Jahrgang 
01-26 (1858)
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ſund ihg die Bühne betreten zu laſſen.

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Nr. 13.] 4. 2

Sire, es war die Frau Kunigunde von Orlamünde, die Herrin von der Plaſſenburg. Hatte den alten Grafen von der Plaſſenburg heirathen müſſen, auf Befehl ihrer Eltern, und als der alte Graf nach ſechs Jahren einer ſchlimmen Ehe ſtarb, war Frau Kunigunde von Orlamünde eine junge Witwe von vier und zwanzig Jahren, die Er⸗ bin der ſchönen Plaſſenburg und Mutter von zwei Kin⸗ dern. Sie war eine junge, lebensluſtige Dame und ſchaute umher nach einem zweiten Gemahl. Da fielen ihre Augen auf den Burggrafen von Nürnberg, den hochgebornen Herrn Albrecht den Schönen. Das ganze deutſche Volk nannte ihn ſo, und alle Mädchen weit und breit, die Fräu⸗ leins ſowohl wie die Bürgerstöchter von Nürnberg, liebten den ſchönen Grafen von Nürnberg, den Stammherrn des Hauſes Hohenzollern. Er aber, der edle Herr Albrecht, liebte nur die Eine, die ſchöne Beatrix von Hennegau, und Keine als dieſe wollte er heirathen. Frau Kunigunde von Orlamünde aber wußte das nicht und ſandte ihm Bot⸗ ſchaft und ließ ihn fragen, ob er ſie heirathen möcht'? Sie wollte ihm zum Eigenthum auch die ſchöne Plaſſenburg geben, ſammt ſich ſelbſt und all' ihrem Hab' und Gut! Der Herr Burggraf Albrecht der Schöne lächelte, als er die Botſchaft vernahm, und zuckte die Achſeln und ſprach: Sagt Eurer Gräfin, ſie wär' wohl liebenswerth, und ich möcht' ſie wohl heirathen, wenn nur vier Augen nicht wären! So aber kann's nimmermehr ſein, weil die vier Augen ſind! Der Burggraf meinte aber damit die Augen ſeiner Eltern, welche der Gräfin von Orlamünde nicht wohlgeneigt waren, und er wollt' ſeine Weigerung auf ſeine Eltern ſchieben, um die ſchöne Witwe nicht zu be⸗ leidigen. Aber die Frau Kunigunde legt' ſich die Worte anders aus und dachte, die vier Augen, von denen der Burggraf geſagt, daß ſie einer Heirath im Wege ſtänden, das wären die vier Augen ihrer zwei Kinder. Sie liebt aber den ſchönen Burggrafen ſo heiß, daß ſie von dieſer Stunde an ihre Kinder haßte, weil ſie vermeinte, ſie allein

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ſtänden ihrer Verheirathung im Wege. Der böſe Geiſt und die böſe Liebe flüſterten ihr ins Ohr:Gehe hin und tödte deine Kinder! Und Kunigunde erhob ſich von ihrem La⸗ ger; im langen weißen Nachtgewand, das Haupt bedeckt von einem ſchwarzen Schleier, aus dem ihre böſen Augen hervorblitzten, ſo ſchlich ſie an das Lager ihrer beiden Kin⸗ der. Aus ihrem ſchwarzen Rabenhaar zog ſie eine lange goldene, mit Edelſteinen beſetzte Nadel, die ihr einſt der Burggraf Albrecht geſchenkt, und mit der Nadel durch⸗ bohrte ſie eins nach dem andern das Haupt ihrer beiden Kinder und durchſtach ihnen das Gehirn mitten auf dem Wirbel!

Medea! rief Napoleon in die Flammen ſtierend. Das alſo iſt die Geſchichte der hohenzollerſchen Medea!

Nein, Sire, die Gräfin hieß nicht Medea, ſondern Kunigunde, ſagte Schluter beſcheiden.

Napoleon lächelte.Weiter! befahl er.

Am andern Morgen war groß Wehklagen auf der Plaſſenburg, denn die beiden lieblichen Kindlein lagen todt im Bett, keine Spur einer Gewaltthat war an ihnen zu ſehen, und der Hausarzt der Gräfin entſchied alſo, die Kin⸗ der ſeien am Schlagfluß geſtorben. Die Gräfin Orla⸗ münde ſandte einen reitenden Boten gen Nürnberg zum Burggrafen Albrecht dem Schönen und ließ ihn zu ſich be⸗ ſcheiden. Und als der Burggraf kam, da trat ihm Frau Kunigunde im weißen Brautgewande entgegen, und ſchaut⸗ ihn an mit leuchtenden Augen, und hielt in ihrer erhobe⸗ nen Rechten die goldene Nadel und ſprach:Die vier Au⸗ gen ſind nicht mehr. Ich habe um Euretwillen meine bei⸗ den Kinder mit dieſer Nadel, Eurer erſten Liebesgabe, durchbohrt, die vier Augen ſind geſchloſſen! Jetzt nehmt mich zum Weibe! Da entſetzte ſich aber der Burggraf, und er ſtieß die Mörderin zurück, die ihn umarmen wollte, und packte ſie, und ſchleppte ſie fort durch alle Gemächer bis zu dem Burgverließ hin. Sie weinte und bat, und ſchrie und jammerte, aber der Burggraf hatte kein Erbar⸗

Portraits. Lablache.

Der Genius mit der umgeſtürzten Fackel, wie die Alten den Tod eben ſo ſchön wie finnreich darſtellten, hat gleich im erſten Monat des neuen Jahrs viele Berühmtheiten weggerafft. Eben ſo unerſetzlich wie für die Tragödie der Verluſt der Demoiſelle Nachel iſt, iſt es der am 23. Januar e. in Neapel erfolgte Tod des Baſſiſten Lablache für die Oper. Seit ſeinem letzten Engagement in Petersburg war ſeine Geſundheit leidend, und anſtatt die Bühne zu betreten, ſuchte er in deutſchen Bädern Stärkung für ſeine er⸗ ſchütterte Bruſt, und die liebevolle Sorgfalt Roſſini's für ihn hatte wirklich eine ſo bemerkenswerthe Beſſerung derſelben bewirkt, daß er ſich vorgenommen hatte nächſtens wieder in Paris im Théatre italien aufzutreten; doch allen dieſen Plänen machte ſein plötzlich und ganz unerwartet eingetretener Tod, der deshalb für ſeine Freunde und Bewunderer um ſo ſchmerzlicher iſt, ein ſchnelles Ende.

Lablache war der Sohn eines franzöſiſchen Emigranten und wurde am 6. December 1794 in Neapel geboren. Im Alter von zwölf Jahren trat ex in das dortige Conſervatoire, um daſelbſt die Muſik gründlich zu ſtudiren. Sein Sinn war dagegen weit mehr auf die Bühne gerichtet, und ſo entwiſchte er ſeinen Aufſehern und engagirte ſich bei der Truppe eines kleinen Theaters in Neapel. Seine Flucht gab die Veranlaſſung zu einer königlichen Verord⸗ nung, worin jedem Theaterdirector unter einer ſtarken Geldſtrafe verboten wurde, ohne Genehmigung des Vaters oder einer andern competenten Perſon irgend einen Minderjährigen zu engagiren

Im Jahr 1812 ſpielte der unfügſame Zögling auf der be⸗ ſcheidenen Scene des Don Carlino die Rolle des Buffo. Um dieſe Zeit verheirathete er ſich mit der Tochter Pinotti's, eines ſehr beliebten Schauſpielers. Nachdem er auch in Meſſina mit Beifall als Buffo aufgetreten war, erſchien er in Palermo als erſter Baſſiſt. Sein Erfolg in Marco Antonio, einer Oper von Paveſi, war ſo groß, daß der Beifall des Parterres ihn fünf Jahr lang in dieſer Stadt feſthielt. Im Jahr 1817 wurde er in Mailand in der Ce⸗ nerentola applaudirt. Sein Ruf war gewachſen, ſein Name war in ganz Italien bekannt. Kurz nachher hatte Turin Gelegen⸗ heit ſein Talent kennen und würdigen zu lernen. Die Maeſtri componirten für ihn beſondere Opern; das that z. B. Mercadante, der eigens für ihn Eliſa e Claudio, eins ſeiner ſchönſten Werke, ſetzte. Mailand, Venedig und Wien beriefen den berühmten Sän⸗ ger und machten ſich denſelben ſtreitig. Die Wiener ließen ihm zu Ehren eine Medaille prägen.

Nach einer Abweſenheit von 12 Jahren kehrte Lablache nach

Neapel zurück, wo Ferdinand I. ihn zu ſeinem Kapellmeiſter er⸗

nannte und ihn am San Carlo⸗Theater engagiren ließ, wo die Rolle des Aſſur in der Semiramide das Maß ſeines ausgezeichne⸗ ten Talents gab. Einige Jahre ſpäter traf er in Parma einen jungen, talentvollen, aber unbekannten Componiſten, und Lablache pflückte für ſeinen neuen Freund Bellini einen erſten Lorbeer, denn Zaira hat das Talent dieſes Maeſtro zuerſt offenbart. Jetzt erwartete Paris, das den Talenten die hochſte Weihe gibt, den Künſtler. Lablache trat daſelbſt im Jahr 1830 auf der Bühne der italieniſchen Oper auf und erlangte daſelbſt als Schauſpieler und Sänger einen wundervollen Erfolg. Ganz daſſelbe war in London der Fall, wo ſelten ein italieniſcher Sänger ſo populär

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