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Dich empören.— Ah, bah,“ rief der Kaiſer auf einmal, das Haupt raſch erhebend,„dies Alles iſt Thoxhätt. Dies Schloß mit ſeinen Spukgeſchichten hat mich angeſteckt und ich wittere Geſpenſter in der Luft und mache aus meinen, Träumen Prophezeiungen. Ich will zu Bett gehen!“ Und zum zweiten Mal näherte er ſich der Thür des Schlafzim⸗ mers. Plötzlich fuhr er aber zurück, und ſeine flammen⸗ den, weit aufgeriſſenen Augen ſtarrten auf die Thür hin.
Vor derſelben ſtand eine hohe weibliche Geſtalt, die Arme weit über die Thür ausgebreitet, als wollte ſie dem Kaiſer den Durchgang wehren. Ein langes weißes Ge⸗ wand bedeckte ihre ſchlanken ſtolzen Formen, ein ſchwarzer Schleier verhüllte ihre Schultern und ihr hochgehobenes Haupt. Aber hinter dem durchſichtigen Gewebe des Schleiers erblickte man ein bleiches ſchönes Frauengeſicht, deſſen Augen leuchteten wie Schwerterſpitzen.
Napoleon, von ſtummem Entſetzen ergriffen, heftete ſeine düſtern Blicke feſt und unverwandt auf die Erſchei⸗ nung, die jetzt mit hochgehobenem Arme zu ihm heranſchritt. Der Kaiſer, wider Willen erbebend, trat einen Schritt rück⸗ wärts, und die Hand auf die Lehne des Fauteuils legend, auf welchem er vorher geſeſſen, ſchaute er mit düſteren forſchenden Augen der ſich nähernden Geſtalt entgegen.
„Du wagſt es den frechen Fuß in die Wohnung der Hohenzollern zu ſetzen?“ fragte die Erſcheinung mit dumpfem, drohendem Ton.„Du kommſt hierher, um die Ruhe der Todten zu ſtören und die Lebendigen zu den Todten zu hetzen? Fliebe, Vermeſſener, fliehe, denn das Verderben jagt hinter Dir her, und es wird Dich packen und Dich erwürgen! Deine letzte Stunde iſt gekommen! Bereite Dich vor, um vor Deinem Richter zu erſcheinen!“
„Ach, Du willſt mich alſo tödten, ſchöne Dame?“ fragte Napoleon mit leiſem Spott.„Du willſt die Nie⸗
Novellen⸗Zeitung.
[IV. Jahrg.
lamünde ſollte mich vielmehr als Freund willkommen heißen, denn bin ich es niht geweſen, der ſie gerächt hat an dem treuloſen⸗Geſchlecht der Hohenzollern?“
„Du ſpotteſt,“ ſagte die Geſtalt,„denn der Zweifel iſt in Deinem Herzen und der Hochmuth iſt in Deiner Seele. Hüte Dich aber, Bonaparte, hüte Dich, denn ich ſage es zum letztenmal. Deine Stunde iſt gekommen, und jeder Schritt, den Du vorwärts thuſt, iſt ein Schritt zu Deinem Verderben! Kehre alſo um, Bonaparte, kehre um, wenn Du gerettet ſein willſt! Kehre um, denn auf den Schlachtfeldern Rußlands droht Dir das Verderben! Kehre um, denn die Seelen der durch Dich Erwürgten ſchreien zu Gott empor um Rache und fordern Dein Blut für das ihre, Deine Beſtrafung für das hingemordete Glück ganzer Völker! Kehre um, Bonaparte, fliehe den Boden Deutſchlands und wage nicht ihn wieder zu betreten, denn ſchmachvolles Unterliegen wird Dein Loos ſein! Kehre heim nach Frankreich und ſuche diejenigen zu verſöhnen, welche Dich verwünſchen als einen Eidbrüchigen und Ab⸗ gefallenen!“
„Wer ſind diejenigen, welche es wagen wollen mich
einen Eidbrüchigen und Abgefallenen zu nennen?“ fragte Bonaparte haſtig.
„Wer ſie ſind?“ ſagte die Erſcheinung, indem ſie dem Kaiſer einen Schritt näher trat und unter dem Schleier hervor ihn anſtarrte mit düſter flammenden Augen.„Es ſind diejenigen, welchen Du einſt ewige Treue geſchworen, welche Du Deine Brüder genannt. delphier!“
Der Kaiſer ſchrak zuſammen, und eine todtliche Bläſſe bedeckte ſeine Wangen. Seine Mienen, welche vorher einen ſpöttiſchen Ausdruck gehabt, waren jetzt düſter, ent⸗
Ein moderner Dichter. Eine Kritik über„Das Jahrhundert der Umkehr, ein Roman aus Preußen, von einem Geiſtlichen“(3 Theile. Scheube. 1857), deutete in dieſen Blättern die Vermutbung an
läßt Herrn A. v. Sternberg in dem Autor erkennen:
— Ich liebe meinen Vater,“ ſagte German,„aber er iſt eng ͤi n kennt keinen anderen als einen ſpecifiſch chriſtliche 5ta Von dieſem aus handelt er mit ängſtlicher Gewiſſen Faft!
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Kihn ehrenwerth,“ verſetzte Herr Hans vo geaen den Sohn in Schutz nlicher wurde, da eben dieſer Soh
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Gotha, Hugo
der Verfaſſer ſei Max Ring. Folgende Schilderung aber, die an ähnliche Satiren in dem Roman„die Royaliſten“(1848) erinnert,
nehmend,—
„fuhr German fort.„Er hat aeinem Geiſtesleben,
aber als Kenius
derlagen rächen, die ich den Nachkommen des ſchönen Burg⸗ ſetzensvoll, und mit einem Ausdruck des Schreckens ſtarrte grafen Achilles bei Jena, Eylau und Friedland bereitete? er die Erſcheinung an, die ſtolz und graß, mit drohend er⸗ Wahrlich, ich hätte gemeint, die ſchöne Kunigunde von Or⸗ hobenem Arm vor ihm ſtand. 4 — 4 feuilleton Feuill.
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* Herr Hans ſah den Freund ausdrucksvoll an und ſagte dann. „German, hier ſcheiden ſich unſere Wege; ich folge wie Ihr Vater dem Wort aus Gott.“ Es trat eine Pauſe ein. German hob das Buch auf, welches der in eine Ecke geſchleudert hatte, und ſchlug es auf. „Haben Sie dieſes Gedicht geleſen?“ wendete er ſich an Herrn Hans. Dieſer verneinte es. „So will ich es Ihnen vorleſen,“ ſ recitirte der dicke Kleine mit dem großen Schultern nachſtehendes Gedicht:
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agte German, und alsbald ßen Bart und den breiten
n Das Schöpfungswort. Ein Chaos wogt in meinem Buſen! Ob grauſer Urnacht Tiefen ſchwebt 1 Mein Geiſt, geweiht dem Dienſt der Muſen— Und eine Welt entſteht und lebt. Formlos gigant'ſcher Kräfte Ringen Erhebt ſich, ſtrebt und wird Geſtalt; Zu wechſelſeitigem Durchdringen Vereint ſich feindliche Gewalt.
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