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Nr. 12.]
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Dritte
neuem beleidigt durch eine bloße Anſpielung, durch dieſe Bitte um Verſöhnung, hob ſie plötzlich die Tafel auf.
Die Damen zogen ſich zurück und Arthur begleitete
Reginald in ſein wieder bezogenes Zimmer neben dem Mar⸗ morſaal. Sie fanden den alten Franz beſchäftigt die Koffer auszupacken und Wäſche, Kleider u. ſ. w. einzu⸗ räumen.
„Hier iſt ja Dein Piſtolenkäſtchen,“ rief Arthur im Eintreten.„Was Teufel willſt Du denn hier mit dieſen kurzen Läufen anfangen? doch nicht Haſen und Rehe mor⸗ den?“
„Nein, lieber Freund, Geiſter.“
„Puh!“ ſagte Arthur und that, als ob er ſich ängſt⸗ lich umſähe.„Sprich nicht ſolche gefährliche Worte ſo laut aus. Man weiß nicht, wer es hört.“
„Du biſt ein Spötter,“ erwiderte Reginald und hing die Piſtolen über das Bett.
„Und Du biſt ein Hypochonder,“ entgegnete Arthur und lachte ſeinen trüben Freund aus. gehen wir auf die Jagd, das wird Dich zerſtreuen; heut aber erzähle mir: was ſagen Ledebur und Heſekiel über das genealogiſche ABC⸗Buch des Herrn Ritter von Mayer?“
Da dieſe beiden Herren Autoritäten in ihrer Wiſſen⸗ ſchaft ſind, ſo würde es gewiß dem Leſer höchſt intereſſant ſein, ihre näheren Anſichten über dieſen wichtigen Fall zu vernehmen, aber ein Biograph muß bei den Ausſprüchen von und über lebende Perſonen discret ſein, und ſo fühl' ich mich verpflichtet dieſes Geſpräch zu verſchweigen.
Nach Tiſche verließ Arthur ſehr bald das Zimmer, auch Tante Boddel entfernte ſich in Geſchäftigkeit. Regi⸗ nald behauptete ſeinen Platz Helenen gegenüber, um es endlich zu einigen aufklärenden Worten zu bringen.
Sie ſelbſt war boshaft genug das Geſpräch zu begin⸗ nen:„Sie haben von den Verdienſten gehört, zu denen Lieutenant von O. gekommen iſt, deſſen Freundſchaft Sie durchaus ablehnen wollten?“
„Morgen früh
„Lieutenant von O.? Ich ſprach damals von einem
Lieutenant O.“
„Man ſagt, daß der Kriegsminiſter ihm den Adel ver⸗ ſchafft habe.“
„Schon? Seine Nobiliſirung ſoll ihm wahrſcheinlich den Weg zu der glänzenden ariſtokratiſchen Partie bahnen, die das Gerücht ihm ebenfalls zuſpricht. Sie wiſſen ge⸗ wiß Näheres, gnädige Frau!“
„Kann Ihnen nichts ſagen als das, daß ich Gelegen⸗ heit gefunden im Umgange mit Herrn v. O. mir ein viel günſtigeres Urtheil über denſelben zu bilden, als Sie es mir einſt zu octroyiren ſuchten.“
„Ein Urtheil, das vielleicht nur aus Widerſpruch ge⸗ gen mich ſo günſtig ausgefallen,“ erwiderte Reginald ge⸗ reizt, und auf ihren erſtaunt fragenden Blick fuhr er fort: „Meine gnädige Frau, ich habe Sie einſt aus Unwiſſenheit beleidigt, ich habe Sie dann aufs Inſtändigſte um Ver⸗ zeihung gebeten, und—“
„— und als ich Ihnen dann erlaubte mich zu be⸗ ſuchen, um ſich die Verzeihung einzuholen, da—“
„— da mußte ich mich mit Dienſtgeſchäften entſchul⸗ digen, dieſe Verzeihung vor Ihrer ſo unerwartet ſchleuni⸗ gen Abreiſe nicht einholen zu können, und Sie haben dieſe unabweislichen Entſchuldigungen nicht eines Wortes der Erwiderung bis heute werth gehalten.“
„Herr v. Perlmeer, Sie ſind in meinen Augen ſo ent⸗ ſchuldigt, daß es gar keines Eingeſtändniſſes von meiner Seite bedurfte; Sie ſind mehr entſchuldigt, als Sie glau⸗ ben, mehr, als Ihr Brief es thun konnte, ſo entſchuldigt, als es überhaupt nur möglich iſt, da ich den wahren Grund Ihres Ausbleibens aufs Thatſächlichſte in Erfahrung ge⸗ bracht habe.“
Reginald ſuchte ſich paradieſiſch unwiſſend zu ſtellen, aber innerlich erſchrak er, ſein Mißgeſchick ahnend, und er erbleichte wie ein auf den Tod Verwundeter, als Helene
lich die Stellung der höheren Demi⸗Monde, ſoweit Capitaliſtin⸗ nen unter ihr ſind, zu dieſer brennendſten Frage des Tages eben⸗ falls nicht unberückſichtigt geblieben iſt.
Dieſes war die vorletzte Arbeit des Dichters. Nicht nur Eure Dialektik des Geiſtes, auch unſere Dialektik der Naturgeſchichte kann die Entwickelung von Erſcheinungen auch ohne Kenntniß der Erſcheinungen ſelbſt aus der Nothwendigkeit ihrer inneren Folgerichtigkeit heraus ſich conſtruiren. Auch wenn wir des Dich⸗ ters neuſtes Stück der heurigen Saiſon nicht kennten, wir würden das Thema deſſelben beſtimmen können. Nachdem die Naturge⸗ ſchichte des ſchrecklichen Verhältniſſes bis zu dieſer letzten Ausein⸗ anderſetzung der Geldfrage gelangt iſt, bleibt in ihrer Behandlung nur noch eine Frage offen, die Frage nach den natürlichen Folgen. Gibt es aber natuͤrlichere Folgen ſolcher natürlichen Verhältniſſe als— natürliche Kinder? Alexander Dumas Fils mußte ſeinen Fils naturel ſchreiben, und er hat ihn geſchrieben, und er iſt am 16. Januar 1858 der chriſtlichen Zeitrechnung auf unſerem théatre du Gymnase-Dramatique zum erſten Male über die Breter gegangen.
Ein paar Tage, nachdem man hier ein Stück gegeben hat, iſt es gedruckt im Buchhandel zu bekommen. So habe ich den üls naturel denn eher geleſen, ehe ich dazu kam ihn aufgeführt zu ſehen. Mon dieu! Was iſt das für ein Stück! Wir ſind gewohnt, von einem franzöſiſchen Drama alles Mögliche und Unmögliche zu erwarten, Genialität und Unſinn, fieberiſche Spannung und unbefriedigte Löſung, leichtſinnige Motivirung und blendende Effecte, nur Eines erwarten wir nicht— Langeweile, und gerade dieſer natürliche Sohn, der als Kind der Liebe das Recht hätte hypergenial zu ſein, vermeidet in wahrhaft philiſtröſer Aengſtlich⸗
keit alle ſonſtigen franzöſiſchen Mängel und Vorzüge und über⸗ raſcht nur mit einem Mangel, dem unerwartetſten von allen, dem der Langenweile! Iffland, Kotzebue und Frau Dr. Birch⸗Pfeiffer, Ihr ſeid als dramaturgiſche Spießbürger verſchrieen; ſeit Alexandre Dumas flls naturel dürft Ihr alle Drei Anſpruch auf Geiſt und Originalität machen. Menſchenhaß und Reue iſt ein Meiſterſtück der Behandlung, Steffen Langer ein Muſterwerk der Erfindung gegen dieſe Comédie en cinq actes dont un prologue. Welcher deutſche Autor dürfte es wagen, ſeinen Helden, der im letzten Acte natürlich heirathen ſoll, im erſten in den Windeln— nicht gerade auf der Bühne erſcheinen zu laſſen, aber doch im Nebenzimmer hinter den Couliſſen ſo mitſpielen zu laſſen, daß wir immer, wenn die Thür geöffnet wird, fürchten, er werde uns jenes Pathos des erſten Alters vernehmen laſſen, das, ſoviel wir wiſſen, außer in Köck und Juſte noch nicht dramatiſch verwendet worden iſt! So iſt der erſte Act reiner Kinderſtuben⸗Unſinn. Der Papa will von dem Jungen nichts wiſſen, er ſucht aus ſeinen Verpflichtungen ſich herauszuſchwindeln und drückt ſich endlich, indem er die Frage nach dem natürlichen Sohne mit der Geldfrage erledigen zu kön⸗ nen glaubt. Kaum iſt er fort, ſo hört das arme Mädchen, das die Mutter iſt, wie ſie betrogen iſt— Papa wollte nur loskommen, um ſich zu verheirathen— und nun raſcher Entſchluß— S'il m'a menti, c'est un miserable, ruft ſie aus, ſtürzt verzweifelt ab und Vorhang fällt. So fängt ein franzöſiſches Luſtſpiel an!
Vorhang geht wieder auf, und der Held, den Windeln im Zwi⸗ ſchenact entwachſen, zeigt ſich ſogleich als ein ſehr netter junger Mann von zwanzig und einigen Jahren, der heirathen will, aber legitim. Es folgen nun zwei Acte, die noch immer faſt nichts Luſt⸗ ſpielartiges haben, ſondern im Style des larmoyanten Familien⸗


