Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
204
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men mit der Kindesmörderin, er ſtieß ſie hinunter ins

Burgverließ. Dann zeigte er ihr Verbrechen den Gerich⸗ ten an, und es ward Richtsſitzung gehalten, und die Grä⸗ fin Kunigunde von Orlamünde, die letzte ihres Namens und Geſchlechts, ward zum Tode verurtheilt. Der Burg⸗ graf von Nürnberg ſandte den erſten Scharfrichter der Stadt hinaus auf die Plaſſenburg, und in demſelben Zim⸗ mer, in welchem ſie die Mordthat verübt, ward der Gräfin Kunigunde im Beiſein des Burggrafen das Haupt vom Rumpfe getrennt. Bevor ſie aber das Haupt auf den Block legte, ſchaute die Gräfin zu dem ſchönen Burggra⸗ fen hinüber, und erhob beide Arme gen Himmel, und that einen fürchterlichen Schwur, daß ſie ſich rächen wolle an dem Grafen und an ſeinem Geſchlecht, und daß, ſo oft einer von ſeinem Geſchlecht ſterbe, ſie dabei ſein wolle, ſo wie der Burggraf jetzt bei ihrem Tode zugegen ſei, und daß ſie nimmer ruhen wolle in ihrem Grabe, ſondern leben und wandeln wolle, trotzdem daß der Burggraf ſie zum Tode geführt habe, und daß ſie, ſo wie ſie jetzt ihm in ihrer letzten Stunde gegenüber ſtehe, ſie ihm auch in ſeiner letz⸗ ten Stunde erſcheinen werde, ihm und allen ſeinen Enkeln und Urenkeln. Und nachdem ſie ſo geſchworen und mit einem fürchterlichen Eid bekräftigt hatte, legte ſie ruhig ihr Haupt auf den Block, und der Nachrichter that ſein Werk. Im Kloſter Himmelskron ließ alsdann der Burggraf ſie begraben, und kraft eines alten Vertrages wurden die Grafen von Nürnberg jetzt die Erben ihrer Lehnsvettern, der ausgeſtorbenen Grafen von Orlamünde. Die Plaſſen⸗ burg ſammt Baireuth und Burg und allem Gut der Or⸗ lamünde ward alſo Eigenthum des Burggrafen Albrechts des Schönen. Er konnte ſich der Erbſchaft aber nicht lange freuen, denn nach wenigen Jahren, nachdem er ſeit einiger Zeit mit der ſchönen Gräfin Beatrix von Hennegau ver⸗ mählt war, ſtarb er ganz plötzlich. Seine Gemahlin er⸗ wachte davon, daß er einen lauten Schrei ausſtieß und rief:Kunigunde! Kommſt Du ſchon mich zu holen?

Novellen-Zeitung.

Weh! Wehe mir! Dann ward Alles ſtill, die Gräfin ſchrie nach ihren Leuten, nach Licht. Die Diener ſtürzten herbei mit Licht und Fackeln. Der Burggraf Albrecht der Schöne lag in ſeinem Bett und war todt. Das, Ew. Majeſtät, iſt die Geſchichte von der weißen Frau von Baireuth.

Die weiße Frau iſt alſo den Hohenzollern von der Plaſſenburg nach Baireuth und Berlin gefolgt? fragte Napoleon.Denn ſie erſcheint auch zuweilen in Berlin, nicht wahr?

In Berlin und aller Orten ſonſt, wo ein Mitglied des Hauſes Hohenzollern, der Urenkel der Burggrafen von Nürnberg, bald ſterben wird.

Ach, die gute Frau hat es nur mit der Familie Hohenzollern zu thun! rief Napoleon lächelnd.Und nur dieſen erſcheint ſie.

Nein, Majeſtät, ſie erſcheint zuweilen auch Andern, ſagte Schluter,ſie wandelt umher im Schloß, und wer ihr im Wege ſteht und ihr mißfällt, dem ſagt ſie's und heißt ihn im Zorn von hinnen gehn. Die weiße Frau vergißt keine ihrem Hauſe angethane Beleidigung, und ſie iſt mäch⸗ tig in ihrem Zorn.

Ich habe davon gehört, rief der Kaiſer düſter. Meine Generale klagten ſehr über die Ruheſtörungen, die ſie hier im Jahre 1806 von der weißen Frau erdulder hätten. Sie waren damals ſchon hier, nicht wahr?

Ja, Sire, und ich war auch hier, als der General d'Espagne im Jahre 1809 hier im Schloſſe ſein Quartier nahm.

Ach, ich beſinne mich! ſagte Napoleon leiſe vor ſich hin.Duroc erzählte mir damals von der Geſpenſterge⸗ ſchichte! Was geſchah denn dem General d'Espagne?

Sire, der General war Abends ſpät hier angekom⸗ men und hatte, da er ermüdet war, ſich früh zur Ruhe be⸗ geben. In der Nacht hörte man in dem Zimmer des Ge⸗ nerals ein fürchterliches Geſchrei. Die Ordonnanz⸗Offf

geweſen iſt, wie Lablache es war. Er erregte daſelbſt einen En⸗ zöſiſchen Officieren als irgendwo; man bezeichnet als Gr

thuſiasmus, wie ihn kaum die Griſi bei ihrem außerordentlichen

Talente zu erregen im Stande war. J Puritani, Don Pasquale, il Matrimonio ſegreto und il Barbiere di Seviglia haben den Ruf des Sängers und Schauſpielers feſt gegründet.

Sein Ende war ſeines Charakters würdig. Seine Familie hat den Auftrag ertheilt, ſeine ſterblichen Ueberreſte nach Frank⸗ reich zurückkehren zu laſſen, wo ihm zu Ehren ein Trauergottes⸗ dienſt gefeiert werden wird.

Die italieniſche Oper wird ihn lange vermiſſen und ſchwer⸗ lich je erſetzt erhalten.

Aus der Gegenwart. Die franzöſiſche Armee.

Die Bidung des franzöſiſchen Heeres geſchieht zumeiſt ver⸗ mittelſt der Conſcription. Alle körperlich Geeigneten untertiegen zwiſchen dem 21. u. 22. Altersjahr der Looſung, deren eine beſtimmte Anzahl dem Heere jedes Jahr eingereiht wird. Die Erſetzung durch Stellvertreter findet auch hier ſtatt und wird in neueſter Zeit ſo wie in unſerer Armee durch den Staat beſorgt. Der jetzige Kaiſer ſucht den Wiedereintritt gedienter Soldaten möglichſt zu befördern; ſie erhalten, wenn ſie ſich zu einer zweiten Capitulation verpflichten(in welchem Falle man ſie ſogar als Einſteher ver⸗ wendet), den neueſten Anordnungen gemäß eine Soldzulage von 10 Centimen täglich und eine ſogenannte Prämie von 1000 Francs, davon 700 erſt nach beendeter Dienſtzeit.

Der Unterſchied der Chargen iſt viel ſchroffer unter den fran⸗

die Mannigfaltigkeit von politiſchen Anſichten und Vergangen⸗ heiten der Einzelnen. Die Legitimiſten ſind in nur ſehr geringer Anzahl bei den Regimentern, wie in der Armee überhaupt vertre⸗ ten, mehr die Orleaniſten, Anhänger der Söhne Louis Philipps, mit welchen ſie häufig in Algerien gedient, ſowie viele Anhänger der verbannten Generale Changarnier, Bedeau, Lamoricière und insbeſondere des eben vor Kurzem verſtorbenen Cavaignac.

Das Avancement geht gewöhnlich nicht ſtrenge nach der An⸗ ciennetät; Talent und Fähigkeit, insbeſondere Bravour und Tap⸗ ferkeit vor dem Feinde, öffnen dem franzöſiſchen Militär ſeinen Weg, der Ehrgeiz iſt groß unter Officieren und Mannſchaft, das Olivenblatt der Friedensfreunde, wie das bekannte:l'empire c'est la paix! Napoleons III. erfreut ſich daher wenig der Sympathien in der Armee.

Die franzöſiſche Dienſtesdisciplin iſt von jeher als ſehr ſtrenge bekannt, die Strafen verhältnißmäßig härter wie in den meiſten Armeen. Die Dienſtesſprache kurz, beſtimmt und rückſichtlos, aber, wie man mir ſagte, nie grob. Stockſtreiche, welche in ganz Frankreich als ſehr ehrenrührig gelten, ſind nicht eingeführt, aber dafür nicht minder ſchmerzliche Strafen, als: der ſogenannte ſpa⸗ niſche Bock, Zuſammenſchnüren der Arme auf mehrere Munden, Schließen an ein Wagenrad; mindere ſind: Arreſt verſchiedenen Grades, Strafwachen, ſtündliches Ausrücken mit Sack und Pack, Putzen alter Waffen u. dgl. Ausbleiben über die Retraite, Zu⸗ ſpätkommen beim Allarm, Unaufmerkſamkeit beim Exerciren wer⸗ den ſehr ſtrenge beſtraft, eben ſo auch die Officiere ſehr häufig mit

Caſernen⸗ und Hausarreſten belegt. Größere militäriſche Vergehen werden durch Abgabe an Straf⸗

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