Novellen ⸗ Zeitung.
IIV. Jahrg.
V ALBIII. b
Otto Banck. V
Friſch gelebt! Sie lieſt die Dichter chriſtlich frommer Muſen, Wo Minneluſt vom Kreuz geregelt wird; Soll des Lebens Tragkraft ſich Es amaranthet ihr ſo ſchwül im Buſen, Wirkungsreich entwickeln, Sie fühlt ſich unbeſchreiblich klar verwirrt.
Darf ſie nicht ſo zaghaft ſich
Stimmungsweich zerſtückeln! Was ſie empfindet, kann ſie zwar nicht nennen 6 . Und hört doch ſtets, was ſich der Wald erzählt; 1 Mög auch drohn euch mancher Feind, Die Vögelſprache ſelber lernt ſie kennen b Glaubet mir, es macht ſich, Und fühlt zum Produciren ſich geſtählt. Wer ſich ſelbſt behält zum Freund, Hat gar wohl bedacht ſich! Sie glaubte, es ſei ſchwer, doch der polirte— 4 5 V Rhythmus und Reim, er duſelt ja ſo ſehr L Euer offnes Auge ſei Durch unſre allgemein epidemirte, zuzeich Offner Seele Fenſter,. Tiefſeichte Bildung mundrecht hin und her. geblid Blickt ihr um euch feſt und frei, 3 geran Seht ihr nie Geſpenſter! Das Buch iſt voll von neuen Themen wieder: deenn 1„Treuloſe Liebe,“„Mondlied,“„Frühlingswind;“ Merd Nehmt das Gute für was Guts,— Zart iſt der Goldſchnitt, zarter ſind die Lieder, Sich Laßt die kleinen Sorgen, Die vor⸗ und rückwärts ſchön zu leſen ſind. Heute ſchaffend frohen Muths, aber
Bringt ein glücklich Morgen! 3 4
— fern Wer der Welt zu nützen glüht, Seelengruß. und Lern' ſich ſelbſt erheitern,. Eit fn lunderer Gemüth V Der Schwermuth iſt genug gethan, mu Seine Bruſt erweitern!— Dem Tiefſinn und dem Jagen: Rbli Auf, Liebchen, laß den trüben Wahn! Seel Und in des neuen Jahres Bahn denſe V Soll dich die Freude tragen. du r „Reiw größ're Freud auf Erden iſt.“ Ja, Freude nur und ſtarker Muth O., Erhöhn den Geiſt zur Wahrheit. von Kein’ größ're Freud’ auf Erden iſt, Wer feſt in ihrem Gleichmaß ruht, 6 Als wer ſein Liebchen heimlich küßt, Der findet ſelbſt das Schlimme gut mm, Sein heimlich Liebchen alleine: Und Dämm rung wird ihm Klarheit. de R. O langes, kurzes Liebesglück! Eswu Ein Blick, ein Kuß, ein Kuß, ein Blick— 8 Du haſt der Welten höchſten Hort nachg Ade, du Süße, du Feine! V Empfangen und gegeben; uh Die Liebe iſt's, die fort und fort m d Und wenn ich will zur Linde gehn Als ew'ges, einz'ges Gotteswort Sähr Und ſeh' mein Lieb im Reigen ſtehn,— Beſeligt alles Leben! Da muß ich's eben meiden: Neg Ach! daß ich ſoll verborgen tragen Drun ſollſt auch du beſeligt ſein, u Der Liebe Luſt, das muß ich klagen, V Blick' froh und frei nach oben: V d8 Mein Herze will's nicht leiden! Die wahre Lieb' iſt immer rein, und Und ihrer Unſchuld Heil'genſchein Bra⸗ Doch ſeh' ich dich, du ſüßes Pfand, Hat dir das Haupt umwoben. Ju O Ringlein von der Liebſten Hand, r 33 Daͤbin ſünd Gram und Sorgen! 85 Im rothen Gold ein rother Stein,— i ij tieße Weiß Niemand doch, wann wir allein Lyriſche Lügner. Vom Abend bis zum Morgen!„Es zittert ſchluchzend Weh durch meine Leyer, „Mein Herz zum Tode traurig iſt“— — Halt' ein, du ew'ger Winſelmayer, Wir wiſſen wie und wer du biſt... Der Blauſtrumpf. Geſundheit ſtrotzen deine Glieder, Häſt fette Nahrung, gute Ruh, Sie iſt nicht, jung, nicht alt, doch zum Vermählen— Und beim Verdauen dichteſt du Nicht hübſch genug, denn Reichthum hat ſie nicht. Vor langer Weile ein'ge Sterbelieder.
Aeſthetiſch flieht ſie zu den ſchönen Seelen, Woran es unſern Cirkeln nie gebricht.
Gedichte von Otto Banck. Leipzig, Verlag von Carl 82 Fleiſcher. 1858.
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