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Der Philoſoph in Aniform. Erzählung nach dem Leben aus der Cavalier⸗Perſpective.
(Schluß.)
Später ritt er alle Hetzjagden mit, nicht um ſich aus⸗ zuzeichnen, ſondern mit dem Wunſche zu ſtürzen; aber ver⸗ geblich ſprengte er ohne alle nöthigen Hülfen an die Hin⸗ derniſſe heran, ſein Stern leuchtete noch am Himmel, die Pferde flogen über Hecken, Stämme und Gräben mit einer Sicherheit, als wären ſie gefeit.
Darauf wollte er ſich dem Spiele und Trunke ergeben, aber ohne jeden Erfolg; ſeine Seele war eben dieſen Laſtern fern und fremd, ſie weilte in der reinen Nähe Helenens, und ſo wurde er nicht aufgeregt und unterhalten, ſondern nur gelangweilt und angeekelt. Und durch alle dieſe ver⸗ geblichen Bemühungen, die Liebe zu Helene aus ſeiner Seele zu reißen, brach die Flamme der verzweifelnden Lei⸗ denſchaft, die er erſticken wollte, immer gewaltſamer hin⸗ durch, bis er eines Tages plötzlich erfuhr, jener Lieutenant O., der ihm immer fatal geweſen war, habe, als Techniker von Paſſion, eine Erfindung zur Conſtruction vervoll⸗ kommneter Schießgewehre gemacht, deren Geheimniß ihm die Regierung für eine enorme Summe abgekauft habe. Es wurde zugleich erzählt, daß er in das Kriegsminiſterium nach Berlin berufen werden würde und— daß er ſich um die Hand einer gewiſſen Frau von Sternburg, der Schweſter des Grafen Schön, bewerbe!
„So ſpielt das Schickſal mit unſerem Glücke!“ rief Reginald bei dieſer Nachricht aus.„Aber um ſeinem Spiel uns entgegenzuſtemmen, haben wir Eins, unſern Willen, und ſo lange ich meinen Willen habe, ſoll Helene nicht die Braut eines Mannes werden, deſſen Rivalität ich in frühſter Jugend mit richtigem Inſtincte ahnte,— oder ich will diche verdienen, daß ich länger das Licht dieſer Sonne ge⸗ nieße.“
Die Weihnachtszeit war nahe. Er entſchloß ſich, ſelbſt zum Feſte in Schönau ſich anzumelden, um dort ſeine Liebe, die ſein Schickſal geworden, zur Entſcheidung zu bringen.
Ein freundliches Schreiben Arthurs beantwortete er⸗ munternd ſeine Anmeldung:
„Dein Brief, lieber Reginald, kam nur einer Bitte zu⸗ vor, die ich Dir vorzulegen entſchloſſen war: daß Du näm⸗ lich uns die im Mai entzogenen Tage jetzt im December ſchenkeſt. Ich erwarte Dich ſpäteſtens auf den drei und zwanzigſten, wie Du beſtimmt haſt; doch werde ich jeden Tag früher als ein liebes Weihnachtsgeſchent betrachten.
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„Mir iſt es ſehr gut ergangen. Ich habe den größten Theil des November und December in Breslau zugebracht, da Hallſteins den Winter dort verleben, weil Clärchen die Breslauer Wintervergnügungen einmal zu genießen wünſchte. Es wird ein glänzender und geräuſchvoller und anſtrengender Winter werden. Ich habe doch wenigſtens einen vernünftigen Zweck bei dem tollen Jagen; wie die Andern es aber ohne Ueberdruß aushalten, verſtehe ich nicht. Helene und Tante Boddel grüßen. Lebe wohl bis auf Wiederſehen.
„P. S. Die Rappen erwarten Dich am drei und zwan⸗ zigſten in R.; kommſt Du früher, ſo ſchicke mir einen Bo⸗ ten, denn man findet nur erbärmliches Fuhrwerk in der Stadt.“
Reginald ging gleich nach dem Empfange dieſes Brie⸗ fes zu ſeinem Rittmeiſter und bat um einen Urlaub bis zum dritten Januar, der ihm auch bewilligt wurde; dann machte er einige kleine Weihnachtseinkäufe an Parfümerien und Confituren und ging dann wieder nach Haus, um ſeinen Koffer packen zu laſſen.
Während Reginald ſeinem Diener zuſah, um an Dies und Jenes zu erinnern, was vergeſſen worden war, be⸗ merkte er, daß der eine Koffer nicht ganz feſt gefüllt er⸗ ſchien; er blickte ſich um, um zu überlegen, was er noch mit⸗ nehmen könne, da fiel ſein Auge auf ſeine Piſtolen, er dachte an den Marmorſaal und ſagte:„Ich werde bloß Civil⸗ kleider mitnehmen und auch den Degen zurücklaſſen, packe doch das Piſtolenkäſtchen mit ein.“
„Die Piſtolen ſind noch geladen, und die Kupfer⸗ hütchen ſitzen darauf,“ wendete Robert ein.
„Das iſt gut,“ entgegnete Reginald,„packe ſie nur feſt zwiſchen den Kleidern ein, damit ſie nicht erſchüttert werden.“
Das Geſchäft war beendet. Reginald fühlte ſich ſehr heiter, ging noch in das Caſino, um den Abend mit ſeinen Kameraden zu verleben, was er lange vermieden hatte, und ſchlief dann ſo ruhig und feſt die ganze Nacht hindurch, wie es ihm ſeit vielen Monaten nicht mehr zu Theil gewor⸗ den war.
Die Fahrt von Berlin nach Breslau iſt äußerſt lang⸗ weilig, und Reginald gab ſich, in ſeinen Pelz gehüllt, der Unterhaltung eines öſterreichiſchen Finanzrathes hin, der entzückt war ſolch geduldigen Zuhörer zu finden und ihm von Oeſterreich und deſſen noch unerkannten und unbenutz⸗ ten Reichthümern und Hülfsquellen vorſchwärmte. Er ſchlief in Zettlitz Hôtel und fuhr am nächſten Morgen nach R.
Von hier brachten Gottliebs Rappen ihn in kurzer Zeit nach Schönau. Arthur eilte ihm entgegen, umarmte ihn


