſie ſeinen Kameraden nicht als Gattin vorführen, unmöglich fordern könne, ſie ſollten ihr mit der Achtung begegnen, die er für ſeine Gemahlin verlangen mußte. Er fühlte zu gut, daß eine Ehe unmöglich war mit einer Kunſtreiterin, und da er zu ſchwach war die Feſſel zu brechen, ſo zerſchellte er daran, er, der wahrlich ein beſſeres Loos verdient hätte! Schweigen Sie von der Sache, Herr Baron, fuhr Ohlen eifrig fort, denn er hatte dem Verſtorbenen nahe geſtandenſchweigen Sie darüber, wenn Sie den Strahlenkranz, mit dem Sie Ihre Gottheit um jeden Preis ſchmücken mögen, nicht ſehr verdunkeln wollen! Folgen Sie meinem Rathe und laſſen Sie die Geſchichte ruhen, die merkwürdiger Weiſe, bei der nicht großen Entfernung

beider Garniſonen, hier weniger bekannt und ruchbar ge⸗

worden iſt, als man glauben ſollte; ich habe einen näheren

Novellen⸗ Zeitung.

Blick in die traurige Angelegenheit gethan, und die wenig hohe Meinung, welche ich von einer gewiſſen Perſon hege, ſchreibt ſich theilweiſe daher.

Die letzten Bemerkungen hatte Ohlen dem Baron mit leiſer Stimme zugeraunt, deſſen Geſicht ſich mit fahler Bläſſe überzogen. Er zuckte und bebte wie unter ſcharfen Meſſern, denn er ſelbſt, von ſeiner ſinnloſen Leidenſchaft benommen, hatte ja der ſchönen Florita ſeine Hand ange⸗ tragen! Der Haß gegen Ohlen übertönte jetzt alle ande⸗ ren Leidenſchaften in ſeiner Bruſt; dennoch war Clairmont klug genug zu fühlen, daß noch nicht die Stunde gekommen, um ihm freien Lauf zu laſſen. Aber die Stunde würde kommen, Ohlen ſelbſt hatte ſie heraufbeſchworen, ſie war nahe. Seine Aufregung bekämpfend, begann er von Neuem mit einem Lachen, das dumpf und hohl klang:

Alſo Graf Ohlen haben wir niemals als Nebenbuhler auf dieſem Gebiete zu fürchten, meine Herrn, er würde es als eine Entwürdigung betrachten ein Mädchen zu lieben, das wegen ihrer Schönheit und Geſchicklichkeit beſtaunt und bewundert worden iſt als eine Schmach, eine Kunſtreiterin in ſeine Familie einzuführen. War's nicht ſo, Herr Graf? fragte Clairmont, während ſein Ge⸗ ſicht einen lauernden, faſt diaboliſchen Ausdruck trug.

Ungefähr ſo entgegnete dieſer ruhig nachläſſig. Wenn Sie indeſſen, wie ich heut Abend bemerke, meinen Worten und Ausſprüchen ſolches Gewicht beilegen, ſo bitte, beachten Sie dieſelben genau ich möchte nicht ſtets in der Laune ſein ſolche zu wiederholen. Sie thun wahrhaf⸗ tig, als hinge Tod und Leben von meiner Meinung ab.

Mit einer kalt-höflichen Verbeugung gegen Clairmont, einem biederen, herzlichen Gruß für die Kameraden ver⸗ ließ Herrmann Ohlen die Verſammlung, gefolgt von dem jungen Officiere, der mit wahrhafter Innigkeit an dem älteren Freunde hing, der ihn täglich vielmal zurechtwies, deſſen Beiſpiel und Lehren nie befolgt wurden und von dem er doch nicht laſſen konnte.

Feuilleton.

e

Neueſte Anwendung der elektriſchen Felojranhen zum Vor⸗ theil der deutſchen Schriftſteller.

Ob die elektriſchen Telegraphen auch ſolchen deutſchen Schrift⸗ ſtellern, die, in Folge mangelnden Capital⸗ und Actien⸗Bewußt⸗

ſeins, ſich um Börſenberichte nicht zu kümmern haben, bis jetzt de u 1 1 Autor bange, er könnte doch vielleicht zu viel verlangt haben.

ſchon von Nutzen geweſen ſeien, wiſſen wir nicht, bezweifeln es aber ſehr. Mißliebige Autoren und durchgebrannte Literaten mö⸗ gen zwar ſchon oft durch den fatalen Eiſendrath verfolgt und ein⸗ geholt worden ſein.

reich vom Autor an ſich kaufen. Der Pariſer Verleger bot dem

Verfaſſer dafür 800 Franken. Letzterer fand das Honorar zu ge⸗ ring und ſchrieb nach Paris zurück, er verlange 1200 Franken.

Hierauf unternahm der Autor mehrere Reiſen und wartete ver⸗ geblich auf weitere Antwort. Als der Pariſer Verleger ſich gar nicht wieder rühren wollte, wurde unſerm beſcheidnen deutſchen

uUnd da ihm an einer franzöſiſchen Ausgabe noch mehr gelegen

Aber daß der Elektromagnet ſeine geheim⸗

nißvolle Anziehungskraft ſo weit erſtrecken kann, einem deutſchen Romanſchriftſteller 400 Franken von einem franzöſiſchen Verleger einzubringen, iſt offenbar eine neue Erfindung, die wir zum Beſten

der Schriftſtellerwelt und zum Aerger der Verleger in weiteren 5 d 1 Frankfurt nach Paris. Mittags hatte er ihn aufgegeben

Kreiſen bekannt machen wollen.

Einer der beliebteſten und bekannteſten unter den jüngeren öſterreichiſchen Dichtern(den Namen müſſen wir verſchweigen) hat kürzlich einen neuen, mehrbändigen Roman veröffentlicht, der ſo viel Aufſehen macht, daß ein Pariſer Buchhändler eine franzöſiſche Ausgabe deſſelben zu unternehmen wünſchte. In Folge des neuen Cartellvertrages mußte er deshalb das Verlagsrecht für Frank⸗

war als am höheren franzöſiſchen Honorar, ſchrieb er einen zwei⸗

ten Brief an den Verleger, ungefähr des Inhalts: daß er nicht wünſche an der Honorarforderung das Unternehmen ſcheitern zu ſehen und deshalb ſich entſchloſſen habe auf den geringeren erſten⸗ Antrag des Pariſers einzugehen.

Dieſen Brief beförderte unſer Autor mit dem Courierzug über

Abends kommt ein Brief des Pariſers an, welcher ihm meldet, daß Letzterer nach reiflicher Ueberlegung ſich aus Liebe zur Kunſt

entſchloſſen habe, noch 400 Franken drauf zu legen und ſomit N

geforderten 1200 Franken nachträglich zu gewähren! Die ſtürzung des Dichters über ſeine voreilige Nachoi⸗ nicht gering. Doch war er entſchloſſen, weil

IIV. Jahrg.

eine gehi ſein Qua er er Händ anfelt 7 durch

deſſen

=

mMal ſo 30; Froan ſuche zu er ſurt! liche einen

telegr Zurü in Un