Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
172
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172 Novellen⸗Zeitung.[IV. Jahrg. A. .

Theile der Bevölkerung an, welcher ſich, von Art und Sitte der Muſik ein zartesje t'aime flüſtert, worauf die Dame feil zu der Geſellſchaft losgeriſſen, der ungebundenſten Lebens⸗ mit einer Anſpielung auf die naheliegende Reſtauration ſchäft, weiſe hingibt. Man muß alſo bei den Tänzerinnen ganz antwortet; hier führt eine andere Dame den genußſüch⸗ kauft, auf jene anmuthigen, gemüthreichen Erſcheinungen verzich⸗ tigen Sohn Englands zu einem Händler und erwirbt ſich V aber je ten, welche den Reiz der deutſchen Bälle bilden. Dagegen um einige zärtliche Blicke ein paar Porzellanvaſen, welche lauft wälzt ſich dreimal in der Woche das ganze Quartier der Händler am andern Tage um die Hälfte des Kauf⸗ wieder Breda, das heißt der ſchönſte Theil der leichtfertigen pa⸗ preiſes zurückerſteht; dort nähert ſich dem Braſilianer ein Häͤnd riſer Frauen, nach dem feenhafteſten aller Tanzſäle, dem entnervter annähernder Greis mit grauem Haar und genei Jardin Mabille. Ein wahres Lichtmeer blendet den Beſu⸗ grauer Wäſche und bietet ſeine Dienſte als Dolmetſcher bei aber cher bei dem Eintritte in dieſen kleinen, aber feenhaften Gar⸗ dieſen Damen an. Weiter plaudert ein alter Herr, deſſen in d ten. Die Wagen folgen dicht auf einander, graziöſe ele⸗ Anweſenheit an dieſem Orte unbegreiflich und widerwär⸗ gung gant geputzte Pariſerinnen ſteigen heraus, meiſtens aber tig, mit einer Dame entre deux ages, welche ſich an ihrem um allein, und treten, ohne erſt an der Kaſſe das nöthige Entrée Geſichte täglich als ausgezeichnete Portraitmalerin erweiſt; aus zu erlegen, in die Allee, welche zum Tanzplatze führt. hier bilden zahlreiche Cavaliere einen dichten Kreis um eine gefal An das Ende dieſer Allee gelangt, bleibt der Fremdling jugendliche Schönheit, welche, von einer älteren Begleiterin dem überraſcht ſtehen, denn vor ſeinen Augen entfaltet ſich ein geführt, zum erſten Male Mabille betritt, während die al⸗ barf unerreichtes Märchen. In einem wahren Lichtmeer bei ten Stammgäſte neidiſche Blicke auf die neue Rivalin werfen, telze dem Schalle kräftiger Muſik dreht ſich der graziöſeſte oder auch wohl ein philoſophiſchesCela se passera! da⸗ Töüte Theil der pariſer Loretten in der eleganteſten Toilette um zwiſchen flüſtern. Etwas weiter wiederum feuerndieſe nen g das Orcheſter herum, welches in der Mitte des feenhaften Damen ein paar Dutzend Piſtolenſchüſſe mit ſicherer tollküt Zeltes, welches den Tanzplatz bildet, placirt iſt. An dem Hand auf die Scheibe ab in Begleitung eines Sohnes des und d Arme eines Tänzers dahinſpringend wechſeln die Damen freien Amerika's. Dieſer, erſtaunt und gefeſſelt von der gute freundliche Grüße und Bonmots mit den umſtehenden ungebundenen Grazie des pariſer Lebens, ſpricht ſeiner G Herren. Die Habitués ſind von allen Damen gekannt, Dame von der Büffeljagd, worauf dieſe mt dem Wunſche ſich a mit allen befreundet, kleine intime Dialoge werden ſich laut nach einem Abendeſſen antwortet, oder der ritterliche aber zugerufen, ohne daß dies Aufſehen erregte. Was die Welt Spanier ſchmückt ſeine Begleiterin mit den ſchönſten Blu⸗ ihre an feinen, jungen lebensluſtigen Männern aufzuweiſen hat, menbouquets. Wer könnte da widerſtehen, wenn zwei feu⸗ ge be ſpaziert durch das feenhafte Gärtchen oder ſitzt, nachläſſig rige ſchwarze Augen ſehnſüchtig auf die Blumen ſchauen Stud die Cigarre im Munde, auf den Raſendivans. Aus dem und die Händlerin ihrlleurissez vos dames dazwiſchen nelte Boden, aus den Bäumen quellen die Gasflämmchen hervor kreiſcht! Ach, dieſe Händlerin! Auch ſie war in Arka⸗ bille! und verbreiten eine Gluth und einen Lichtſchein über dieſe dien geboren, auch ſie thronte einſt in Mabille als die ange liebenswürdige Hölle, daß der liebe Himmel mit ſeinen Königin des Abends; ganz Europa lag zu ihren Füßen: der tauſend Sternen ſchwarz wie ein Leichentuch darüber aus⸗ und als ſie älter wurde, da färbte ſie die Augenbrauen Taum gebreitet erſcheint. Hier ſitzt man einſam plaudernd in und ſchminkte ihre Wangen, ſie tanzte nicht mehr, ſondern für, einer Laube beiſammen; das iſt der Jüngling, der Neu⸗ ſaß würdig in der halbdunkeln Ecke und ſann; als ſie alt junge ling, der zum erſten Male Paris betritt und im Taumel war, erlaubte ihr der Unternehmer im Garten Blumen V erff. zur Vollendung ihrer Bildung gebracht. Sie ſchreibt von dort klar macht, da verfällt der kleine gemüthliche Nettelhauſen in eine V Briefe an ihre Freundin Nina über die erſten Schickſale außer tödtliche Angſt. Seine ihn begleitende Geliebte, die deutſch dem elterlichen Hauſe, und dieſe achtzehn Briefe bilden den In- ſpricht, rettet ihn aus der Gefahr, die Lieutenants verſtändigen halt des vorliegenden kleinen Bändchens mit geſchmackvoll litho⸗ ſich mit ihr bei einem Gabelfrühſtück, das der Engländer bezahlt, graphirtem Umſchlage. Was an Naivetäten und Originalitäten und dieſe Verſtändigung geht ſo weit, daß Nettelhauſen eines AHATA von ſolcher Verſammlung jugendlicher weiblicher Köpfe getrieben ſchönen Morgens ſeine lange Geliebte nebſt Geld und Pretioſen ein i werden kann, finden wir hier ſehr amuſant erzählt; was uns na⸗ in Begleitung des Baron v. Forſten davongeflogen ſieht. Er non mentlich dabei gefällt, iſt der verſöhnende Abſchluß, den das Ver⸗ läuft entrüſtet auf die Polizei, läßt Steckbriefe über Steckbriefe ſterte hältniß zwiſchen revolutionären Schülerinnen und tyranniſchen ergehen, man bringt ihm eine Gefangene ein, auf die alle die all⸗ oſt d Lehrerinnen endlich doch gewinnt. Die geiſtvolle Feder der pſeu⸗ gemeinen Signalements paſſen und die von der Polizei für die hier! donymen, myſteriöſen Sophie Verena, deren ErzählungAus Schuldige gehalten wird; Nettelhauſen ſieht in ihr ſtatt der ge⸗ ment dem Leben eines Fürſten im vorigen Jahrgang dieſes Blattes V alterten Geflohenen ein reizendes junges Mädchen, er iſt mit dm des I noch erinnerlich ſein wird, hat das urſprünglich engliſche Buch auf Tauſche zufrieden, geht auf den Irrthum ein, ſie desgleichen, E deutſche Verhältniſſe eingerichtet, ſo daß junge Damen in Berlin gelingt ihm auch des Verbrechens, um das er die Begleiterin ver⸗ 13 und Potsdam vielleicht dieſe oder jene kleine örtliche Beziehung folgt hatte, ſie freizuſprechen, die Steckbriefe zu widerrufen, und herausfinden werden. Wir hoffen bei unſern Leſerinnen durch der Leſer kann ſich die ſeltſame Situation denken, in der der Mittheilung eines Bruchſtückes das Intereſſe für dieſe niedliche dicke Engländer und die reizende Fremde ſich jetzt zuſammen be⸗ Gabe zu erhöhen. finden. 4. . So wie dies auf den erſten zwanzig, ſo ſpinnt auch der Fort⸗ Narren⸗Album. Roman in ſechs Büchern. Von F. gang des Narren⸗Albums auf den circa 300 andern Seiten bunte, Binnewerk. Leipzig, Chr. E. Kollmann. 1857. raſch wechſelnde, poſſenhafte Scenen ab. Wir meinen, Verfaſſer

. Ein Mann tritt dem Hunde eines Officiers auf die Pfoten, müſſe Talent für das derbe Luſtſpiel haben, in dem er ſeine Ar⸗ der Officier flucht, der Mann ſagt zu allem Des, der Officier er⸗ beiten ſicher beſſer verwerthen köͤnnte. Die Ausführung des Vor⸗ hält dadurch Grund zu neuer Beleidigung, er fordert den Frem⸗ liegenden ſprudelt von Witzen, die oft recht gelungen ſind, oft auch, den auf Piſtolen, und mit einer alle Welt in Bewunderung ver⸗ nicht, und im allgemeinen Junggeſellen mehr als Jungfrauen, in ſetzenden Ruhe antwortet dieſer auch darauf nichts als ein gleich⸗ Officierswachtſtuben mehr als in Mädchenpenſionen geffallen guͤltiges Des. Das Räthſel dieſes fabelhaften Muthes wird ge⸗ werden. 1 löſt, als man merkt, daß der Engländer kein Wort von dem, was 4 man ihm ſagte, verſtand, und als man ihm endlich ſeine Situation 9*