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1g. Nr. 14.] Dritte folge. 21³ e„Die Philadelphier?“ fragte Napoleon zögernd und Stimme.„Die nſichtbaren werden Dich ſtrafen und hat faſt ſchüchtern.„Ich kenne ſie nicht!“ Dich richten, wennDu nicht eilſt ſie zu verſöhnen! Du „Du kennſt ſie,“ ſagte die Erſcheinung feierlich,„Du haſt vergeſſen, daß du unter dem Joch der Philadelphier Zweifel kennſt ſie und Du weißt, daß die Unſichtbaren über Dir ſtehſt; der Kaiſer Naoleon glaubt die Macht zu haben, mit Deiner wachen und Dich ſtrafen werden, weil Du Deinen Schwur dem Blut der unter'chten Völker die Worte des heiligen denni gebrochen haſt!“ Schwures auszulöſeen, den einſt der General Bonaparte
„Ich weiß von keinem Schwur!“ im Walde von Fontanebleau den Philadelphiern gethan!“ „Wehe Dir, wenn Du ihn vergeſſen haſt! Ich will ihn„Und ich habe de Macht dazu!“ rief Napoleon ſtolz. Dir wiederholen! Im Walde von Fontainebleau im Jahr„Ich ſtrecke den Armüber Europa hin, und es beugt ſich 1789 war es, wo Du in der Verſammlung der Brüder er⸗ vor mir in den Stapb⸗ derben! ſchienſt und um Aufnahme bateſt. Im Walde von Fon⸗„Aber die Phüladelphier werden Deinen Arm zer⸗ natelt tainebleau war es, wo die Philadelphier Dich aufnahmen brechen und Deine Krone in Staub verwandeln, wenn
re 3 eine So 3 S 2a orſ 9 rof 3 Lrſ Vlut in ihren Bund und Deinen Schwur vernahmen. Soll ich Du nicht eilſt ſie ſu verſöhnen,“ rief die Erſcheinung. Glück Dir dieſen Schwur wiederholen?“„Kehre um, denn nſch iſt es Zeit. Gehe heim nach Frank⸗
„Thue es, wenn Du es kannſt!“
„Du ſchwurſt, daß niemals ein freier Mann wieder Kö⸗
reich, entſage dem Krieg und den Eroberungen; Frankreich will den Krieg nich! mehr, es verwünſcht den Tyrannen,
3. chre uigen gehorchen ſolle, Du ſchwurſt: Tod den Tyrannen, der ihm und Europa den Frieden verweigert. Kehre um, oönen, unter welchem Titel und in welcher Eigenſchaft ſie ſich auch genug des Bluts iſt vogoſſen worden! Schwöre in dieſer Ab⸗ darſtellen möchten.“ Stunde mit einem heiligen Eide, daß Du Deinem Ehr⸗ 4„Das war die Schwuresformel jedes Clubs und je⸗ geiz entſagen, daß Du nicht fortſchreiten willſt auf der der geheimen Geſellſchaft jener Zeit,“ rief Napoleon ver⸗ Bahn der Verbrechen und des Bluts. Schwöre, daß Du n ächtlich. heimkehren willſt nach Frankreich, morgen ſchon!“ ni„Aber die Philadelphier forderten von Dir einen an⸗„Nimmermehr!“ rief Napoleon heftig und zorn⸗ . dern, ſchriftlichen Eid. Daher Eid lautete:„Ich willige glühend. n f dem e un, daß man mir oMs Leben nimmt, wenn ich mich„Schwöre, daß Du umkehrſt, oder ich erwürge Dich!“ 5 jemals mi⸗ eu Königthum verſöhne. Um zu ſeiner Aus⸗ ſchrie die Erſcheinung.„Ich erwürge Dich, wie man den 8 rottung in Europa beizutragen, will ich Feuer und Schwert Wolf erwürgt, der die unſchuldigen Lämmer zerreißt. 5 gebrauchen, will ich, wenn die Geſellſchaft, der ich ange⸗ V Schwöre, daß Du umkehrſt!“ hila⸗ höre, es von mir fordert, ſelbſt das Theuerſte, was ich be⸗„Nein, nein, und abermals nein!“ ſitze, opfern.“— Du ſchriebſt den Eid, und unterzeichne⸗„Ah, Du ſchwörſt nicht, Du willſt alſo ſterben!“ Bläſſe teſt Deinen Namen mit Deinem Blut.“ ſchrie die Erſcheinung, und mit einem einzigen Syrund⸗ orher„Es iſt wahr, ich that das!“ murmelte Napoleon.„Ich war ſie an des Kaiſers Seite, packte ihn mit eiſernen ut⸗ war ein Thor, der, wie alle Andern, von der Möglichkeit Fäuſten und warf ihn auf den Lehnſtuhl nieder.„Du s ſtarrt der Republik träumte.“ willſt alſo ſterben!“ wiederholte ſie, mit einer wilden Bewe⸗ der⸗„Du warſt ein Gläubiger und Du biſt ein Abtrün⸗ gung den ſchwarzen Schleier von ihrem Haupt reißend en!“ rief die Erſcheinung mit drohender und ihr Antlitz unverhüllt zeigend. Dieſes Antlitz war — 5 8
Und dies iſt meine Welt! Das Werde! Ich rief's in den gewalt'gen Streit. Woher das Wort? Wie heißt's, das Erde Und Himmel neu ſchafft allezeit? Vom Himmel einmal klang es nieder 6 Und liegt in jeder Menſchenbruſt; Und da nur einmal klingt es wieder, Weckt eine Welt voll Leid und Luſt. Vaten Als German geendet, ſah er ſich ſtolz um; er hatte das aufgerichtet und ſein Auge glühte. „Das Gedicht enthält einige ſchöne Gedanken,“ ſaß Hans, da der Freund ein Urtheil zu erwarten ſchien. „Einige ſchöne Gedanken?“ wiederholte German, u Lippen zogen ſich verächtlich zuſammen.„Ich glaube,“ fügt zu,„es enthält eine Fülle von Gedanken. Ueber die Ein will ich nicht reden, aber mir ſcheint, Sie haben nicht ei Totalanſchauung gefaßt.“. „Doch,“ entgegnete Hans,„Sie ſchildern das Dichters, zu dem ihn die Liebe begeiſtert.“ „Allerdings,“ antwortete German;„aber in dieſen liegt noch mehr. Ich will Ihnen nur einige Andeutungen geb
Sche
„ſchen Naturphiloſophie angedeutet, welche wieder der bibliſchen Schöpfungsgeſchichte ziemlich analog iſt. Letztere iſt charakteriſirt durch„das Schweben des Geiſtes über der Tiefe.“ Einen Begriff der neueren, d. h. der Schelling'ſchen Philoſophie der letzten Pe⸗ riode habe ich in dem einen Worte„Urnacht“ zu geben verſucht.“
Herr Hans hörte lächelnd zu.
„Das Schaffen des Dichters,“ fuhr German fort,„entſpricht genau dem Proceß der Erdbildung. Das von der Liebe noch nicht ergriffene Gemüth gleicht dem Chaos in ſeiner Wüſte und Leere.
pt Der Geiſt des Dichters ſchwebt über dem Stoff und zwingt ihn 8 Form und Bildung anzunehmen. So ſchafft er ſeine Welt aus der rudis indigestaque moles des Stoffes.“
err „Alſo auch Anklänge an Ovid?“ bemerkte Herr Hans. ine„Ja,“ ſagte German.„Und wie mannigfaltig ſind die Be⸗
ſin- ziehungen zu der Philoſophie unſerer Zeit! In den Worten:„und
iten dies iſt meine Welt, ich rief’s“, kündigt ſich das Selbſtbewußtſein
die als ein ſchö Feriſches an. Hier haben Sie den Kerngedanken des
Fichte'ſcher„Hegel'ſchen Syſtems. Das„ich rief’s“ erinnert
des ſogleich an ſte und ſein abſolutes Ich; Hegel's dialektiſche
Gedanken! ung, nach welcher Gott die Welt als ein Anderes
dicht ſetzt, um i em Anderen ſich ſelbſt zu wiſſen, ſpiegelt ſich in Das den Wort neine Welt.“
Schöpfungswort iſt Liebe. Jede Liebe ſchließt eine Wel f;„TIh nie iſt treffend,“ ſagte Herr Hans,„und jetzt erſt dieſe Welt bildet ſich durch Kampf. Die entfeſſelten Kräfte wird mir Sedicht verſtändlich.“ men, die gröberen Stoffe ſinken zu Boden, die edleren verein„No erſetzte German,„ich meine im Ernſt, was ich ſage. ſich in Klarheit und geiſtiger Schöne. Die Feuerkraft des entbu Das iſt, Hdichtung, die ſich in wonneſeligen, unklaren Empfin⸗ denen Geiſtes durchdringt lebensvoll die Gebilde. Dies ſind di agen der Geiſtides wahren Dichters erfaßt und durch⸗ — Elemente ſo ziemlich jeder Naturphiloſophie; durch das Wort at d ze Welt. Ich habe verſucht in dieſem Gedichte „Chaos“ im erſten Vers iſt die Vorſtellung der ſpeciellen griechi⸗ ich der geſammten Weltanſchauung zum Ausdru


