Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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das aſchfarbene Antlitz einer Leiche, diefarbloſen, blutlee⸗ ren Lippen. zuckten im drohenden Zorn die blutunterlaufe⸗ nen rothen Augen flammten vor Wut.Du willſt alſo ſterben! rief die Erſcheinung zum ditten Mal.Nun ſo ſtirb! Und ihre Arme umklammerten wi⸗ zwei eiſerne Reifen die Bruſt Napoleons, ihre Augen bohrten ſich in ſein Ant⸗ litz, ihre Lippen öffneten ſich, um znei Reihen furchtbarer Zähne zu zeigen, die im Begriff ſchenen ſeine Bruſt zu zerfleiſchen. Der Athem ſtockte in d's Kaiſers Bruſt, die eiſernen Reifen ſchloſſen ſich immer unger um dieſelbe; er fühlte ſeine Kraft erſterben, mit der letzten Anſtrengung ſtieß er einen gellenden Schrei aus und rief um Hülfe. Sire, Sire, erwachen Sie! rief eine angſtvolle Stimme neben ihm. Napoleon fuh⸗ empor und wehrte mit einer wilden Bewegung die Hand fort, die ſeinen Arm berührte. Wer iſt da? fragte er zornig. Sire, ich bin es! Conſtant! ſagte der traute Kam⸗ merdiener.Ich hörte im Nebenzimmer das Aechzen und Rufen Eurer Majeſtät, ich ſtürzte herein und ſah Ew. Majeſtät auf dem Lehnſtuhl ſich ängſtlich hin und her win⸗ den. Ein böſer Traum ſchien Ew. Majeſtät zu martern, und deshalb wagte ich es Sie zu wecken. Und Du haſt wohl gethan, Conſtant, ſagte der Kaiſer.Ach, mein Freund, welch ein fürchterlicher Traum! Die weiße Frau war hier; ſie warf ſich wie ein Tiger über mich her und wollte mich erwürgen und mir das Herz ausſaugen. Ew. Majeſtät hatten ſchon einmal einen ähnlichen Traum, ſagte Conſtant lächelnd. Wo denn? Wo war das? fragte Napoleon haſtig, indem er ſich den kalten Schweiß von der Stirn trocknete. Sire, es war in Erfurt, als der Kaiſer Alexander 6 dort war. 8

Ja, ich entſinne mich, ſagte der Kaiſer leiſe vor

ſich hin.Es ſcheint, daß, ſo wie ich mich Alexander nähere, dieſer böſe Traum mir wiederkehrt. Will das Schickſal mich warnen? Sollte er der Wolf ſein, der meine Bruſt einſt zerfleiſchen wird? Ach, es war ein fürchter⸗ licher Traum, und noch jetzt iſt mir, als hätte ich nicht bloß geträumt, ſondern dies Alles wirklich erlebt.

Er ließ einen langen prüfenden Blick durch das weite öde Zimmer gleiten. Alles war noch ſo, wie es bei ſeinem erſten Eintreten geweſen. Die Karten lagen noch ruhig auf dem Tiſch vor ihm, die bunten Nadeln hoben noch in langen Reihen wie kleine Armeen ihre Köpfe empor und ſtanden in Schlachtordnung gegeneinander aufgereiht. Nur die Lichter waren faſt alle niedergebrannt und aus⸗ gegangen und das Feuer im Kamin war im Erlöſchen!

Napoleon erhob ſich fröſtelnd von ſeinem Lehnſtuhl. Ich will zu Bett gehen! ſagte er.

Conſtant nahm den Armleuchter, und dem Kaiſer voran eilend, öffnete er die Thür des anſtoßenden Gemachs.

Eine Viertelſtunde ſpäter war der Kaiſer zu Bett ge⸗ gangen, und Conſtant und Rouſtan hatten ſich in das äußere Vorzimmer zurückgezogen, um gleich dem Kaiſer zu ſchlafen. Aber dieſer Schlaf ſollte nicht von langer Dauer ſein. Ein lauter Aufſchrei Napoleons weckte Con⸗ ſtant und ließ ihn abermals haſtia in das Schlafzimmer ſtürzen. ber

ſagte er,dies Mal war es kein Traum. Die weiße Frau war hier, ich ſah ſie ganz deutlich, ich hatte noch nicht ge⸗ ſchlafen, ſondern meine Augen und alle meine Sinne waren noch wach. Ich ſah die lange weiße Geſtalt, das Haupt bedeckt mit dem ſchwarzen Schleier, dort neben der Wand aus dem Fußboden hervorwachſen. Mit einem Sprung ſtand ſie neben meinem Bett und hob ihre Fäuſte empor. Ich packte ſie mit raſcher Hand und rief nach Dir. Da entglitt ſie meinen Fingern und entſchwand.

bringen und hoffe, daß mir dies einigermaß iſt ringen und hoffe, daß mir di germaßen gelungen iſt. Das dichteriſche Schaffen iſt, wie ſchon geſagt, dem Weltprocen analog und dadurch erhebt ſich die wahre Poeſie zur Offenbarung. Cehranihwieg und erwartete eine Antwort. Ich verkenne Ihr Talent nicht, entgegnete Herr Hans;ſoll ichgber zufäühtg ſei, ſo ſcheint es mir, als wenn Ste nach ar nialität haſchen; Sie beeinträchtig rch den rei ß Ihrer Poeſde e chtigen dadurch den reinen Genuß ſeai verſtehen mich nicht, rief nie geliebt, oder wenn ſo haben Sie das Weſ⸗[Li W b nie geliebt, od ſo haben Sie das Weſen der Liebe nicht in ſeiner höchſten und allſeitigen Bedeutun igſt icht i Bezug auf das Gemüth des Dichters erfaß⸗ demiaſtin nicht i § laube die Liebe 27. ſ ueh Ich g die Liebe zu kennen, ſagte Herr Hans ſehr Nein, antwortete German,ſonſt .jonſt würden ¹ theilen. Was Goethe den Fauſt nich 1 war das Wort, das iſt in meinem Gedi iſt das Schöpfungswort, Liebe hat die V noch täglich eine Welt.

German ſtolz.Sie haben

würden Sie anders ur⸗ aſſen läßt:im Anfang cht ausgeſprochen. Liebe Liebe ha Weitt geſchaffen und ſchafft och lebe liegt unbewußt dem Schaffen in der Natur zu Grunde, ſelbſtbewußt tritt ſie im Neenſchan fne 85 aahſtes Beinzſeine Geiſtes, als das mit Gq t und der Welt hn Verbindende, Verſöhnende. Liebe iſt Verſb g, iſt di 2 V ligkeit in reinſter Form. ieſe Berſöheg d il die Se⸗ Sie miſchen Alles durcheinander, meinte Ha Hans cher einander, Hd Hans,pan⸗ 4 iſche, myſtiſche und theoſophiſche Anſchauung weiſen. Bun ndniß Ihres Gedichtes bedarf es eines Compnentars, aber es as kein Vorzug für daſſelbe. . einliches Urtheil! rief German. Iter Ausleger des Dante;

Bocaccit) war öffent⸗ von hundert und a ber hunder

b

hilologen werden die alten Schriftſteller interpretirt, und zum

(Werſtändniß der Goethe ſchen und Schiller'ſchen Werke iſt zehnmal⸗ mehr geſchrieben worden, als dieſe Werke ſelbſt an Umfang haben.

Jenes waren berühmte Männer, entgegnete Herr Hans; Mancher zehrt von ihrem Ruhm und zernagt den Geiſt der Tod⸗ ten, um im eigentlichen Sinne davon zu leben.

Aber dieſen Ruhm, unterbrach German ſeinen Freund, mußten ihn Jene ſich nicht erſt erwerben? Und kann ich das nicht auch Moderwitz, ſprechen Sie mir doch meine Zukunft nicht ab. Ich ann mir denken, daß Sie ein Freund ſentimentaler Dichtung ſino, mit amaranthiſcher Weihe übergoſſen. Ich bin Feind dieſer Richtung. Nächſtens wird mein großes GedichtPalingeneſis erſcheinen, ein Weltdrama. Mit ihm beginnt eine neue Epoche der D'ichtkunſt und ich hoffe, es wird mir Ruhm eintragen, wenn

auch icht bei Leuten Ihrer Gattung.

L

Auus der Gegenwart.

Die Perſeverantia.

Die Alter⸗Verſorgungs⸗Anſtalt für deutſche Theater⸗Mitglie⸗ der, von Hofrath Louis Schneider unter Protection des Königs veon Preußen geſtiftet, hat ihren erſten Jahresbericht veröffentlicht. Die Rechnungsablegung geſchah in der Sitzung des Verwaltungs⸗ raths der Geſellſchaft am 24. Januar d. J. Das Vermögen der Geſellſchaft ſollte am 31. Decbr. 1857 betragen(in runden Sum⸗ men): 1) an Stammcapital 11195 Thlr.; 2) an Rentencapital 35379 Thlr.; 3) an Beſtand des Verwaltungsfonds 569 Thlr.;

. Der Kaiſer ſaß aufrecht in ſeinem Belt.Conſtant,

Ich ſage, wie der General d'Espagne, es muß hier zraend

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