o
auf der Treppe, die Damen aber erwarteten ihn in den neu eingerichteten Zimmern des oberen Stockwerks. Er ſtieg am Arm ſeines Freundes, der ihn mit Fragen und Ge⸗ plauder überſchüttete, langſam hinauf; denn jede Stufe brachte ihn mehr und mehr in die gefürchtete und erſehnte Nähe Helenens. Tante Boddels erſter Ausruf bei ſeinem Anblick war:„Mein Gott, wie krank und elend ſehen Sie aus!“
Reginald küßte ihr für die bezeugte Theilnahme ſtumm die welke, weiße Hand, was ſie ſehr gnädig aufnahm, und wendete ſich dann erſt zu Helene. Er ſah ſie nicht an, als er ihr die Hand reichte und die Begrüßungsworte ſprach. Helene aber, die ihm anfangs mit der bekannten Eiſeskälte ruhig ins Geſicht geſehen, konnte doch nicht um⸗ hin mit Theilnahme zu rufen:„Sie haben ſich wirklich ſehr verändert.“
„Ich habe mich ſeit längerer Zeit nicht wohl befun⸗ den,“ erwiderte er mit ruhigem Ton.
Wie froh war er, als Arthur, der glückliche, in ſeiner Liebe hoffnungsreiche, jedem Zweifel unzugängliche Arthur rief:„Thorheiten! weder krank noch verändert, nur er⸗ froren biſt Du, das iſt die ganze Geſchichte. Wein her! Wein her! wir wollen uns dem„ſtraffen ritterlichen Trunk“ ergeben, das iſt ein Wort nach meinem Sinn, und der Mann, der es ſagte, gefällt mir.“
„Hören Sie nur, welche unnützen Worte der Junge ſpricht,“ ſagte Tante Boddel zu Reginald.„Er thut, als ob er in Breslau ganz verwildert wäre, aber er thut auch nur ſo.“
„Nein,“ rief Arthur und drehte die Tante in der Stube herum,„Wein her! Wein wollen wir trinken den ganzen Tag und die ganze Nacht.“
Während Tante und Neffe ſich in ſcherzhaftem Streit unterhielten, ſagte Helene erklärend zu Reginald, nicht ohne beziehungsvollen Ton, der ein wenig nach Schadenfreude klang:„Arthur iſt ganz übermüthig geworden, ſeit er
Noveſfen-Zeitung.
Clärchens Gegenliebe durch förmliche Erklärung ſicher iſt; obgleich ich glaube, daß er nie ernſtlich an ihr gezwei⸗ felt hat.“
„So hat die Verlobung ſchon ſtattgefunden?“ frug Reginald ſehr erſtaunt.
„Nicht grade die öffentliche Verlobung, doch die Zu⸗ ſage auf Arthurs Bewerbung. Clärchen iſt ein verzogenes Kind und will durchaus dieſes Jahr noch frei bleiben. Am Neujahrstag ſoll die öffentliche Verlobung gefeiert werden.“
Das Frühſtück war aufgetragen, und man ſetzte ſich nieder. Arthur frug nach ſeinen Kameraden im Regiment und ſeinen Bekannten in Berlin und Potsdam, auch in ſeinem Uebermuth nach Waldſtrom und deſſen Frau.
„Sie haben ihr Verhältniß ſo gut aufgefaßt, wie ich nach meiner bekannten Philoſophie es nie für möglich gehal⸗ ten hätte,“ entgegnete Reginald.„Denn nur, vergangener Liebe mit Wehmuth gedenken, ſie mit Ernſt betrachten, ſie nicht verleugnen und nicht verleumden, nur dies gibt Ga⸗ rantie für die gegenwärtige. Und dieſe ſchwierige Auf⸗ gabe erfüllt Frau von Waldſtrom mit größter Zartheit; denn während der Mund, wie mir ihr Gatte geſteht, nicht ſelten die Vergangenheit preiſt, ſtrahlt das Auge im Glück der Gegenwart. Waldſtrom fühlt ſich ſehr glücklich,— ich habe ihm und ſeiner Gattin, als ſie mich von ihrem Glücke überzeugt hatten, und ſomit auch allen Witwen der Welt die Schmach abbitten müſſen, die ich Geblendeter ihnen in jenem Briefe angethan hatte!“
„Reginald als Büßender!“ lachte Arthur.„Dieſe
her! liebe Tante, jetzt reuige Miene kleidet Dich gut.“
„Nimm Dir ein Beiſpiel,“ ſagte Tante Boddel ſehr befriedigt;„will man nur erſt ſeine Fehler bekennen, ſo wird man auch Verzeihung erhalten.“
Reginald beobachtete bei dieſen Worten aufs Schärfſte Helenens Züge. Hier ſprach keine Verzeihung. Wie von
Die natürliche folge der Demi⸗Monde.
Paris. Im Februar.— Bei Euch in Deutſchland fin⸗ det man in dem Verhältniß zu einander gehöriger Dichtungen eine Dialektik des Geiſtes; bei uns hier kann man in einem der⸗ artigen Zuſammenhange nur eine Entwicklung der Naturgeſchichte ſehen. Die ganze Poeſie Alexander Dumas' Fils, iſt ſie nicht die explicirte Naturgeſchichte des ſogenannten„ſchrecklichen Verhält⸗ niſſes,“ die allernatürlichſte Geſchichte der Erfahrungen eines jun⸗ gen Mannes bei nicht ganz eindeutigen Bekanntſchaften? In der Dame aux Camélias macht der junge Mann ſeine erſte Erfahrung, ſie iſt natürlich eine beglückende, bezaubernde, eine Illuſion; er opfert ihr ſeine Exiſtenz, ſeine Beziehungen zu den anſtändigen Leuten, er will leben und ſterben für die Demi⸗Monde, denn er meint, ſie wird ſelbſt ſterben für ihn. Aber der Tod des Camelien⸗ Mädchens muß doch nur eine Illuſion geweſen ſein; der junge Mann hört auf für ſie leben und ſterben zu wollen, er fängt an die Demi⸗Monde trivial zu finden, er ſehnt ſich nach Beſſerem, nach Höherem,— er knüpft ein neues ſchreckliches Verhältniß an, eine verworfene Liebe mit einer anſtändigen Frau. Es wird Diane de Lys geſchrieben, dieſe Tragödie Romeo's mit einer verheirathe⸗
Feuilleton.
—dn
ten Julia.— Jede Untreue aber rächt ſich, auch die Untreue des jungen Mannes gegen die Demi⸗ Monde verlangt ihre Strafe, denn es macht bekanntlich mit unſerer Pariſer Demi⸗Monde Nie⸗ mand ungeſtraft Bekanntſchaft. Der junge Mann hatte wohl ge⸗ hofft, die Bekanntſchaft werde mit der Illuſion zu Ende ſein, ähnlich wie der Maler in Diane de Lys ſeine Modellſteherin sans fagon nach Hauſe ſchickt, als ſeine neue Connaiſſance beginnt.
Aber dem iſt nicht ſo. Das Mädchen mit den Camelien, das in⸗ deſſen zur Baronin d'Ange avancirt iſt, reicht, entrüſtet über den Verrath, ihre Rechnung ein, ihren Liebeswechſel, der da verlangt: Dies iſt das Sujet, wie Sie in Deutſch⸗ land ſagen, die Idee des dritten Stückes von Dumas Fils: Demi⸗ Monde, und man muß dem jugendlichen Dichter nachſagen, daß V er als Mann vom Fach mit großer Sachkenntniß und pſychologi⸗
Zahlen oder Heirathen!
ſcher ſowoyl als juridiſcher Raffinirtheit ſeine Moral in ſolchen Conflicten zur Geltung zu bringen wußte, nämlich die Moral, weder zu zahlen, noch zu heirathen.— Durch dieſe Situation war denn nun natürlich im Gemüthe des jungen Mannes, deſſen jugendlichen Lebenslauf wir hier in der Idee verfolgen, die Geld⸗ frage lebhaft in den Vordergrund gedrängt, und ſo ſchrieb denn Dumas Fils ſeine Question d'Argent, ein Stück, in dem bekannt⸗
——L—ꝛ—ꝛ—
Nr.
neuem Bitte! di Regine morſa Koffer räum
1 Eint kurze den?
/
lich laut
die Pi
gehen
aber ei
geneale ₰
2 ſchaft ſein, verne von u mich!
2
auch J ald
endlie nen: Lieute
Auncha
—
ch de
den unde ſal nic d Diald kann der E Folge ters n das T ſchicht anderſ nur ne Gibt, als— büs na


