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„Oder wahrſcheinlicher an Blanchen und Streuſel⸗ kuchen. Der Lieutenant aber hatte Dir dieſer Anklage halber den Nachmittagsurlaub verweigert, und Dein arti⸗ gerer Bruder brachte mir Deinen Klagebrief und ſteckte mir ihn heimlich zu, und ich las ihn eben ſo heimlich, ich thörichtes Ding!“
„Ach ja! Nun erinnere ich mich doch daran. Dieſe Miſſion erregte einen Streit zwiſchen uns Brüdern, weil er behauptete, Du hätteſt ihn eben ſo lieb wie mich— ich kann mir zwar nicht vorſtellen, welche Beweiſe er dafür an⸗ führte; aber das weiß ich noch, er erzählte mir, Du hät⸗ teſt ihn ſehr geküßt, was mich ſehr neidiſch machte.“
„Du biſt abſcheulich! Nun brauchſt Du Dich auf gar nichts mehr zu erinnern; nimm lieber das Ruder und ſteure, ſonſt kommen wir in die Strömung des Falls.“
(Fortſetzung folgt.)
Sonette von Robert Hamerling.
I. Die Roſenknospen.
Sie wollte traut mir eine Roſe reichen, Doch blühte keine voll noch in den Hagen: Sie aber pflückte Knospen ohne Zagen
Und gab ſie mir als ſüßer Liebe Zeichen.
Gebroch'ne Knospen, holde Blumenleichen! Welkt ihr ſo früh in goldnen Lenzestagen? Um ſüßer Liebe Botſchaft anzuſagen,
Muß euer junges Roth ſo bald erbleichen?
Novelen-Zeitung.
[IV. Jahrg. Und dennoch preiſ' ich euch als ſelig Todte: Wohl habt ihr euch zur Krone nicht geründet, Und ſeid nicht aufgeglüht im Purpurrothe,
Doch hat euch Todeswonne ſüß entzündet; Denn ſelig ſtirbt, wer als ein Liebesbote Geſendet ward und Himnliſches verkündet!
Il. Flatternde Locken.
O, knüpfe los die langen goldnen Flechten Und laß ſie lieblich flatternd niederhangen! Viel ſüßer iſt's, mit wildumlockten Wangen
Der Küſſe holden Wettkampf auszufechten.
Du zürnſt? Wie magſt Du mit dem Freunde rechten Um eine Schleife, weichend aufgegangen? Des Haares Schleifen ſind nicht Gürtelſpangen, Und läßt die Locke nicht ſich wieder flechten?
O ſieh, wie ſchön Du biſt— wie reizend fliegen Die Locken jetzt um Deine Lilienglieder, Um ſich zuletzt in Deinen Schoß zu ſchmiegen!
Die Liebesgötter nah'n im Glanzgefieder, Auf dieſen gold'nen Seilen ſich zu wiegen, Und klettern luſtig ſpielend auf und nieder!
Man täuſcht die Frauen auch noch auf andere Weiſe. Man ver⸗ meidet es recht gefliſſentlich ihnen zu ſagen, daß ſie ſich vor ihrer eigenen Sinnlichkeit hüten müſſen und daß gerade von dieſer Seite her ihnen die größte Gefahr droht. wenn ſie bloße reine Geiſter wären. Was entſteht daraus? Da ſie dieſen Feind nicht kennen gelernt haben, ſo ſind ſie webhrlos gegen ihn. Nicht gegen die Männer ſollte man ihnen Mißlrauen einflößen, ſondern gegen ſich ſelbſt. Was vermöchte ein Liebha⸗
ber, wenn die Perſon, die er vorführen will, nicht ſchon durch ſich
ſelbſt verführt worden wäre? Das Temperament iſt bei den Frauen die Haupturſache ihrer Schwächen.
Benjamin Conſtant:
Das leidenſchaftlichſte Gefühl kann nicht kämpfen gegen die Ordnung der Dinge. Die Geſellſchaft iſt zu mächtig, ſie zeigt ſich in zu mannigfachen Geſtalten; ſie miſcht zu viel Bitterkeit in die Liebe, die ſie nicht gebilligt hat.
Beauchéne:
Das junge Mädchen, das anfängt das Bedürfniß der Liebe zu fühlen, ſucht es zu verbergen; aber der Wunſch zu gefallen ver⸗ räth das Geheimniß ihres Herzens und offenbart bisweilen ſeine Hoffnungen.
Mannigfaltiges⸗
Graf Ségur ſchildert in einem Briefe an Madame Mansley eine Theatervorſtellung, der er im
Trianon beigewohnt. Es wurde der„Barbier von Sevilla“
Man ſpricht mit ihnen, als
Jahre 1786 im Luſtſchloß zu
von Beaumarchais gegeben. Marie Antoinette gab die Roſine, der Graf von Artois(der nachherige Ludwig XVIII.) den Figaro, Graf von Vaudreuil den Almaviva und Fürſt Eſterhazy den Dockor Bartolo. Später ſah der Graf daſſelbe Stück in Mal⸗ maiſon, wo Königin Hortenſe die Roſine, Prinz Eugen von Beauharnais den Figaro und der Staatsrath Bourienne den Bartolo gab. Prinz Eugen hatte lange Zeit Unterricht bei Talma und Michaud genoſſen. Welche Schickſale haben dieſe er⸗ lauchten Schauſpieler und welche Schickſale haben Ludwig XX 1. und Napoleon, denen dieſe Stücke vorgeſpielt worden ſind, erlebt!
Im Gotha'ſchen Thsater⸗Kalender vom Jabre 1783 iſt
geführt.
(Seite 205) unter den dramatiſchen Dichtern Friedrich Schiller mit dem Prädicat Aaennknitee in Stuttgart“ auf⸗
Chamfort ſagte von ſeinen Lawdsleuten:„Die franzöſiſche Nation murrt am meiſten, gehorcht am beſten und vergißt am leichteſten.“ 1 b
Nach der Schlacht bei Jena begeehnete Beethoven ſeinem Freunde Krumpholz und fragis ihn mede wöhnlich„Was gibts Reues?“ Krumpholz erwiderte:„Das Neueſte iſt die ſo eben eingetroffene Nachricht, daß Napoleon abe emals einen Sieg über die Preußen erfochten hat.“ Ganz ergrimmt bemerkte Beethoven: „Schade, daß ich die Kriegskunſt nicht ſo v erſtehe wie die Ton⸗ kunſt, ich würde ihn doch beſtegen!“ 1
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