Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
206
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Nun fahrt zu Hieb und Schneide! Abulkader der Große, zornentbrannt, Fällt ſengend und brennend in Damel's Land.

Drei Tage ſchon währte der Siegeszug

Des Fußvolks und der Reiter;

Da fand man Land und Wüſten genug, Doch keinen Feind und Streiter.

Das Volk der Jalofs iſt feig entflohn!

O König Damel, wer rettet den Thron!

Allein am vierten unſeligen Tag:

Die Sonne verging in Flammen,

Die ſchnitten ſchärfer als Schwerterſchlag Und alle Meſſer zuſammen;

Die Brunnen verſchüttet, die Quellen verſiegt! Der Mauren Heer in der Wüſte liegt.

Ein Wald im Oſt! ein lieblicher Wald, Getränkt von des Senegal Welle! Allah! nicht Trug und Luftgeſtalt!

Sie ſtürzen zur quickenden Quelle,

Sie ſtrecken die Glieder, kein Auge wacht. Wer weckt die Müden in tiefer Nacht?

Die Jalofs! dumpf durchs Lager tönt Des Schlachthorns ſchreckhaft Rufen, Und Wüſte rings und Wald erdröhnt Von der Roſſe ſtampfenden Hufen.

Ob Sand ob Mauro, gilt uns gleich! Die Jalofs reiten in ihrem Reich.

Die Jalofs reiten im Todesgefild

Bis gen die Sonnenrunde;

Wohl braucht der Maure Speer und Schild, Er kämpft zur letzten Stunde:

Was kein Reiter erſchlug, zertreten kein Roß, Das liegt in Ketten, ein Sclaventroß.

Noveſſen⸗Zeitung.

Vor König Damel gefeſſelt tritt

Der König Abulkader.

Du dräuteſt mir mit Meſſerſchnitt,

Du ſuchteſt Streit und Hader;

Antworte mir, welch Loos mich traf, Wär' ich in Deiner Hand, Dein Sclav?

Auf den Nacken ſetze die Sohle dem Knecht! Der Speer ſoll das Herz ihm durchbohren! Das iſt der Könige uralt Recht,

Das war Dir zugeſchworen.

Thu' Gleiches! alſo der Trotzige ſprach, Und ſtreckte den Nacken gerechter Schmach.

Doch freundlich lächelt und neigt ſich der Mohr Dem Todfeind zu ſeinen Füßen:

Mit Nichten! Hebe Dein Haupt empor, Wozu ſolch grauſam Büßen!

Zerſtört ſind die Städte, erſchlagen das Heer, Dein Herzblut erwecket die Todten nicht mehr!

Doch weil des Krieges wandelbar Glück Den Sieg mir zugeſprochen,

Ich halte Dich gefangen zurück,

Bis ſich Dein Trotz gebrochen.

Wann Abulkeader den Frieden ehrt, Dann zieh' er in Frieden unverſehrt!

Und ſo geſchah's; der Monden drei Blieb Abulkader gefangen;

Da zog er hin, verſöhnt und frei,

Es war ſein Trotz vergangen;

Und ſeit erklang mit Preis und Schall Das Lied von Damel am Senegal.

iſt ſehr würdig gehalten. Die Notiz, daß G. Freytag ſich an dem bei Trewendt in Breslau erſcheinenden Album für die Abgebrann⸗ ten von Bojanowo betheiligen werde, iſt von Intereſſe. Deutſches Kunſtblatt, Zeitſchrift für bildende Kunſt, Baukunſt und Kunſthandwerk, Organ der deut⸗ ſchen Kunſtvereine u. ſ. w., redigirt von Friedrich Eggers in Berlin, und Literatur⸗Blatt, redigirt von Paul Heyſe in München. Neunter Jahrgang. Stuttgart, Ebner und Seubert. 1858. Ein Blatt, in dem Franz Kugler, G. F. Waagen, Ernſt För⸗ ſter,

Heine, objectives Epos, ideales Drama und Weltanſchauungen im Allgemeinen anknüpfen. Die rüſtige, im Journalismus noch nicht abgebrauchte Kraft, die Paul Heyſe nun von München aus dieſem literariſchen Beiblatte zubringt, wird demſelben ſicherlich einen friſcheren Anſtrich und leichtere Beweglichkeit verleihen. Je⸗ denfalls hat er, Paul Heyſe, nun ein tüchtiges Organ, um ſeine Freunde gründlich und wohlwollend zu beſprechen, und ſolches

Organ iſt Herrn Heyſe ſchon aus dem Grunde im allgemeinen In⸗

tereſſe zu göͤnnen, weil ſeine Freunde zum Theil ſehr tüchtige Ge⸗

Fr. Eggers über bildende Künſte ſchreiben, können wir nicht

kritiſiren, nur empfehlen, und auch der Empfehlung von uns be⸗

darf das deutſche Kunſtblatt ja nicht, das ſeit 8 Jahren von Ber⸗ lin aus eine anerkannte Wirkſamkeit ausübte und nun durch Ueber⸗ gang in den Verlag der thätigen Kunſthandlung von Ebner und Seubert in Stuttgart an Reichthum des Materials nur gewinnen kann. Die Rückſicht, die das Blatt ſeit längerer Zeit auch auf künſt⸗ leriſche Induſtrie nimmt, wird ihm noch eine weitere Verbreitung ſichern. Das dem Unternehmen ſchon ſeit Jahren beigegebene Literaturblatt kam uns bisweilen etwas planlos und zerfahren vor Es iſt ein Uebelſtand, wenn an einem kritiſchen Journal viel⸗ fache Kräfte mitarbeiten; einerſeits iſt es an ſich ſchwierig, mit man⸗

nigfaltigen Theilnehmern eine einheitliche, widerſpruchsloſe Rich⸗

tung einzuhalten, und andrerſeits riskirt man bei Mitarbeitern, die nur ausnahmsweiſe eine Einzelheit bisweilen kritiſiren, daß ſie einen Ueberblick über die Verhältniſſe überhaupt nicht haben, und daß ſie noch dazu an irgend ein Buch, zu deſſen Beurthei⸗ lung ihnen die allgemeine Perſpective fehlt, alle ihre ſehr wichtigen

theile ihr dieſer gewähren könne.

Anſichten über Weltſchöpfung, Sein und Nichtſein, Hegel und

lehrte und echte Dichter ſind, durch deren gründliche und wohlwol⸗ lende Beſprechung das Publicum nur gewinnen kann.

Miscellen. Mannigfaltiges.

Der Philoſoph Pyrrho verwies bei einem Seeſturm zagenden Gefährten auf ein Schwein, das ruhig fortfraß. muß der Weiſe ſein! rief er,ruhig unter allen Umſté⸗

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